Darum gehts
- Jacques Moretti wurde wegen Angriff auf Ehefrau Jessica im Wallis verhaftet
- Ihre drei Restaurants, u. a. Le Vieux Chalet, bleiben geschlossen
- Morettis haben über 4 Mio. Franken Schulden, Scheidung gefährdet ihr Imperium
Das Gastro-Imperium der Morettis bröckelt. Seit dem Silvester-Inferno mit 41 Toten hatte das Wirte-Ehepaar alles probiert, die Familiengeschäfte zu retten: Jacques (49) und Jessica (40) gaben sich geeint, versuchten in Interviews, das eigene Image und die Geschäfte zu retten. Im Mai, nur fünf Monate nach der Katastrophe im Le Constellation, erklärten Jacques und Jessica Moretti, dass sie ihre beiden anderen Gastro-Betriebe wiedereröffnen wollen. Die Bar Senso in Crans-Montana VS und das Le Vieux Chalet in Lens VS sollten den Betrieb wieder aufnehmen. Jacques Moretti hatte dafür sogar während seiner Krankschreibung am Restaurant herumgewerkelt und wurde von den Medien dabei erwischt.
Gebracht hat es nichts. Das Moretti-Imperium liegt am Boden. Jacques sitzt seit zwei Wochen wieder in U-Haft (Blick berichtete). Dem Korsen wird vorgeworfen, seine Frau Jessica Moretti körperlich angegriffen zu haben. Der mutmassliche Prügelvorfall könnte das definitive Aus für das Moretti-Imperium sein!
Die pure Tristesse
Blick besucht die drei Betriebe des Wirtepaars. Das Le Constellation ist weiterhin als Tatort versiegelt. Angehörige haben Bilder ihrer verstorbenen Kinder an die Tür geklebt. Unvorstellbar, dass hier eines Tages wieder gefeiert, getrunken und gelacht wird. «Das wird nie wieder eine Bar sein», hatte der Walliser Staatsrat Christophe Darbellay über die Zukunft des Lokals gesagt.
Doch auch beim Senso herrscht trostloser Stillstand. Früher wurden hier edle Drinks und teure Snacks serviert. Seit dem Inferno herrscht Tristesse. Ein Blick durch die Scheibe zeigt: Drinnen sind die Tische und Stühle zusammengeschoben. Auf der Terrasse hingegen herrscht Chaos. Alles steht herum, als wäre es hastig verlassen worden. Eine Schneeschaufel und ein Sack Streusalz zeugen davon, dass hier schon Monate keiner mehr aufgeräumt hat. Auf Google heisst es nur: dauerhaft geschlossen.
Das Restaurant Le Vieux Chalet in Lens ist ebenfalls verlassen. Auch hier von Wiedereröffnung keine Spur. Zwar hat Jacques Moretti vor einigen Wochen ein Baugesuch für die Montage einer Lärmschutzmassnahme für die Lüftung und die Wärmepumpe eingereicht. Doch am trostlosen Bild des einstigen Spitzenrestaurants ändert das nichts. Die Dutzenden Gläser, die drinnen einfach auf Tischen stehen, unterstreichen dieses Bild. «Hier tut sich gar nichts», sagt eine Nachbarin. Sie schüttelt den Kopf.
Das geplante Comeback
Dabei sollte gerade das Le Vieux Chalet das Comeback der Morettis einleiten. Ursprünglich wollte das Betreiberpaar das Restaurant am 1. Mai 2026 wiedereröffnen, doch die Staatsanwaltschaft stoppte das Vorhaben. Im Juni dann hiess es erneut, man wolle den Betrieb wieder aufnehmen. Die Anwälte der Morettis argumentierten, es gehe darum, das Geschäft zu erhalten. Andernfalls drohe den Gesellschaften der Konkurs, wodurch Vermögenswerte verloren gingen, die eigentlich zur Entschädigung der Opfer dienen sollen.
Gegen diesen Plan gab es allerdings massive Widerstände. Eine Petition mit 25'000 Unterschriften forderte, dass der Betrieb, ebenso wie das Senso, aus Respekt vor den 41 Todesopfern der Tragödie geschlossen bleibt. Ein wirtschaftliches Wiedererstarken der Morettis? Für die Opfer und ihre Angehörigen käme es einer Verhöhnung gleich. Dieses Ehepaar darf nie wieder Erfolg haben, so der Tenor. «Wie kann man überhaupt darüber nachdenken, dass diese Leute je wieder Geld mit Gastronomie verdienen dürfen?», sagt der Vater eines beim Brand verstorbenen Jugendlichen zu Blick.
Das Ende des Imperiums?
Vermutlich ist Jacques Moretti nun aber weiteren Diskussionen zuvorgekommen. Berichten zufolge hat er seine Frau bei seiner Prügelattacke schwer verletzt. Die Zeiten, in denen das Ehepaar gemeinsam versucht hat, dem Sturm nach der Katastrophe zu trotzen, dürften vorbei sein.
Der Ehekrach könnte das Ende des Gastro-Imperiums besiegeln. Der Grund: Die drei Betriebe der Morettis gehören je zur Hälfte Jacques und Jessica. Allerdings ist Jessica Moretti die Geschäftsführerin der Betriebe, wie die Einträge im Handelsregister zeigen. Jacques hingegen kümmert sich ums Grobe, hat viele Umbauten selbst durchgeführt – unter anderem wohl auch die Renovation der Inferno-Bar. Eine Trennung der beiden dürfte das Imperium nicht überleben.
Jacques Moretti müsste nur schon 30'000 Franken aufbringen, um die Anteile seiner Frau an den drei GmbHs zu übernehmen. Doch seine Vermögenswerte sind wegen der Untersuchung zu der Brandkatastrophe eingefroren.
Hinzu kommt: Schon im Januar wurde bekannt, dass das Vermögen der Morettis, das vor allem in Immobilien im Wallis investiert ist, zu etwa 80 Prozent durch Hypotheken finanziert ist. Mit anderen Worten: Die Inferno-Beizer haben auch ohne Scheidung bereits Schulden von über vier Millionen Franken.