«Ich hatte klare Erinnerungen»
Was hören Brandopfer im künstlichen Koma?

Sébastien Maillard erlitt vor 23 Jahren schwere Verbrennungen am ganzen Körper. Nun beschreibt er, wie er seine Zeit im künstlichen Koma erlebt hat. Ein Arzt erklärt zudem, warum Angehörige auf die Verletzten beruhigend wirken können.
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Patienten, die in ein künstliches Koma versetzt werden, können das, was um sie herum geschieht, aufnehmen.
Foto: Shutterstock

Darum gehts

  • Ein LKW-Mechaniker erinnerte sich an Details aus dem künstlichen Koma
  • Ärzte sprechen bewusst mit Patienten, auch unter Vollnarkose
  • Maillard erlitt Verbrennungen an 92 Prozent seines Körpers
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Ellen De Meester

«Ich bin immer noch überzeugt davon, dass es wichtig ist, darauf zu achten, was man in Gegenwart einer Person sagt, die im künstlichen Koma liegt», erklärt Sébastien Maillard gegenüber Blick. Der 48-jährige Romand hat selbst schwere Verbrennungen erlitten. Diese zog sich der LKW-Mechaniker bei einem Arbeitsunfall zu und die Brandwunden erstreckten sich über 92 Prozent seines Körpers. 

Maillard hat noch klare Erinnerungen an seine Zeit im künstlichen Koma. «Als ich später von meinen Träumen oder von Dingen erzählte, die mir widerfahren waren, wurde mir klar, dass sie zu dieser Zeit passten.»

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Laut Professor Hervé Quintard, Chefarzt der Intensivstation im Universitätsspital Genf, handelt es sich um eine typische Erfahrung: «Beim künstlichen Koma werden die Patienten mithilfe von Beruhigungsmitteln sediert. Je nach Dosis kann die Anästhesie mehr oder weniger tief sein.» So könne es sein, dass sich Patienten später an Geschehnisse oder Gespräche erinnern. 

«Wir achten darauf, was wir sagen»

Dafür sind die Ärzte sensibilisiert: «Wir achten immer sehr darauf, was wir in der Nähe eines Patienten sagen», erklärt Quintard. «Wir sprechen ständig mit ihnen und informieren sie über das, was wir tun – selbst wenn die Patienten unter Vollnarkose stehen.»

Trotz der Beruhigungsmittel können die Bilder und Erinnerungen, die nach dem Aufwachen auftauchen, sehr real sein. Maillard erinnerte sich nach seinem Koma beispielsweise an ein Portemonnaie einer australischen Marke, das ihm seine Frau während seiner Zeit im Spital geschenkt hatte. «Ich hatte dieses Bild im Kopf und es war tatsächlich wahr», sagt er. 

Vertraute Stimmen können beruhigend wirken

Die Vorstellung, dass Angehörige Patienten unterstützen können, indem sie mit ihnen sprechen oder ihnen vorlesen, ist zudem kein durch Filme romantisierter Mythos. Es handelt sich um ein echtes Phänomen, das von Forschern genau untersucht wird. 

«Es ist immer ratsam, dass die Angehörigen mit einer Person im Koma sprechen», betont Quintard. Dies könne auf die Patienten beruhigend wirken.

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