Über sechs Jahre lang
Zürcher Arzt missbrauchte Patientinnen unter Betäubung

Ein österreichischer Gastroenterologe in Zürich steht im Verdacht, Frauen unter Narkose missbraucht und gefilmt zu haben. Trotz früher Hinweise blieb er jahrelang unbehelligt.
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Über mehrere Jahre soll ein österreichischer Gastroenterologe in Zürich Patientinnen sediert und anschliessend missbraucht und gefilmt haben (Symbolbild).
Foto: Shutterstock

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ein Gastroenterologe filmte und missbrauchte Patientinnen in Zürich und Österreich
  • Behörden fanden 2020 Kamera, liessen Arzt aber über Jahre weiterarbeiten
  • Ermittlungen laufen: Datenmengen beschlagnahmt, Missbrauchsfälle ab 2005 dokumentiert
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

Ein österreichischer Gastroenterologe soll in Zürich über sechs Jahre hinweg Dutzende Patientinnen unter Sedierung gefilmt und sexuell missbraucht haben. Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, ist der Gastroenterologe bereits seit 2020 im Visier der Polizei. Doch erst im Juli 2026 wurde der Arzt verhaftet. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird in der Schweiz und Österreich ermittelt.

Eine der Betroffenen äusserte sich gegenüber der «NZZ am Sonntag». Im Juli 2023 suchte sie den Arzt für eine Darmspiegelung auf. Die Hebamme vertraute ihm, fand ihn «charmant» und «sympathisch». Doch nach der Untersuchung wachte sie mit starken Unterleibsschmerzen auf, «wie nach der Geburt meiner Kinder». Drei Jahre später erkannte sie seinen Namen in einem Artikel über die Ermittlungen. «Als ich mir vorstellte, wie er mir die Unterhose auszog, musste ich erbrechen», sagt sie nun. 

Missbrauchsfälle in Österreich bereits ab 2005

Laut der Zürcher Staatsanwaltschaft laufen Ermittlungen wegen Verdachts auf Schändung und Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch heimliche Aufnahmen. Die Polizei hat «grosse Datenmengen» beschlagnahmt. Betroffene Frauen wurden aufgefordert, Fotos einzureichen, um auf beschlagnahmtem Material identifiziert werden zu können. In Österreich wird ebenfalls ermittelt, wo der Arzt laut Behörden bereits ab 2005 Patientinnen missbraucht haben soll.

Warum intervenierten die Behörden nicht früher? Recherchen der «NZZ am Sonntag» zeigen, dass der Arzt 2020 in Zürich angezeigt wurde. Die Polizei fand eine versteckte Kamera in seiner Praxis, dennoch durfte er weiterarbeiten. Erst 2022 leitete das Zürcher Amt für Gesundheit ein Aufsichtsverfahren ein und beschränkte seine Tätigkeit. Doch der Gastroenterologe konnte weiterhin Patientinnen behandeln – und verging sich weiterhin an mehreren Frauen. 

Unübersichtliches Meldesystem für Missbrauchsopfer

Franziska Sprecher, Expertin für Gesundheitsrecht an der Universität Bern, kritisiert die fehlende Kommunikation zwischen den Behörden gegenüber der «NZZ am Sonntag». «Es kommt immer wieder vor, dass selbst verurteilte Ärzte in einem anderen Land weiterpraktizieren.» Auch das unübersichtliche Meldesystem in der Schweiz erschwere es Patientinnen, Missbrauch zu melden.

Im Kontext sexueller Gewalt unter Sedierung schlug jüngst der Fall Patrick F.* hohe Wellen. Der Aargauer Ex-Grossrat Patrick F. soll 2023 seine Partnerin und Haushälterin Iwona L.*, deren damals minderjährige Tochter Paula L.* sowie seine Ex-Ehefrau mit K.o.-Tropfen wehrlos gemacht und anschliessend sexuell missbraucht haben. Dabei habe er Filme und Bilder erstellt, so die Staatsanwaltschaft.

* Namen bekannt 

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