«Ihr habt unsere Kinder getötet!»
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«Habt unsere Kinder getötet!»:Bei Befragung im Februar werden Morettis konfrontiert

Jacques Moretti ist wieder gesund – jetzt wird er erneut befragt
Kommt es am Freitag zum erneuten Showdown in Sion?

Die erneute Befragung von Jacques und Jessica Moretti am Freitag in Sion wirft brisante Fragen auf. Opferanwälte und Hinterbliebene erhoffen sich endlich Klarheit über die Ursachen der Brandkatastrophe in Crans-Montana. Kommt es zu einem erneuten Tumult?
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Im Februar kam es bei der Befragung von Jacques und Jessica Moretti zu tumultartigen Szenen.
Foto: AFP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Am Freitag ist eine Einvernahme von Jacques und Jessica Moretti in Sion VS geplant
  • Jacques Moretti wurde trotz Krankschreibung bei Dacharbeiten beobachtet
  • Fünf Monate nach Brandkatastrophe in Crans-Montana: Opfer fordern Antworten
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Martin MeulReporter News

Kracht es am Freitag in Sion VS wieder, so wie vor gut drei Monaten? Wird es wieder wüste Szenen geben, oder haben die Walliser Behörden die Sache dieses Mal besser im Griff? Diese Fragen stellen sich angesichts des Umstands, dass nach langer Zeit wieder eine Befragung von Jacques (49) und Jessica (40) Moretti ansteht.

Rückblick: Am 12. Februar kam es vor der Hochschule in Sion zu wüsten Szenen. Angehörige der Opfer des Infernos von Crans-Montana waren in die Walliser Kantonshauptstadt gekommen, um die Betreiber Jacques und Jessica Moretti mit ihrer Trauer und Wut zu konfrontieren. Die Morettis mussten an diesem Tag zu einer Befragung durch die Staatsanwaltschaft antraben.

Die Folge waren tumultartige Szenen: Die Angehörigen der Opfer, vor allem die Familie von Trystan Pidoux (†17), bedrängten die Morettis und beschimpften sie. Nur mit Mühe gelang es den beiden und ihren Anwälten, ins Gebäude zu kommen. Drinnen brach Jessica Moretti zusammen.

Hier geht Jessica Moretti zu Boden
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TF1 filmt den Moment:Hier geht Jessica Moretti zu Boden

Die Bilder ihres in Panik erstarrten Gesichts gingen um die Welt. Die beiden Polizisten der Walliser Kantonspolizei wirkten überfordert. 

Was war mit der Krankschreibung?

Dann wurde es ruhig um die Morettis und ihre Befragungen. Der Grund: Jacques Moretti war seit Anfang April aus gesundheitlichen Gründen nicht vernehmungsfähig. Er litt unter einer Belastungsstörung und Depressionen. 

Ein Umstand, der bei der anstehenden Befragung zum Thema gemacht werden muss, zumindest für den Vater von Trystan. «Es muss geklärt werden, ob dieses ärztliche Attest der Realität entsprach, wer es verlangt hat, unter welchen Umständen es ausgestellt wurde und ob es dazu diente, das Verfahren oder die öffentliche Wahrnehmung zu beeinflussen», so der Vater. Die Aussage bezieht sich darauf, dass Jacques Moretti während seiner Krankschreibung bei Dacharbeiten an einem seiner Betriebe erwischt wurde. «Das passt für mich nicht zusammen», so der Vater von Trystan zu Blick. 

Kritik von Opferanwältin

Auch Opferanwältin Sophie Haenni hat grosse Erwartungen an die Befragungen vom Freitag. Haenni vertritt die Familie von Cyane Panine (†24). Panine wurde bekannt als die «Frau mit Helm», die bei der Brandkatastrophe in der Bar Le Constellation in Crans-Montana ums Leben kam. Mutmasslich hat die junge Frau den Brand ausgelöst, als sie in der Bar auf den Schultern eines Kollegen mit brennenden Wunderkerzen unterwegs war und damit zu nahe an die Decke geriet. «Fünf Monate sind seit der Katastrophe vergangen und die Befragungen sind immer noch nicht abgeschlossen, das ist inakzeptabel», kritisiert Haenni gegenüber Blick. 

Die Angehörigen hätten ein Recht auf Antworten zu ihren berechtigten Fragen. «Die stückweise Durchführung der Einvernahmen der Beschuldigten hat die Ermittlungen unnötig erschwert. Zudem ist dies der Wahrheitsfindung nicht förderlich», so die Anwältin. 

Hoffen auf Widersprüche

Das Besondere an der Einvernahme von Freitag ist der konfrontative Charakter. Heisst: Jacques und Jessica Moretti werden zum ersten Mal gleichzeitig vernommen. Das soll etwaige Widersprüche in ihren Aussagen aufdecken.

Auch Anwältin Haenni will die Morettis mit bestimmten Aktenstücken konfrontieren. «Diese werden die Widersprüche und Unwahrheiten in ihren bisherigen Aussagen aufzeigen. Ich hoffe, dass die Beschuldigten diese Gelegenheit nutzen werden, um endlich ihre Verantwortung vollumfänglich zu übernehmen und damit Anstand zu zeigen», sagt sie. Jessica und Jacques Moretti seien nicht mehr glaubwürdig, wenn sie unbeholfen versuchten, die Schuld systematisch auf ihre Mitarbeitenden oder auf Dritte abzuwälzen.

Haenni betont, dass es für die Familie von Cyane Panine von zentraler Bedeutung sei, zu verstehen, weshalb ihre Tochter, «voller Lebensfreude und Zukunftspläne», an diesem Festabend hinter einer verschlossenen Tür sterben musste. Laut Haenni stellen sich hierzu die Fragen: «Weshalb wurde die Fluchttür im Untergeschoss bewusst durch einen Hocker blockiert und weshalb wurden selbst elementarste Sicherheitsvorschriften nicht eingehalten?»

Hintergründe verstehen

Der italienische Anwalt Fabrizio Ventimiglia sieht der Einvernahme der Morettis ebenfalls gebannt entgegen. Er vertritt ein 15-jähriges italienisches Opfer der Katastrophe. «Wir erwarten, dass dieses neue Format der Konfrontation den Ermittlern zusätzliche Erkenntnisse liefern wird, um ein klareres Bild der Entscheidungsprozesse und der jeweiligen Verantwortlichkeiten der Beteiligten zu erhalten und damit zur Wahrheitsfindung beizutragen», sagt Ventimiglia zu Blick. 

Für die Opfer und ihre Angehörigen gehe es nicht allein um die Feststellung einer allfälligen strafrechtlichen Verantwortung. «Ebenso wichtig ist es, zu verstehen, wie ein Ereignis von solcher Tragweite und Schwere überhaupt eintreten konnte», so der Anwalt. 

Die Befragung vom Freitag dürfte deshalb ein Meilenstein in der Untersuchung des Infernos von Crans-Montana darstellen. Ob es wieder tumultartige Szenen geben wird, ist offen, aber unwahrscheinlich. Der Vater von Trystan, im Februar einer der Aktivposten, wird am Freitag nicht in Sion vor Ort sein, wie er erklärt. 

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