Darum gehts
- 18-jähriger Brandopfer-Patient stirbt trotz guter Heilungschancen
- ETH entwickelt Lysozym-Hydrogel, das Bakterien einfängt, bei Lichtbestrahlung tötet und Wunden schneller heilen lässt
- Tierversuche zeigen über 95 % weniger Keime, nächste Schritte sind klinische Studien am Menschen
Er hatte das Inferno von Crans-Montana überlebt – doch einen Monat nach der Brandkatastrophe starb der 18-jährige Basketballspieler A.* aus Lausanne im Universitätsspital Zürich (USZ). Das 41. Todesopfer von Crans-Montana hatte sich im Spital mit einem Keim infiziert, wie «Inside Paradeplatz» zuerst berichtete. Das USZ bestätigte dies auf Blick-Anfrage. Ob A. an seinen Brandverletzungen oder dem Spitalkeim starb, ist noch unklar. Für die genaue Ermittlung der Todesursache von A. sei die Staatsanwaltschaft Wallis zuständig.
Besonders schwer brandverletzte Patientinnen und Patienten sind extrem anfällig: Studien zeigen, dass sich ihre Überlebenschancen durch eine Infektion mit solchen Keimen um rund 50 Prozent verringern können. Gefürchtet sind Erreger wie Acinetobacter baumannii oder MRSA, die gegen viele Antibiotika resistent sind.
Proteinfaser-Netz fängt Bakterien ein
Doch es gibt Hoffnung aus der Forschung. An der ETH Zürich haben Wissenschaftler um Professor Raffaele Mezzenga ein neuartiges, proteinbasiertes Lysozym-Hydrogel entwickelt, das Spitalkeime auf eine völlig neue Weise bekämpfen soll und künftig helfen könnte, lebensbedrohliche Infektionen besser zu kontrollieren. Blick erklärt, wie das Wundergel funktioniert.
Das wasserreiche Hydrogel wird direkt auf die Wunde oder rund um Implantate aufgetragen. Dort bildet es ein dichtes Netz aus Proteinfasern, das Bakterien mechanisch einfängt. Wird das Gel mit Nahinfrarotlicht bestrahlt, wird das enthaltene antibakterielle Enzym Lysozym aktiviert. Die gefangenen Keime werden gezielt zerstört, danach schliesst sich das Netz wieder.
Das Gel kann aber mehr als nur Keime töten. Es setzt bei Lichtaktivierung zusätzlich Magnesiumionen frei, die überschüssige Entzündungen dämpfen und die Wundheilung fördern. In Tierversuchen wurde die Bakterienlast in infizierten Wunden um über 95 Prozent reduziert. Behandelte Wunden schlossen sich innerhalb von rund 15 Tagen, während unbehandelte deutlich länger offenblieben, selbst bei Infektionen mit MRSA.
Studien an Menschen geplant
Bisher wurde das Lysozym-Hydrogel an Mäusen und Schweinen getestet, mit vielversprechenden Resultaten. Als nächster Schritt stehen klinische Studien am Menschen an. Diese gelten als aufwendig und teuer, könnten aber den Weg für den Einsatz bei Brandverletzungen, chronischen Wunden oder resistenten Spitalinfektionen ebnen.
Der Tod des jungen Sportlers von Crans-Montana macht klar, wie dringend neue Waffen gegen Spitalkeime gebraucht werden. Vielleicht liegt eine davon bereits bereit, im Labor der ETH Zürich.
* Name bekannt