Darum gehts
- Beat Schlatter wird für vielseitige Talente und Erfolge gefeiert
- Sein Buch «Malen, Leiden, Sterben» erscheint im September 2026
- 16. Bühnenkomödie startet im Januar 2028 im Theater Hechtplatz, Zürich
Würde Beat Schlatters Leben verfilmt, wäre der Streifen garantiert ein Kassenschlager und keine Sekunde langweilig. Genauso wie seine beiden erfolgreichsten Schweizer Filme «Mein Name ist Eugen» (2005) – da spielt er eben den Fritzli Bühler, den König der Lausbuben – und «Bon Schuur Ticino» (2023). Für Letzteren schrieb Schlatter übrigens als Co-Autor das Drehbuch und gewann den Prix Walo für den besten Film – wie auch schon 1996 für die Komödie «Katzendiebe».
Dabei sollte der Bub aus dem zürcherischen Rüschlikon eigentlich Innendekorateur werden, so wünschten es sich jedenfalls seine Eltern. Die Lehre wurde brav gemacht, doch danach war Schluss mit Lampen-Aufhängen oder Teppiche-Ausrollen. Er griff zu Trommelstöcken, spielte sechs Jahre lang als Schlagzeuger in verschiedenen Schweizer Punk-Bands. Auch immer mit dabei: Beat Schlatters komödiantisches Talent. Mit der Gründung des «Kabarett Götterspass» zusammen mit Patrick Frey und Enzo Esposito war der Grundstein für seine Karriere gelegt. Der Rest ist Geschichte. Eben die für einen abendfüllenden Spielfilm. Mit Fortsetzung.
Schweizer Illustrierte: Beat Schlatter, Sie sind jetzt offiziell Rentner. Geniessen Sie den Ruhestand?
Beat Schlatter (überlegt.) Ich fühle mich oft nur erwachsen, wenn es nach Jahren geht. Mein Leben habe ich schon immer in vollen Zügen genossen. Der Wendepunkt kam direkt nach der Lehre: Als ich mich bewusst dagegen entschieden habe, einen klassischen 9-to-5-Job anzunehmen, wurde mir klar, wie wertvoll diese Freiheit ist. Natürlich verdient man anfangs vielleicht weniger und geht im Leben deutlich grössere Risiken ein – aber für mich war es das absolut wert. Wer erst mit 65 bei der Pensionierung anfängt, das Leben zu geniessen, der hat meiner Meinung nach im Leben etwas falsch gemacht und nur im Vorzimmer sein Dasein verbracht.
Kein Ausruhen auf den Lorbeeren?
Nein, für uns Kunstschaffende gibt es keinen offiziellen Ruhestand. Ich kenne niemanden aus dieser Szene, der mit 65 einfach aufhört. Entweder lässt es die finanzielle Situation nicht zu oder man steckt mitten in einem Projekt und möchte sein Lebenswerk vollenden.
Ihre nächsten Projekte?
Kürzlich habe ich zusammen mit dem Autor Oliver Paulus das Drehbuch für eine Religionskomödie abgeschlossen. Wir haben bereits einen Produzenten, der garantiert, dass dieser Film gemacht wird. Der Vertrag ist unterschrieben. Ich spiele einen Pfarrer, der mit dem grossen Problem der leeren Kirche konfrontiert ist. Er hat jedoch eine Patentlösung parat, wie er die Menschen wieder in die Gotteshäuser bringt. Bis der Film in die Kinos kommt, dauert es allerdings noch mindestens zwei Jahre.
Ich nehme an, das ist nicht alles …
Nein, momentan schreibe ich zusammen mit dem Luzerner Autor Christoph Fellmann an meiner 16. Bühnenkomödie, die im Januar 2028 im Theater Hechtplatz aufgeführt wird. Ausserdem mache ich nach wie vor einmal im Monat mit Christian Zeugin auf SRF 1 meine Radio-Bingo-Show und die grossartigen Live-Bingo-Shows mit Anet Corti und Christian Häni im Bernhard Theater. Mit Peter Luisi, der die Regie der Kinokomödien «Flitzer» und «Bon Schuur Ticino» machte, ist eine Fernsehserie in Planung.
Da war doch noch was mit einem neuen Buch?
Gut, dass Sie es sagen. Das ist nämlich das Nächste, das kommen wird. Hätte mir eigentlich zuerst in den Sinn kommen müssen (lacht). In den letzten fünf Jahren habe ich über 200 Bilder in Brockenhäusern gekauft und neu signiert. Zu 49 Bildern habe ich fiktive Künstlerbiografien geschrieben. Meine Künstler waren alle sehr begabt, aber leider erfolglos und ihr Leben endete unterschiedlich komisch und höchst tragisch. Das Buch heisst «Malen, Leiden, Sterben» und erscheint im September.
Sie haben kürzlich Ihre erste AHV-Rente bekommen. Was machen Sie damit?
In Zürich reicht sie nicht einmal für ein Glas Essiggurken (lacht laut).
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
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Wie haben Sie Ihren 65. Geburtstag gefeiert?
Ich stand morgens um vier Uhr auf, da ich beim SRF 1 Radio-Gast in Sven Epineys Morgenshow war. Danach war ich wegen der Religionskomödie bei der Filmproduktionsfirma an einer Lektorats-Sitzung. Der Produzent schenkte mir eine Flasche Wein aus der Collection Francis Coppola, Diamond Black Label, und sagte, ich solle die Flasche mit Verstand trinken. Am Abend besuchte ich mit meinem Manager Enrico Maurer und der Komödiantin Anet Corti eine Probe der ETH Big Band wegen einer möglichen Zusammenarbeit.
Das schönste Geschenk, das Sie bekommen haben?
Ein Mobile mit Meteoriten vom bekannten Zürcher Künstlerpaar Huber und Huber. Ich habe es mal an einer Ausstellung von ihnen gesehen. Offenbar haben sie bemerkt, dass es mir gefallen hat.
Macht sich das Alter bemerkbar?
Natürlich und gnadenlos. Ich habe kürzlich im Zug gehört, wie zwei Frauen miteinander flüsterten. Die eine sagte: «Da hinten im Abteil sitzt Beat Schlatter.» Worauf die andere antwortete: «Nein, das ist er nicht, Beat Schlatter ist nicht so dick» (lacht).
Wie halten Sie sich fit?
Ich habe schon Verschiedenes probiert. Zuerst Konditionstraining im Schwingkeller. Da wurde mir aber schnell klar: Mit den Jungen halte ich nicht mehr mit. Danach ging ich gut ein Dreivierteljahr lang jeden Morgen mit meinem Nachbarn joggen. Nun ja, «joggen» ist übertrieben: Wenn ich ehrlich bin, war das eher ein schneller Spaziergang. Auf dem Rückweg haben wir nämlich immer beim Bäcker angehalten, um einen Nussgipfel zu essen. Als mir bewusst wurde, dass ich eigentlich nur noch wegen des Gebäcks mitlief, musste ich einsehen: Das bringt so auch nichts. Mein nächster Versuch war Badminton. Ich hatte mir extra eine Spielpartnerin gesucht, die auf meinem Niveau spielt. Menschlich war es super, spielerisch eher mässig: Wir haben den Federball immer schön zueinander gespielt, sodass wir uns möglichst wenig bewegen und bücken mussten, um ihn aufzuheben.
Sagen wir es so: Sie machen also kaum Sport.
Ja, Sie merken es (lacht). Eigentlich nichts!
Sind Sie ein eitler Mensch?
«Eitelkeit» ist das falsche Wort. Ich liebe schlicht das Schöne – sei es Architektur, Möbel, Kunst, Produktdesign oder schöne Kleider. Was ich hingegen gar nicht ertrage, ist die Eitelkeit unter Autoren oder Schauspielern. Das ist für mich ein absoluter Albtraum. Wenn man mit einem eitlen Autor arbeitet und konstruktive Kritik äussert, muss man danach eine halbe Stunde lang diskutieren, weil er dir erklärt, warum sein Einfall doch gut ist. Bevor ich nochmals mit so jemandem zusammenarbeite, fahre ich lieber mit einem Velo ohne Sattel über den Gotthard! (Lacht.) Aber wie gesagt: Der Blick für das Schöne ist eine ganz andere Art von Eitelkeit. Die besitze ich durchaus.
Wie wichtig ist Ihnen Mode?
Ich habe grossen Respekt vor Schweizer Designern. Ihre Arbeit ist hart und gleichzeitig toll. Das gilt auch für Schweizer Musiker oder andere Kulturschaffende, die über Jahre hinweg durchhalten. Man kann nicht nur kreativ, sondern man muss gleichzeitig auch Unternehmerin oder Unternehmer sein, damit das Ganze funktioniert. In herkömmlichen Kleiderläden kaufe ich kaum, ich shoppe in Vintage-Läden. Und bei Schweizer Designerinnen und Designern.
Beobachten Sie die Welt heute anders als mit 30?
Ja, klar! Ich komme aus der Punk-Szene, deren Leitsatz «No Future» war. Das sehe ich heute komplett anders. Reine Provokation interessiert mich überhaupt nicht mehr. Im Gegenteil: Menschen, die nur etwas tun, um Aufmerksamkeit zu erregen, finde ich langweilig. In der Kunst habe ich gelernt, dass es neben dem Handwerk darum geht, Emotionen zu wecken und eigene originelle Ideen umzusetzen. Auch auf die Stadt Zürich blicke ich heute anders. Von den Journalisten befragt, haben nach den jüngsten Wahlen Regierungsmitglieder der Stadt gesagt, sie hätten Zürich weltoffener gemacht. Vor 30 Jahren hätte ich das vielleicht toll gefunden. Heute regt mich dieses «weltoffene Zürich» total auf, weil es auf Kosten der Einwohner geht. «Weltoffenheit» bedeutet hier vor allem, dass Grosskonzerne wie Google hergezogen sind, in der City viel zu viel Englisch gesprochen wird und die Mieten sowie die allgemeinen Lebenshaltungskosten explodieren. Ich finde es überhaupt nicht gut, was die Stadtregierung uns Einheimischen damit antut.
Welche Menschen streicht man mit 65 aus dem Leben?
Langweilige Menschen. Humorlose Leute. Geizige Leute. Oberlehrer. Das hat aber nichts mit dem Alter zu tun. Das hat sich so entwickelt.
Ihre grosse Schwäche?
Ich gebe zu schnell nach. Wenn jemand in der Beiz vorschlägt, noch eine Runde zu bleiben, um ein weiteres Bier zu bestellen, fehlt mir meistens die Konsequenz zu sagen: «Ich gehe jetzt.» Ich bleibe sitzen und sitzen und sitzen (lacht).
Was können Sie richtig gut?
Einschätzen, ob etwas lustig ist oder nicht.
Wovor haben Sie am meisten Angst?
Ich bin ein ängstlicher Mensch. Als ich nach der Fahrprüfung weiterhin zu langsam fuhr und hinter mir ständig gehupt wurde, habe ich das «L» freiwillig wieder dran gemacht und auf dem Beifahrersitz eine Schaufensterpuppe angeschnallt. Wenn ich die Puppe am Abend im Kofferraum versorgt habe, hat dies bei manchen Irritationen ausgelöst. Ich leide unter Höhenangst, habe Angst vor Hunden – die Liste ist lang. Aber diese Ängste haben auch eine Kehrseite: Sie beflügeln meine Fantasie und lösen bei mir eine kreative Seite aus, indem ich mir mögliche Szenarien vorstelle.
Sie sind seit 15 Jahren mit der Buchproduzentin Mirjam Fischer verheiratet. Nach wie vor glücklich?
Ja. Mich fragen viele, was das Geheimnis einer guten Ehe ist. Da gibt es eine einfache Antwort: Heirate die richtige Frau! (Lacht.)
Sie haben bei einer guten Fee drei Wünsche frei. Die wären?
Ich würde gerne mit nacktem Oberkörper draussen Holz hacken, ohne dass es dämlich aussieht. Mein zweiter Wunsch ist ein Klassiker: Gesundheit für meine Liebsten und mich. Und dass meine Frau nicht mit einem Jüngeren durchbrennt! (Lacht.) Ausserdem wünsche ich mir, dass im nächsten Winter bei mir im Zürcher Niederdorf als Alternative zum überzuckerten billigen Glühwein anständiges heisses Bier angeboten wird.