Darum gehts
- Ärzte kämpften nach Silvesternacht in Lausanne um verbrannte Jugendliche
- Hautzellen kultiviert und Fischhaut für Heilung verbrannter Haut verwendet
- Neun Patienten im CHUV, sieben auf Intensivstation, Fortschritte sichtbar
In der katastrophalen Silvesternacht begann für die Ärzte in diversen Schweizer Spitälern ein langer Kampf um das Leben von Dutzenden schwer verbrannten Jugendlichen.
Im Interview mit der italienischen Zeitung «Corriere della Sera» erklärt nun eine Ärztin, wie prekär die Lage wirklich war und wie die Mediziner versuchen, den Verletzten Stück für Stück ein wenig Normalität zurückzugeben.
«Uns überwältigten die Emotionen»
Frida Rizzati (40) arbeitete an vorderster Front, als die Opfer ins Lausanner Unispital (CHUV) eingeliefert wurden. Sie beschreibt eine Mischung aus Schock und Instinkt. «Für einen Moment überwältigten uns die Emotionen. Trauer, Angst, das Ungewisse», schildert die Italienerin. «Dann setzte bei mir und meinen Kollegen sofort etwas ein. Ein Instinkt, der uns ermöglichte, unsere Gefühle beiseite zu schieben und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren.»
Mittlerweile liegen noch neun Patienten im CHUV – sieben auf der Intensivstation. Sie machen Fortschritte. «Dass die Opfer langsam aufwachen, ist ein ermutigendes Zeichen, aber es muss mit Vorsicht betrachtet werden.»
Hautzellen kultiviert
In Lausanne werden Hautzellen aus kleinen Biopsien der Patienten kultiviert, um später grosse, verbrannte Flächen zu bedecken. Auch Hauttransplantationen und biologische Hautersatzstoffe aus Fischhaut kommen zum Einsatz, um die Regeneration zu fördern.
Auch die psychologische Betreuung der Familien hat hohe Priorität. Zum Schluss erklärt Rizzati, woher sie ihre Kraft schöpft. «Was mich geprägt hat und mich jeden Tag weiter antreibt, ist die Kraft dieser jungen Menschen und ihrer Familien. Inmitten einer dramatischen Nacht habe ich aussergewöhnliche Menschlichkeit gesehen, hohe Widerstandsfähigkeit und das Engagement des Teams. Das bleibt im Gedächtnis.»