Darum gehts
- Die verheerende Brandkatastrophe in der Bar Le Constellation forderte 41 Todesopfer
- Das Barbetreiberpaar Jacques und Jessica Moretti wurde befragt, Jacques Moretti kam in Polizeigewahrsam
- Das Feuer wurde durch Wunderkerzen an Champagnerflaschen ausgelöst
«Verbindung zu Schweizer Behörden sicherstellen»: Frankreich ernennt zwei Koordinatoren
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Die Brandkatastrophe von Crans-Montana hat auch in den Nachbarländern der Schweiz grosse Bestürzung ausgelöst und die Behörden auf den Plan gerufen. Nun hat Frankreich zwei nationale Koordinatoren ernannt, um die französischen Opfer der Brandkatastrophe in Crans-Montana vom Neujahrstag zu betreuen. Sie kümmern sich nicht nur um die unmittelbare Unterstützung der Betroffenen, sondern auch um mögliche Entschädigungen.
«Die Koordinatoren werden alle Massnahmen zur Begleitung unserer Mitbürger, die von dieser Tragödie betroffen sind, koordinieren», teilte das französische Justizministerium am Mittwoch mit. Ihre Aufgabe sei es, die Verbindung zwischen den Opfern, ihren Familien, den Schweizer Behörden, den Versicherungen und allen beteiligten Stellen sicherzustellen.
Unter den Todesopfern der Brandkatastrophe sind auch neun Franzosen. Zudem befinden sich 25 Verletzte teilweise noch in Behandlung. Unter den verstorbenen Franzosen ist auch die junge Kellnerin Cyane Panine. Ihre Geschichte kannst du hier nachlesen.
So geht es den Brandopfern im Kinderspital Zürich
Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk
Aktuell befinden sich noch fünf Brandopfer im Kinderspital Zürich. Zwei von ihnen sind noch immer auf der Intensivstation, drei weitere sind auf der Normalstation untergebracht. Ueli Möhrlen, Direktor Chirurgie am Kinderspital gibt im Gespräch mit SRF ein Update zur Lage der besonderen Patientinnen und Patienten.
Die gute Nachricht lautet: Die drei Patienten auf der normalen Abteilung haben keine offenen Wunden mehr. «Bei ihnen geht es nun in die Rehabilitationsphase», sagt Möhrlen.
Anders sieht es dagegen bei den beiden schwerkranken Patienten aus, die noch immer auf der Intensivstation um ihr Leben kämpfen. Sie «haben noch grosse Wunden» und stehen auch vor anderen Herausforderungen. «Meistens ist das Problem nicht nur die Verbrennung selbst, sondern auch die anderen Organsysteme, die ausgestiegen sind und noch nicht selbstständig funktionieren», erläutert der Fachmann.
Bei Brandopfern sind mehrere Eingriffe nötig. «Das sind lange Operationen und das fordert das Personal jeden Tag deutlich mehr als im normalen Regelbetrieb», sagt Möhrlen dazu. Hinzu kommt die psychische Belastung.
Dass Spitalkeime eine Bedrohung für die jungen Opfer darstellen, ist dem Chirurgie-Chef bewusst. Der junge A.* (†18) starb am vergangenen Samstag an einer Infektion mit dem Bakterium Acinetobacter baumannii. «Man versucht alles zu machen, damit es keine Infektionen gibt bei den Patienten. Aber das ist ein Problem, was man nicht in den Griff bekommen kann. Die Zeit spielt gegen einen», erklärt er. Warum Brandopfer Hochrisiko-Kandidaten für solche Infektionen sind, hat Sebastian Hiller (49) von der Universität Basel meinem Kollegen Sandro Zulian erklärt.
Coline aus Koma erwacht: «Der Weg hat gerade erst begonnen»
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
Nach dem Tod eines 18-jährigen Brandopfers gibt es inmitten der Tragödie von Crans-Montana nun auch gute Nachrichten: Die 22-jährige Coline, die beim verheerenden Brand in der Bar Le Constellation schwer verletzt wurde, ist aus dem Koma erwacht, wie «BFM» berichtet. Die junge Frau, deren Körper zu rund 30 Prozent verbrannt wurde, meldete sich erstmals selbst mit einer Botschaft auf Tiktok. «Nach wochenlangem Koma nehme ich mir ein paar Minuten Zeit, um euch zu schreiben», erklärte Coline.
Coline lag mehrere Wochen im künstlichen Koma und wird seit über einem Monat in einem Spital in Antwerpen (B) behandelt. «Ich kann das Ausmass des Geschehens kaum begreifen, aber meine Verletzungen erinnern mich jede Sekunde daran», schreibt sie weiter. Gleichzeitig bedankt sie sich emotional für die grosse Anteilnahme: «Vielen Dank für all die Nachrichten, Gedanken und Gebete sowie für die Unterstützung meiner Familie und Angehörigen. Der Weg hat gerade erst begonnen.»
Coline ist die Freundin des Profifussballers Tahirys Dos Santos (19) vom französischen Klub FC Metz. Der Spieler rettete sie in der Brandnacht aus den Flammen und erlitt dabei selbst Verbrennungen, wenn auch weniger schwere. Nach schwierigen Wochen und einer kürzlich erfolgten Transplantation erklärte Dos Santos auf Instagram, es gehe ihm langsam besser. Seine sportliche Zukunft ist jedoch ungewiss. Für das Paar wurde inzwischen eine Online-Spendenkampagne lanciert.
Die Gemeinde Crans-Montana stellt 1 Million Franken bereit
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
«Wir wissen, dass das Geld den Schmerz nicht lindern kann, aber wir hoffen, dass wir die Opfer unterstützen können.» Der Gemeinderat von Crans-Montana hat am Dienstag, beschlossen, eine Million Franken für die Opfer der Brandkatastrophe bereitzustellen.
Die Gemeinde wird das Geld an die Stiftung zur Unterstützung der Brandopfer überweisen, die derzeit gegründet wird. In einer Mitteilung präzisiert die Gemeinde, dass dieser Betrag etwa 100 Franken pro Einwohner entspricht. Durch den Beitrag des Kantons erhöht sich dieser Betrag auf 130 Franken, die jeder Einwohner spendet.
«Der Gemeinderat ist überzeugt, dass die grosse Mehrheit der Einwohner von Crans-Montana bereit ist, 100 Franken pro Person als Zeichen der Solidarität mit den betroffenen Familien und Einzelpersonen zu spenden», heisst es in der Erklärung. Bürgermeister Nicolas Féraud fügt hinzu: «Wir wissen, dass Geld den Schmerz nicht lindern kann, aber wir hoffen, die von dieser Tragödie betroffenen Familien zu unterstützen und die Solidarität der Gemeinde Crans-Montana zu demonstrieren.»
Der Kanton Wallis versprach nach der Katastrophe 10'000 Franken für jedes Opfer von Crans-Montana. Doch bislang haben Opferfamilien wie die Michelouds aus Rechy VS noch kein Geld erhalten. Und das, obwohl die Kosten horrend sind. Mehr zum Schicksal der Schweizer Familie erfährst du in diesem Artikel. Bis am Mittwoch möchte der Kanton Wallis die Auszahlungen vollziehen.
Barchef Gaëtan T. hegt «wachsenden Groll gegen die Morettis»
Der Barchef von Le Constellation Gaëtan T. (28) wurde in der Inferno-Nacht schwer verletzt. Er erlitt Lungenschäden und schwere Brandverletzungen am ganzen Körper, von der anhaltenden psychischen Belastung ganz zu schweigen. Nach acht Tagen im Koma und einer intensiven Behandlung konnte er zu seiner Familie nach Frankreich zurückkehren.
In einem Interview mit RTS erzählt T. am Sonntag, wie es ihm ein Monat nach der Brandkatastrophe geht. Dabei ist sehr deutlich zu spüren, wie wütend er auf das Betreiber-Ehepaar von Le Constellation ist. «Wenn ich sehe, wie die Morettis sich nach und nach reinwaschen wollen, ja, dann wächst mein Groll gegen sie immer mehr», erzählt der 28-Jährige. «Ich finde es absurd, dass sie ihre Angestellten beschuldigen.» T. spricht damit eine Verteidigungsstrategie der Morettis an. Das Ehepaar hatte einem Saisonarbeiter der Bar vorgeworfen, die Türe des Notausganges abgeschlossen zu haben.
T. kritisiert im Interview mit RTS auch die Brandschutz-Situation in der Bar. Dabei spricht er die Schaumstoff-Matten an der Decke von Le Constellation an, die sich in der Silvesternacht durch Wunderkerzen entzündeten. «Ich habe ihnen geholfen, den Schaum an der Decke wieder zu befestigen», erzählt T. In der Sendung wird auch eine Sprachnachricht von Jacques Moretti an seinen Barchef abgespielt. «Das sieht nicht schlecht aus», sagt Moretti darin zu Schaumstoff-Matten.
Einzelne Brandopfer könnten bald in die Schweiz verlegt werden
Von Alexander Terwey, Stv. Teamlead Newsdesk
Noch immer befinden sich einige der im Ausland befindlichen stationären Patienten in kritischem Zustand. Bei anderen wird in den kommenden Tagen eine Verlegung in die Schweiz möglich sein, wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) am Dienstag mitteilte.
Aktuell seien 19 Schweizer und sechs verletzte Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz in spezialisierten Klinken in Deutschland, Belgien, Frankreich und Italien. Die Schweiz konnte diese Patienten dank des Zivilschutzmechanismus der Europäischen Union (UCPM) für Notfälle verlegen.
Die zuständigen ausländischen Fachzentren seien bereit, Patienten so lange wie nötig zu behandeln, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Dadurch sei es möglich, die Rückführung in die Schweiz zu einem therapeutisch angemessenen Zeitpunkt zu planen. So sei auch eine bestmögliche Nachsorge gewährleistet.
Schweizer Kontaktteams haben laut Medienmitteilung seit dem 21. Januar und bis zum vergangenen Samstag alle diese Patientinnen und Patienten vor Ort besucht. Vor-Ort-Interviews mit Fachärzten und Angehörigen bildeten eine wichtige Grundlage für die Vorbereitung und Koordination der weiteren Behandlung. Die Schweizer Kontaktteams trafen sich auch mit den Angehörigen der Verletzten, um deren Bedürfnisse zu berücksichtigen und Hilfe zu leisten.
Die Schweizer Kontaktteams zeigten sich mit dem Austausch mit den lokalen Pflegeteams sehr zufrieden. Sie würdigten die erheblichen Anstrengungen in den ausländischen Klinken, um Patientinnen und Patienten die bestmögliche Versorgung zu bieten, sowie das starke Engagement für eine enge Zusammenarbeit mit der Schweiz.
Webseite für potenzielle Beweismittel wird nicht gesperrt
Von Alexander Terwey, Stv. Teamlead Newsdesk
Nach dem verheerenden Brand von Crans-Montana hat der Genfer Anwalt Romain Jordan eine Webseite eingerichtet, über die Zeugenaussagen und Dokumente zur Katastrophe gesammelt werden. Jordan vertritt selbst zahlreiche Opfer-Familien. Jacques und Jessica Moretti wollten mithilfe ihrer Anwälte gegen die Webseite crans.merkt.ch vorgehen. Der Antrag der Anwälte wurde nun zurückgewiesen, wie Léman Bleu berichtet.
Mitte Januar berichtete die Zeitung «Le Temps», die Verteidigung des Ehepaars Moretti habe die Walliser Staatsanwaltschaft aufgefordert, die Webseite umgehend zu sperren oder deren Schliessung anzuordnen. Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft ist insofern eine Klatsche für die Morettis.
Nach Informationen von Léman Bleu erklärte die Staatsanwaltschaft, dass keine Massnahmen gegen die Plattform ergriffen würden. Man werde die Entwicklungen in dieser Angelegenheit aber weiterhin aufmerksam verfolgen.
Auf der Seite wird ausdrücklich auch darauf hingewiesen, dass Personen, die über potenzielle Beweismittel verfügen, auch die Originaldaten aufbewahren sollen – und sich an Polizei oder Staatsanwaltschaft wenden sollen.
50 Opferfamilien sollen ab Mittwoch 10'000 Franken Soforthilfe erhalten
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Die Familien der Brandopfer von Crans-Montana mussten lange auf eine finanzielle Soforthilfe warten. Mitte Januar beschloss der Walliser Staatsrat, den Angehörigen eine Entschädigung in Höhe von 10'000 Franken zur Verfügung zu stellen. Am Mittwoch, über einen Monat nach der Brandkatastrophe der Silvesternacht, sollen die ersten 50 Familien diese 10'000 Franken erhalten. Das berichtet RTS mit Berufung auf Roland Favre, den Leiter des Walliser Amtes für die Koordinierung sozialer Leistungen.
Die 10'000 Franken, die am Mittwoch ausgezahlt werden sollen, können von den Familien laut Favre nun frei verwendet werden, um zusätzliche Kosten zu decken. Ursprünglich sollten lediglich von 45 Familien am Mittwoch die Entschädigung erhalten. Diese Zahl scheint nun erhöht worden zu sein.
Diese zusätzlichen Kosten sind teilweise extrem hoch. Blick-Reporter Martin Meul konnte mit den Angehörigen zweier Mädchen sprechen, die in der Brandnacht schwer verletzt wurden. Die Besuche im Spital sowie zukünftige psychologische Betreuung könnten für die Eltern enorm teuer werden.
Chefärztin Kinderspital: «Wir betreuen weiterhin Patienten, die sich in Lebensgefahr befinden»
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Der tragische Tod von A. (†18) aus Lutry VD vom Samstag zeigt dramatisch, dass einige der Verletzten von Crans-Montana auch einen Monat noch der Brandkatastrophe noch nicht über den Berg sind. Die Opfer befinden laut der Chefärztin des Kinderspitals Zürich Kathrin Neuhaus «erst dann über dem Berg, wenn alle Wunden geschlossen sind». In einem Interview mit den CH-Media-Zeitungen erklärt sie: «Wenn die verletzte Haut vollständig durch Eigenhaut ersetzt wurde, sinkt das Infektionsrisiko stark und der Bedarf an intensivmedizinischer Unterstützung geht deutlich zurück.»
Die Brandopfer am Kinderspital befinden sich laut Neuhaus derzeit in sehr unterschiedlichen Phasen ihres Behandlungsverlaufs. «Eine Person konnten wir vergangene Woche nach Hause entlassen. Andere befinden sich auf der Normalstation, mit dem Ziel, sie zeitnah ebenfalls entlassen zu können. Und wir betreuen weiterhin Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation, die nach wie vor im Koma liegen und sich in Lebensgefahr befinden.»
Das Infektionsrisiko bei den Patienten werde durch notwendige Überbrückungsmassnahmen erhöht. Zu diesen Massnahmen gehört etwa eine künstliche Beatmung aufgrund von Rauchschaden in der Lunge. «Schwerbrandverletzte benötigen viele Katheter, welche Fremdmaterial im Körper sind», erklärt die Chefärztin. «Gleichzeitig fehlt ihnen auch die Haut als natürliche Schutzbarriere, und das Immunsystem ist herunterreguliert. All das erhöht das Risiko für schwere Infektionen» A. aus Lutry VD hatte sich vor seinem Tod beispielsweise mit dem «Krankenhaus-Keim» infiziert.
23 Brandverletzte noch in Schweizern Spitälern behandelt
Von Natalie Zumkeller, Redaktorin am Newsdesk
Ein Monat und ein Tag – so viel Zeit ist seit der verheerenden Brandkatastrophe in Crans-Montana vergangen. Am Samstag forderten die Folgen des Brandes ein weiteres Opfer. Der 18-jährige A. starb im Unispital Zürich vermutlich an einem sogenannten Spitalkeim.
Von den 115 Verletzten verbleiben noch 23 in den Schweizer Spitäler. Einige der Verletzten konnten bereits in Rehabilitationskliniken überwiesen werden – sie werden nun unter anderem in Einrichtungen der Suva in Bellikon AG und in Sitten ihren Weg zurück ins Leben finden. Auch zwei Schwestern aus dem Wallis, die in St. Gallen hospitalisiert waren, konnten mittlerweile in eine Reha-Klinik in der Romandie verlegt werden.
Im Spital in Sitten befinden sich nach wie vor vier Personen. In den Genfer Unispitälern werden keine Betroffenen mehr behandelt, dafür im Unispital Lausanne weiterhin neun Verletzte.
Während über den Zustand der Patienten und Patientinnen in der Westschweiz nichts bekannt ist, befinden sich am Zürcher Unispital fünf Brandverletzte im kritischen Zustand. Auch im Kinderspital in Zürich liegen nach wie vor zwei von fünf Betroffenen auf der Intensivstation.
Viele Opfer werden derweil in spezialisierten Kliniken im Ausland behandelt. Sieben davon in Deutschland, fünf in Belgien, 17 in Frankreich und 12 in Italien. Unter diesen insgesamt 41 Patienten und Patientinnen befinden sich laut Katamed 19 Personen mit Schweizer Staatsangehörigkeit.