Darum gehts
- 19-jährige Schweizerin zieht Missbrauchsvorwürfe gegen Eltern nach 599 Tagen Haft zurück
- Eltern zu langen Haftstrafen verurteilt, Urteile inzwischen aufgehoben
- Stiefvater erhielt 50 Monate, Mutter 47 Monate – Strafverfahren gegen Tochter eingeleitet
599 Tage sassen sie in Haft, zwei Gerichte verurteilten sie zu mehrjährigen Freiheitsstrafen. Bis eine junge Schweizerin (19) die brisanten Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs und Schlägen gegen ihren Stiefvater und ihre Mutter zurückzieht, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.
Der zuständige Oberrichter hat dem Bericht der Zeitung nach Strafanzeige gegen die junge Frau eingereicht. Zuvor habe sie ihm ihre Lügen gebeichtet. Die Jugendanwaltschaft der Stadt Zürich hat ein Strafverfahren wegen falscher Anschuldigung, Irreführung der Rechtspflege und Freiheitsberaubung eröffnet.
Schuldsprüche aufgehoben
Die Jugendliche hatte im Alter von 14 Jahren behauptet, über Jahre geschlagen worden zu sein. Zudem erfand sie sexuelle Übergriffe durch den Stiefvater. Ein vierköpfiges Gutachterteam bescheinigte ihren Aussagen eine «hohe Wahrscheinlichkeit der Glaubhaftigkeit». Dass die 14-Jährige in ihrer Schule für Lügen bekannt gewesen sein soll und von Stimmen in ihrem Kopf sprach, wurde laut dem «Tages-Anzeiger» nicht beachtet.
Das Bezirksgericht Zürich hatte den Stiefvater im Juli 2021 zu drei Jahren Haft und die Mutter zu 22 Monaten Knast verurteilt. Im Berufungsprozess am Obergericht Ende 2023 fiel das Urteil sogar noch höher aus. Der Stiefvater wurde wegen schwerer Körperverletzung und mehrfachen sexuellen Kindesmissbrauchs zu 50 Monaten verdonnert, die Mutter erhielt 47 Monate wegen Gehilfenschaft. Mittlerweile hat das Obergericht die Schuldsprüche laut der Zeitung aufgehoben.