«Ich hatte Angst, meine Hände zu sehen»
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Brandopfer Roze (18):«Ich hatte Angst, meine Hände zu sehen»

Moretti-Brief sorgt für Kritik bei Opferanwälten
«Zynischer Versuch das angeschlagene Image wiederherzustellen»

In einem Brief haben sich Jacques und Jessica Moretti nach über einem Monat an ihre Angestellten gewendet. Zwei Opferanwälte kritisieren das Schreiben der Le-Constellation-Betreiber als taktisch und unaufrichtig. Derweil stehen weitere Befragungen an.
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Jacques (49) und Jessica Moretti (40) haben sich mit einem Brief an ihre Angestellten gewandt.
Foto: JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Darum gehts

  • Jacques und Jessica Moretti haben sich erstmals an ihre Mitarbeiter gerichtet
  • Anwälte kritisieren den Brief als unaufrichtig und imageorientiert
  • Brand forderte 41 Opfer – darunter Cyane Panine (24), die «Frau mit Helm»
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Martin MeulReporter News

Jacques (49) und Jessica (40) Moretti haben ihr Schweigen gebrochen. In einem Brief wendet sich das Betreiber-Ehepaar des «Le Constellation» nach über einem Monat an seine Angestellten.

In dem Schreiben, das Blick vorliegt, sprechen die beiden ihr Bedauern über die Tragödie aus. «Aufgrund der laufenden Ermittlungen waren wir gezwungen, die Worte tiefen Mitgefühls zurückzuhalten, die wir euch unmittelbar nach dieser Tragödie aussprechen wollten», heisst es.

Für Opferanwalt Sébastien Fanti ist der Brief eine Farce. «Das ist nichts als reine Taktik. Es geht nur darum, die Gemüter zu beruhigen», sagt er am Donnerstag zu Blick.

Sorry für den Lohnausfall

Der Grund für diese Aussage: In dem Brief tun sich die Morettis vor allem selbst leid. So heisst es etwa: «Die Medien wüten und verbreiten manchmal schwere Lügen ohne jegliche Zurückhaltung. Eine der abscheulichsten war die sofortige Flucht vom Tatort mit der Kasse unter dem Arm», heisst es und weiter: «Wir wurden durch etliche verbreitete Verleumdungen unendlich verletzt.»

Zudem bittet das Betreiber-Ehepaar um Nachsicht, dass kein Lohn ausgezahlt wurde. «All unsere geschäftlichen und privaten Konten wurden gesperrt, und wir hoffen, dass die Staatsanwaltschaft einer teilweisen Aufhebung für dringende Auszahlungen zustimmen wird.»

Sébastien Fanti glaubt, dass es vor allem um diese Passage geht. Der Opferanwalt ist sich sicher, dass die Morettis wegen der ausstehenden Löhne zunehmend unter Druck geraten. «Die Morettis müssen ihre Angestellten beruhigen, dass ihr Lohn kommt. Wütende Angestellte sind bei den anstehenden Befragungen sicher kein Vorteil.» Es gehe darum, die eigene Haut zu retten. «Das zeigt sich auch daran, dass die Toten und Verletzten fast nicht erwähnt werden.»

Zudem haben die Mandanten von Sébastien Fanti immer noch nichts von den Morettis gehört. «Bei der nächsten Einvernahme will ich wissen, warum?», sagt der Opferanwalt und verweist drauf, dass sich der Brief liest, als wäre er von Morettis Anwälten verfasst worden. «Ich sehe da keine echten Emotionen.»

Zynischer Brief

Wenig Freude an dem Brief hat auch Opferanwältin Sophie Haenni. Sie vertritt die Hinterbliebenen von Cyane Panine (†24). Die Moretti-Kellnerin kam mit 40 anderen Personen beim Brand am 1. Januar ums Leben. Cyane Panine wurde bekannt als die «Frau mit Helm». Sie hat wohl die Decke des Le Constellation beim Servieren von Champagnerflaschen in Brand gesteckt. 

Anwältin Haenni sagt zu Blick: «Dieser Brief zeugt eindeutig von Unaufrichtigkeit. Im Gegensatz zu dem, was geschrieben steht, weicht das Ehepaar Moretti beharrlich seiner Verantwortung aus und schiebt die Schuld ungeschickt auf ihre Angestellten.» Ein Beobachter könne in diesem Schreiben nur einen zynischen und vergeblichen Versuch der Morettis erkennen, ihr «ohnehin schon angeschlagenes Image wiederherzustellen».

Derweil wird sich am Freitag die Aufmerksamkeit auf den anderen Teil der mutmasslich Verantwortlichen richten. Die Befragung von Georges T.*, dem aktuellen Sicherheitschef von Crans-Montana, steht an. 

Auch Sébastien Fanti wird vor Ort sein. «Ich will wissen, wer, wann, wie und wo kontrolliert hat», sagt er. Denn der Opferanwalt hat wenig Vertrauen in die Walliser Justiz. Fanti sagt: «Mein Gefühl ist, dass bis jetzt eine Low-Budget-Untersuchung durchgeführt wurde, das kann nicht so weitergehen.» 

* Name geändert 

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