Darum gehts
- Anwälte von Jessica und Jacques Moretti verteidigen geplante Wiedereröffnung zweier Restaurants.
- Über 25'000 Personen fordern dauerhafte Schliessung nach Brand in Infernobar.
- Gewinne sollen Opfer-Vereinigung zugutekommen, um Vermögenswerte zur Entschädigung zu sichern
Nach der Berichterstattung über eine mögliche Wiedereröffnung der Restaurants Le Vieux Chalet in Lens und Senso in Crans-Montana haben sich nun die Anwälte von Jessica und Jacques Moretti mit einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort gemeldet. Zuvor hatte eine Petition von über 25'000 Unterzeichnenden aus der Schweiz, Frankreich und Italien eine dauerhafte Schliessung der beiden Lokale gefordert – das Ehepaar betrieb zuvor auch die abgebrannte Infernobar Le Constellation.
In ihrer schriftlichen Stellungnahme beklagen die Anwälte Yaël Hayat, Nicola Meier und Patrick Michod, dass ihre Mandanten seit Bekanntwerden der Wiedereröffnungspläne massiv angefeindet würden. Die Berichterstattung habe zu Beleidigungen und sogar zu Todesdrohungen geführt. Dabei betonen die Verteidiger, dass allein die Emotionen der Betroffenen die Ehepartner nicht zur Zielscheibe machen dürften.
Vermögenslage als Grund für Wiedereröffnung
Gleichzeitig bestätigen die Anwälte, dass tatsächlich Schritte in Richtung einer Wiedereröffnung unternommen worden seien. Derzeit liefen bei den zuständigen Behörden die sicherheitstechnischen Kontrollen, die nötig seien, um die provisorische Betriebssperre aufzuheben.
Ein zentrales Argument der Verteidigung betrifft die Vermögenslage des Ehepaars: Da sämtliche Güter der Morettis von den Strafbehörden beschlagnahmt worden seien, gehe es darum, diese Werte – insbesondere die beiden Restaurants – durch eine Weiterführung des Betriebs zu erhalten. Andernfalls drohe den Gesellschaften der Konkurs, wodurch Vermögenswerte verloren gingen, die eigentlich zur Entschädigung der Opfer dienen sollen.
Gewinne sollen einer Vereinigung zukommen
Um dies zu verhindern, hätten Jessica und Jacques Moretti eine vom Untersuchungsamt selbst skizzierte Lösung gewählt: die Übertragung des Betriebs an einen Dritten, der im Gegenzug Miete und laufende Kosten übernimmt. Genau zu diesem Zweck sei, wie berichtet, eine neue Firma gegründet worden – transparent im Handelsregister eingetragen, wie die Anwälte betonen.
Die Verteidigung versucht zudem, der Wiedereröffnung eine versöhnliche Note zu geben. Man wolle die Tragödie nicht ausblenden, sondern in gewisser Weise darauf reagieren: Die Gewinne aus dem Betrieb von Senso und Vieux Chalet sollen einer Vereinigung zugutekommen, die Opfer des Brands im Le Constellation unterstützt. In der Stellungnahme wird betont, die Wiedereröffnung sei «keineswegs eine Provokation angesichts der Tragödie», sondern vielmehr deren «solidarische Fortsetzung».