«Wir wissen nicht, wo unsere Freunde sind»
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Sie haben den Brand miterlebt:«Wir wissen nicht, wo unsere Freunde sind»

Augenzeugen berichten von Flucht aus Feuer-Hölle
«Dann kam plötzlich eine sehr grosse schwarze Rauchwolke»

Mehrere Augenzeugen berichten vom Horror in der Bar «Le Constellation». Eine Wunderkerze auf einer Champagnerflasche soll die Decke in Brand gesetzt haben, Flammen breiteten sich rasend schnell aus – rund 200 junge Menschen gerieten in Lebensgefahr, viele davon starben.
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Nathan war im Untergeschoss der Bar, als das Feuer ausbrach: «Es war eine totale Panik.»
Foto: Martin Meul

Darum gehts

  • Brand in Bar «Le Constellation», Panik unter Gästen, viele Verletzte
  • Feuer durch Geburtstagskerze auf Champagnerflasche löste Panik und Flammen aus
  • 200 Menschen in der Bar, darunter zahlreiche Minderjährige zwischen 15 und 20 Jahren
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Nach dem dramatischen Brand in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS werden immer mehr Details bekannt. Zu Beginn der Katastrophe in der Silvesternacht waren die beiden Schweizer Nathan (19) und Axel (19) mit Kollegen im Untergeschoss der Bar. Axel sagt: «Es ging alles sehr schnell.»

Nathan beschreibt, dass er Kellnerinnen gesehen hatte, die Champagnerflaschen mit brennenden Wunderkerzen servierten. «Eine Frau sass auf den Schultern einer anderen Dame. Sie hatte zwei Flaschen mit Wunderkerzen.» Sie habe diese so hoch geschwenkt, dass sie die Decke berührt hätten und diese plötzlich Feuer fing.

Menschen schrien «Feuer, Feuer, Feuer!» Axel vermutete zuerst einen Scherz. «Dann kam plötzlich eine sehr grosse schwarze Rauchwolke und man konnte nicht mehr atmen.» Alle wollten darauf raus, aber es gab einen Stau vor der Treppe. «Also konnten wir nicht raus», sagt Axel. «Deshalb haben wir versucht, uns zu verstecken»

Flucht durchs Fenster

Axel berichtet, dass er einen Tisch aufgestellt habe und sich hinter dem Tisch versteckte, um nicht verbrannt zu werden. «Und dann war es ein Chaos.» Letztlich gelang es den beiden durch ein Fenster zu klettern, das sie mithilfe eines Tisches einschlagen konnten. Axel sagt: «Ich habe zwar meine Schuhe verloren, ich habe meinen Mantel verloren, ich habe alles Materielle verloren, aber letztendlich ist das nicht das, was zählt. Ich lebe noch und dann beten wir für alle, die dort geblieben sind.»

Nicht alle Kollegen hatten so viel Glück. «Es gibt einige, die verletzt sind, wir wissen nicht, wo sie sind», sagt Axel. Auch mussten die beiden beobachten, wie Menschen verbrannt sind. «Es war eine totale Panik», sagt Nathan.

«Der Club war rappelvoll»

Eine junge Frau erzählt, sie sei eine halbe Stunde vor Ausbruch des Brandes auf dem Platz vor der Bar «Le Constellation» gestanden. «Es waren hier extrem viele Leute unterwegs, weil rund um das Casino die Clubs geschlossen hatten.» Deshalb hätten so viele Menschen in und um «Le Constellation» Silvester gefeiert. «Der Club war rappelvoll, darum sind wir nicht rein.»

«Absolute Panik»

Mehrere junge Frauen schildern gegenüber dem TV-Sender BFMTV Szenen wie aus einem Albtraum. Emma und Albane, zwei Französinnen, die sich zum Zeitpunkt des Feuers in der Bar aufhielten, berichteten. «Es herrschte absolute Panik, alle schrien».

Auslöser des Feuers soll laut mehreren Zeugenaussagen eine Geburtstagskerze beziehungsweise Wunderkerze gewesen sein, die von Kellnerinnen auf einer Champagnerflasche platziert worden war. Als eine Frau – auf den Schultern einer anderen – die Flasche in die Höhe hielt, habe die Kerze die Decke entzündet. «Die Flammen breiteten sich rasend schnell aus», berichtet Victoria, eine weitere Besucherin.

Offenbar auch Minderjährige darunter

Besonders dramatisch: Der einzige Ausgang sei für die grosse Menschenmenge viel zu klein gewesen. Rund 200 Personen sollen sich in der Bar aufgehalten haben, darunter zahlreiche Minderjährige im Alter zwischen 15 und 20 Jahren. In der Not schlugen Gäste ein Fenster ein, um Menschen ins Freie zu ziehen.

Feuerwehr und Polizei seien zwar «innerhalb weniger Minuten» vor Ort gewesen. Eine Frau wurde in der Panik eine Treppe hinuntergestossen und erlitt eine Knieverletzung.

Die verheerende Bilanz der Katastrophe bislang: Mehrere Dutzend Tote, rund 100 Personen wurden verletzt, viele davon schwer.

«Es war schwer, zu helfen»

Ersthelfer Léandre (32) aus Crans-Montana war als einer der ersten vor Ort, als die Flammen loderten. «Wir haben versucht, die Menschen, die bei Bewusstsein waren, herauszuziehen», sagt er gegenüber Blick. Alles sei sehr schnell gegangen, das Feuer habe sich innert Sekunden ausgebreitet. «Die Menschen sind lebendig verbrannt», schildert er die dramatischen Szenen. «Es war schwer, zu helfen.»

«Menschen sind lebendig verbrannt»
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Auch Rayan Guiren (18) aus London hat die Situation vor Ort erlebt. «Viele Eltern haben ihre Kinder gesucht», schildert er.

«Viele Eltern haben ihre Kinder gesucht»
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Ein weiterer Augenzeuge, Samuel Rapp (21), hatte Silvester in einem Restaurant in der Nähe gefeiert. «Es war ziemlich schockierend», sagt er zur Lage vor Ort. Offenbar soll eine Kellnerin beim Brand ums Leben gekommen sein. Offizielle Polizeiangaben zu den Opfern gibt es noch keine.

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