Darum gehts
- Mutter fordert Antworten nach Tragödie in Crans-Montana am 31. Dezember
- Söhne überlebten Brand, sind jedoch schwer traumatisiert
- Letzte Brandschutzkontrolle im «Le Constellation» fand 2019 statt
Wer diese Worte liest, spürt die Dringlichkeit: Die Mutter zweier Opfer der Tragödie von Crans-Montana hat sich in einem bewegenden Linkedin-Post zu Wort gemeldet. Darin fordert die Schweizerin Antworten von Betreibern und Behörden und beschreibt, welchen Horror ihre Familie in den letzten Tagen durchmachen musste.
«Als Mutter von zwei Jungen, die in der Silvesternacht im Le Constellation waren, kann ich nicht länger schweigen», schreibt Magali R.* auf Linkedin.
«Sie sind zutiefst traumatisiert»
«Meine Söhne haben diesen Albtraum überlebt, aber in diesen Momenten dachten sie beide, der jeweils andere sei gestorben», schildert R. «Sie sind entkommen, aber sie sind zutiefst traumatisiert. Sie werden für immer emotionale Narben davontragen.»
In ihrem Beitrag stellt R. eine Reihe dringender Fragen: «Wir brauchen dringend vollständige, transparente Antworten von den Betreibern», so die Frau. Sie kritisiert die Verwendung der Partyfontänen: «Wie konnten vernünftige Erwachsene diese riskante Praxis in einem Kellerlokal zulassen? Warum war die Decke mit leicht entflammbarem Akustikschaumstoff verkleidet?»
Wie rettete sich Betreiberin?
Darüber hinaus wirft R. Fragen zum Verhalten von Betreiberin Jessica Moretti (40) auf, die Brandverletzungen am Arm erlitt. «Wie konnte sie so früh entkommen, während viele junge Menschen im Innern eingeschlossen waren und verzweifelt nach einem Ausgang suchten?», fragt die Mutter. Sie fragt sich, ob es möglicherweise noch einen zweiten Notausgang gab, den andere nicht erreichen konnten.
In den vergangenen Tagen wurden weitere Vorwürfe laut: Ex-Angestellte berichteten, Notausgänge seien oft versperrt gewesen. Ein Video soll zeigen, dass der Pfeil eines Notausgangs falsch beleuchtet war. «Meine Söhne sahen – wie viele andere Überlebende – keine eindeutigen Hinweisschilder», sagt die Mutter.
Einen Durchgang habe es zwar gegeben: «Dieser wurde offenbar regelmässig genutzt, damit Minderjährige unbemerkt ins Lokal gelangen konnten – angeblich über einen Türcode. In jener Nacht war die Tür jedoch abgeschlossen», behauptet R.
Betreiber wollen sich diese Woche äussern
«Die Behörden müssen auch erklären, warum die Inspektionen diese Risiken nicht erkannt und verhindert haben.»
Mittlerweile ist klar: Bei den Kontrollen des «Le Constellation» gibt es eine Lücke von 2020 bis 2025. Die letzte Kontrolle fand 2019 statt.
Die Betreiber des Lokals haben sich bisher noch nicht konkret zu den Vorwürfen geäussert. Der Wirt erklärte lediglich, alles habe den Vorschriften entsprochen. Am Montagabend deutete der Anwalt des Betreiberpaars an, dass seine Mandanten sich noch diese Woche zu Wort melden wollen.
* Name bekannt