Darum gehts
- Chris Z. muss sich in Bülach ZH wegen Körperverletzung verantworten
- Opfer leidet langfristig an Epilepsie und verlor Geruchssinn
- Anklage fordert sechs Jahre Haft für Übergriff im März 2020
Schaut man sich das Tiktok-Profil von Chris Z. (28) an, merkt man, dass er einen grossen Teil seines Lebens im Gefängnis verbracht hat. Die Videos, die der Mann fast täglich hochlädt, handeln von Lehren, die er daraus gezogen hat, und von den schönen Seiten hinter Gittern. Stolz erzählt er, wie er schon drei Jahre und länger vor den Behörden davonrennt und noch nie geschnappt wurde. Er prahlt sogar damit, seine Zeit im Gefängnis mit dem Kindermörder Werner Ferrari (1946–2025) und dem Vierfachmörder von Rupperswil AG, Thomas Nick (43), verbracht zu haben.
Seit Jahren verspottet er aber auch die Schweizer Justiz in sicherer Distanz vom Ausland aus. In seinen Videos zeigt sich Chris Z. mit Champagner, Luxusautos und Geldbündeln. Der Knast-Influencer aus Buchs ZH spricht vor der Kamera darüber, wie unfair ihn der Staat behandelt habe. Und: Er gibt Ratschläge, meist in holprigem Deutsch: «Was du auf Flucht nie tun darfst: Auto fahren. An Hauptbahnhöfen ankommen. Alkohol trinken.» Die Videos sind simpel gehalten, Chris Z. starrt in die Kamera, über seinem Video erscheinen ein Statement und meist drei Ausführungen darauf. Seine «Tipps» sind dann auch ziemlich konkret: «Berlin ist die beste Stadt, um unterzutauchen», oder «im Minimum 4000 Euro im Monat brauchst du».
Jetzt soll er ausgerechnet vor jenem Staat erscheinen, vor dem er sich seit 2022 versteckt.
Opfer leidet an Epilepsie
Am Dienstag muss sich Chris Z. vor dem Bezirksgericht Bülach ZH verantworten. Der Vorwurf: schwere Körperverletzung. Gemäss Anklage soll er einen Mithäftling im Gefängnis derart brutal zusammengeschlagen haben, dass dieser bis heute unter den Folgen leidet. Die Ankläger fordern sechs Jahre Gefängnis unbedingt.
Ob Chris Z. tatsächlich auf der Anklagebank sitzen wird, ist allerdings unklar. Der 28-Jährige hält sich nach eigenen Angaben im Ausland auf. Gegenüber Blick sagt er: «Ich bin aktuell nicht in der Schweiz.»
Die Tat spielte sich am 5. März 2020 im Flughafengefängnis Zürich ab. Laut Staatsanwaltschaft gerieten die beiden Insassen zunächst verbal aneinander. Danach soll Chris Z. von hinten auf seinen Mithäftling losgegangen sein.
Er soll ihn am Hals gepackt und ihm die Kehle zugedrückt haben. Anschliessend soll er ihm mehrfach mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen haben. Das Opfer sei rückwärts gegen die Toilette gestürzt. Dort habe Chris Z. weiter auf Kopf und Gesicht eingeschlagen, selbst als sich der Mann mit erhobenen Armen zu schützen versuchte. Erst danach habe er von ihm abgelassen.
Der Mithäftling erlitt einen Bruch der linken Augenhöhle, eine Platzwunde sowie mehrere Prellungen. Er musste operiert werden. Bis heute leidet er gemäss Anklage an Epilepsie und hat seinen Geruchssinn verloren.
Raub, Betrug, Raserei
Die mutmassliche Tat ereignete sich zu einem Zeitpunkt, als Chris Z. bereits eine lange Knastkarriere hinter sich hatte. Nach eigenen Angaben verbrachte er insgesamt sieben Jahre seines Lebens hinter Gittern.
In einem Interview mit «20 Minuten» zählte er selbst auf, weshalb: «Mehrfach bewaffneter Raub, schwerer Betrug, Hehlerei und Körperverletzung.»
Nur wenige Wochen vor der mutmasslichen Gefängnis-Attacke war er erneut verurteilt worden. Im Oktober 2018 hatte er bei Winterthur ZH eine Polizeisperre durchbrochen und war ohne Führerschein durch eine 30er-Zone gerast. Obwohl seine Reifen durch einen Nagelgurt beschädigt waren, beschleunigte er weiter und donnerte ungebremst über Kreuzungen. Das Gericht hielt später fest, es sei «allein dem Zufall zu verdanken», dass niemand schwer verletzt oder getötet wurde.
«Kranke Dinge über Haft»
Zurück zu Chris Z.s Tiktok-Videos. Dort erzählt er von seiner Zeit hinter Gittern. Über 5000 Nutzer folgen ihm. Er zählt «kranke Dinge über Haft» auf: «Medikamente im Essen sind kein Mythos.» Oder: «Sie nutzen Stromausfälle bei Grossevents wie WM, um die Leute zu nerven.»
Und er poliert sein Gangster-Image, postet Fotos seiner Verlaufsberichte aus dem Gefängnis: Ihm wird eine «sehr hohe» Rückfallquote attestiert, erwähnt werden Tätlichkeiten gegen Mitgefangene und Drohungen gegen das Personal. Die Posts zeigen: Für Chris Z. sind selbst die düstersten Prognosen Teil seiner Inszenierung.
* Name geändert