Darum gehts
Die ersten Tage gehörten der Trauer. Bei immer mehr Angehörigen und Opfern wird die Trauer zu Wut. Sie hatten beim Brand in der Bar Le Constellation in Crans-Montana VS ihre Liebsten verloren – oder werden noch lange an den Brandverletzungen leiden.
Am Dienstag mussten sie nun die Pressekonferenz der Gemeindevertreter erdulden. Angeführt vom Gemeindepräsidenten Nicolas Féraud, der sagte: «Die Gemeinde ist als Geschädigte am meisten betroffen, vor allen anderen.» Damit hat sich Féraud wohl keine Freunde gemacht. Nach der Pressekonferenz musste er unter Polizeischutz weggefahren werden.
Féraud gibt die Schuld weiter
Bereits im Vorfeld der Pressekonferenz wollte ein Anwalt einer Opferfamilie unterbinden, dass die Gemeinde überhaupt nochmals an die Öffentlichkeit tritt. Er hält deren Kommunikation für «inakzeptabel» und will die Interessen der Opferfamilien schützen.
Gegenüber Blick äusserte sich am Dienstag die Opfer-Anwältin Nina Fournier. Sie kritisierte Aussagen der Pressekonferenz. «Einige Äusserungen haben uns zutiefst schockiert», so Fournier. Dass sich die Gemeinde selbst als «Opfer» bezeichnete, sei angesichts der rechtlichen Definition dieses Begriffs gemäss schweizerischer Strafprozessordnung kaum akzeptabel. Weil derzeit nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Gemeinde eine Verantwortung am Unglück hat, sei die Aussage umso problematischer. «Mehr Zurückhaltung und Feingefühl wären wünschenswert gewesen.»
Lücke zwischen Fassade und Realität
In den vergangenen Tagen berichteten Ex-Angestellte gegenüber dem französischen TV-Sender BFMTV, dass Notausgänge in der Bar oft versperrt gewesen seien. Es habe keinen Zugang zu Feuerlöschern gegeben, und es sei jeweils nur ein Sicherheitsbeamter vor Ort gewesen, so die Schilderungen von Ex-Mitarbeitenden. Überlebende berichteten sogar von falsch beleuchteten Notausgangsschildern.
So auch die beiden Söhne von Magali R.*, die dem Inferno knapp entkommen sind. Auf der Plattform LinkedIn liess die Mutter ihrem Ärger freien Lauf: «Wie konnten vernünftige Erwachsene diese riskante Praxis in einem Kellerlokal zulassen? Warum war die Decke mit leicht entflammbarem Akustikschaumstoff verkleidet?» Eine andere, bohrende Frage: Wieso kam die Wirtin, die am Abend anwesend war, mit leichten Verletzungen davon – während 40 ihrer Gäste verbrannten?
Gegenüber dem französischen TV-Sender Le 20h übte die Familie der verstorbenen Französin Cyane P.* heftige Kritik. «Sie wollte fliehen und auch anderen Gästen helfen, dem Brand zu entkommen. Doch leider öffnete sich die Tür nicht.» Dass in der Schweiz ein solcher Unfall passieren könnte, hätten sie nie erwartet. Ihre Tochter habe in der Bar Le Constellation als Saisonkraft gearbeitet, deshalb hätten sie volles Vertrauen in diesen Ort gehabt. «Aber nein, es stellte sich heraus, dass zwischen der Fassade und der Realität eine grosse Lücke klafft.»
Harsche Worte aus Italien
Kritik gibt es auch aus der Politik: Italiens Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini (52) fasste seine Wut in klare Worte: «Die einzigen Verantwortlichen, die einzigen mit einem schmutzigen Gewissen, die einzigen Verbrecher sind jene, die in diesem Kellerraum die Sicherheit nicht gewährleistet haben, jene, die nicht kontrolliert haben, jene, die Genehmigungen erteilt haben, jene, die aus Geldgier Hunderte von Jugendlichen in einem Untergeschoss zusammengepfercht haben – mit offenen Feuern und versagenden Notfallsystemen.» Deswegen gehörten die Verantwortlichen ins Gefängnis, forderte Salvini.
Anwalt bedauert Ausbleiben von Entschuldigungen
Und schliesslich hat sich nach der Pressekonferenz Anwalt Romain Jordan, der mehrere Opferfamilien vertritt, gegenüber RTS geäussert: «Die Gemeinde Crans-Montana und alle ihre Behörden müssen ihrer Verantwortung vollumfänglich nachkommen.» Der Anwalt bedauerte das Ausbleiben von Entschuldigungen. Und: Angesichts der «erschreckenden Zahl an Versäumnissen und Kontrolllücken» dränge sich umso dringender das Thema auf, die Gemeinde einer Untersuchung zu unterziehen.
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