Darum gehts
- Opferangehörige sehen Überwachungsvideos der Brandnacht in Crans-Montana
- Mutter entdeckt Sohn glücklich vor tödlichem Feuer
- Videos zuerst verschollen, Ermittlungen laufen
Angehörige der Opfer der Brandnacht in Crans-Montana dürfen sich die Bilder der Überwachungskameras aus der Bar Le Constellation anschauen. Sie dürfen sehen, was wirklich passiert ist. Dürfen sehen, wie ihre Liebsten Silvester feierten und nie mehr heimkehrten.
Eine, die sich dieser Tortur aussetzte, ist Vinciane Stucky. Mutter von Trystan (†17). Warum sie sich dieser schmerzhaften Erfahrung ausgesetzt hat? «Ich habe es für Trystan getan», sagt Vinciane Stucky nach ihrem Termin auf der Polizeiwache in Sitten gegenüber «Le Parisien».
«Er sah glücklich aus»
Ihre Anwältin habe ihr davon abgeraten. Für sie war jedoch klar, dass sie es trotzdem tun müsse und auf den Bildern nach ihrem Sohn suchen werde. Sie fand ihn. «Glücklich, strahlend und ausgelassen mit all seinen Freunden. Er sieht zufrieden aus, als sie die Flasche Champagner bestellen», sagt sie.
Mit der Flasche kamen die Wunderkerzen, die den verheerenden Brand ausgelöst haben sollen. Die Videos, so sagt sie, seien «belastend» und «schrecklich». Auf einmal sei da nur noch Rauch gewesen.
Die Angst bleibt
Trotz der Qualen bleibe die Erinnerung an Trystan aber lebendig. Sein Platz am Familientisch sei gedeckt, seine Schuhe stünden bereit und seine Jacke hänge daneben. An seinem Geburtstag brachte sie einen Kuchen zum Friedhof in Pully VD, wo Trystan und sieben weitere Jugendliche beerdigt sind.
Wie es für eine Mutter weitergeht, die eines ihrer Kinder beerdigen musste? «Es ist meine Aufgabe, meine anderen Kinder zu beschützen.» Die Angst sei aber noch immer ihr ständiger Begleiter. Ein Feuerlöscher neben dem Bett und nächtliches Kontrollieren von Elektrogeräten gehören zu Stuckys Alltag.
Ende Januar hiess es erst, dass die Überwachungskameras der Bar ausgestiegen seien und nichts aufgenommen hätten. Wenige Minuten vor Ausbruch des Feuers brachen die Aufnahmen ab.