Darum gehts
- Brandkatastrophe in Crans-Montana fordert mindestens 40 Tote und 116 Verletzte
- Viele Opfer jung, darunter vermisste italienische Teenager und verletzter Fussballspieler
- 60 Verletzte im Walliser Spital, Helpline unter 084 811 21 17 eingerichtet
«Eine der schlimmsten Tragödien in der Geschichte dieses Landes», nennt Bundespräsident Guy Parmelin (66) die Brandkatastrophe in der Silvesternacht von Crans-Montana. Mindestens 40 Menschen sterben, 115 werden verletzt.
Detaillierte Informationen zu den Opfern gibt es aktuell nur sehr wenige. Es ist allerdings davon auszugehen, dass viele junge Menschen bei der Katastrophe zu Schaden kamen. «Viele der Opfer waren jung, voller Hoffnung und Träume», sagte der Bundespräsident an einer Pressekonferenz am Donnerstagabend.
«Ich weiss nicht, ob mein Sohn noch lebt»
Laetitia Brodard-Sitre aus der Westschweiz sucht seit der Neujahrsnacht verzweifelt nach ihrem Sohn. Sie hat in den sozialen Netzwerken eine emotionale Botschaft veröffentlicht, die mehrere Hundert unterstützende Kommentare sowie Tausende Reposts auf Facebook auslöste.
«Ich werde Arthur finden»
Dort schreibt sie: «Mein Sohn Arthur Brodard, geboren am 22. Februar 2009, gehört zu den Opfern des Brandes in Crans-Montana. Wir wissen nicht ob er lebt und wo er ist. Wenn ihr Infos habt, in welchem Spital er ist, meldet euch!» Mittlerweile hat seine Mutter die traurige Gewissheit: Arthur ist tot.
Instagram-Account erstellt
Derweil suchen Angehörige in den sozialen Medien nach den Vermissten.
Zu diesem Zweck wurde ein vorübergehender Instagram-Account erstellt, der wieder entfernt wird, sobald alle Betroffenen gefunden sind. Die Betreiber des Profils publizieren Bilder von Vermissten. Unter vielen Beiträgen finden sich Angaben zu den jungen Menschen, die am Mittwochabend im «Le Constellation» waren. Angehörige geben ihre Nummer an und hoffen darauf, schnell kontaktiert zu werden.
Sieben Italiener vermisst
Unter den Opfern befinden sich auch viele Italiener. Bekannt ist, dass 12 bis 15 Italiener nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana hospitalisiert wurden. Das teilte der italienische Aussenminister Antonio Tajani (72) mit. Etwa die gleiche Anzahl wird noch vermisst.
Unter diesen Vermissten war auch der 16-jährige Giovanni T. aus Bologna. Seine Mutter hatte einen Appell gestartet, um ihren Sohn zu finden. «Wir rufen alle Spitäler an, aber niemand weiss etwas, zumal die Eingelieferten in einem furchtbaren Zustand sind», sagte sie gegenüber «La Repubblica». Giovanni war mit seinem Vater, der ein Haus in der Schweiz besitzt, in Crans-Montana in den Ferien. Auch bei ihm ist inzwischen klar: Giovanni kam in den Flammen ums Leben.
Ebenfalls vermisst war der 16-jährige Emanuele G.*. Er verbrachte den Silvesterabend im «Le Constellation». Am Freitagmorgen folgt die traurige Gewissheit: G. hat die Tragödie nicht überlebt, wie der italienische Golfverband auf seiner Webseite bestätigt.
Auch ein Fussballspieler wurde verletzt
Unter den 116 Verletzten sind auch mindestens sechs französische Staatsbürger, berichtet das französische Aussenministerium. Ausserdem seien acht Französinnen oder Franzosen «noch nicht lokalisiert».
Unter den Verletzten befindet sich auch der 19-jährige Fussballspieler Tahirys Dos Santos. Das berichtet sein Verein, der FC Metz. Er ist im Nachwuchs des Clubs und spielt als Verteidiger. Der 19-Jährige soll schwere Verbrennungen erlitten haben und werde derzeit in einem Spital in Deutschland behandelt.
Weitere Nationalitäten der Opfer sind bis jetzt nicht bestätigt. Wie die «Bild» allerdings berichtet, befinden sich unter den Toten keine deutschen Staatsbürger.
Auf den sozialen Medien kursieren derweil eine Menge weiterer Meldungen von Familien und Freunden, die nach vermissten Personen suchen. Auf den Fotos sind dabei fast ausschliesslich junge Menschen zu sehen.
Helpline eingerichtet
Behandelt werden die Verletzten aktuell an mehreren Orten. Im Spital Wallis, das seinen Katastrophenplan aktivierte, werden derzeit rund 60 Verletzte behandelt, berichtet der Kanton Wallis. Etwa 60 weitere Patientinnen und Patienten wurden in andere Spitäler eingewiesen, darunter das Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV) in Lausanne und das Universitätsspital Zürich.
Aktuell sind die Behörden gemeinsam mit den Nachbarländern an der Planung, um die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit schweren Verbrennungen bestmöglich sicherzustellen, heisst es in der Mitteilung weiter. Der Kanton hat für Opfer und deren Familien ausserdem eine Helpline eingerichtet. Die Rufnummer lautet 0848 112 117.