Darum gehts
- Jacques und Jessica Moretti stehen wegen Geldwäscherei und Betrug unter Verdacht
- Verdächtige Bargeldeinzahlungen und Versicherungsbetrug durch wiederholte Brände entdeckt
- Darlehen von 150’000 Franken für Schuldenbegleichung und private Ausgaben verwendet
Die Ermittler haben die Konten von Jacques (49) und Jessica Moretti (40) durchleuchtet. Jetzt steht das Betreiber-Paar der Bar Le Constellation in Crans-Montana VS wegen Geldwäscherei unter Verdacht.
In einem internen Untersuchungsbericht der Meldestelle für Geldwäscherei, die zum Bundesamt für Polizei (Fedpol) gehört, konzentrieren sich die Ermittler auf die «verdächtige Herkunft» des Moretti-Vermögens.
Nach der verheerenden Brandkatastrophe in der Silvesternacht seien aufgrund der hohen Opferzahlen – und auch Morettis krimineller Vergangenheit – mehrere Verdachtsmeldungen durch Bankinstitute eingegangen.
Die Ermittler überprüfen deshalb, ob «schmutziges Geld» über die Gastrobetriebe der Morettis «reingewaschen» wurde.
Morettis kriminelle Vergangenheit
Betreiber Jacques Moretti wurde in Frankreich bereits mehrfach verurteilt. Unter anderem wegen Entführung, Freiheitsberaubung, gewerbsmässigen Betrugs, Hehlerei und Zuhälterei.
Er wird auch mit dem Milieu der Prostitution in der Westschweiz in Verbindung gebracht und soll laut diversen Medienberichten in Verbindung mit der korsischen Mafia stehen. Seine Ehefrau, Jessica Moretti, fungierte in vielen gemeinsamen Gastrounternehmen formell als Geschäftsführerin. Damit sollten gemäss Meldestelle für Geldwäscherei die Vorstrafen Jacques Morettis vor den Behörden und den Banken kaschiert werden.
Verdacht auf Versicherungsbetrug
Besonders auffällig sei zudem die Häufung von Bränden in ihren Betrieben. Demnach brannte es im Dezember 2023 im Restaurant Vieux Chalet und im Februar 2024 ein erstes Mal in der Bar Le Constellation.
Nach jedem Ereignis seien hohe Versicherungssummen ans Betreiberpaar Moretti ausgezahlt worden. Die Analyse ihrer Konten zeige aber, dass diese Geldsummen nicht primär für den Wiederaufbau verwendet worden seien, sondern zur Deckung privater Ausgaben wie Steuern, Krankenkassenprämien oder Leasingzahlungen für Luxusfahrzeuge wie Maserati oder Bentley.
Pikant: Nur wenige Stunden nach dem Brand in der Silvesternacht ordnete die Staatsanwaltschaft eine Hausdurchsuchung bei den Morettis an. Durchgeführt wurde diese allerdings erst am 20. Februar. Dabei beschlagnahmten die Ermittler eine Pistole des Typs Glock 19 und fünf teure Luxusuhren von Herstellern wie Rolex, Hublot und Audemars Piguet.
Unklare Herkunft von Bargeld
Im Bericht wird auch die Vermischung von privaten und geschäftlichen Geldern erwähnt. Die Meldestelle für Geldwäscherei stellte offenbar zahlreiche Bargeldeinzahlungen über einen Nachttresor fest, den die Morettis verwendeten, bei denen die Herkunft des Geldes unklar sei.
Auch ein Darlehen von 150’000 Franken wird erwähnt, das das Paar von einem reichen Uhrenerben erhalten habe. Mit einem Teil dieses Geldes hätten die Morettis direkt nach Erhalt drängende Schulden beglichen. Der Restbetrag sei für private Zwecke genutzt worden.
Die Geldwäscherei-Meldestelle vermutet dahinter eine Betrugsmasche. Das «Imperium der Morettis» basiere auf einem «Schneeballsystem», heisst es im Bericht. Dieses solle «ausschliesslich auf der Gewährung von Darlehen beruhen, die aller Wahrscheinlichkeit nach zu Unrecht erlangt wurden».
Laut dem Bericht betreibe das Paar eine aggressive Expansionsstrategie in der Gastronomie, die fast ausschliesslich fremdfinanziert sei. Die Ermittler beschreiben diese Firmen als «leere Hüllen», deren Liquidität durch ein komplexes System von Hin- und Herüberweisungen vorgetäuscht werde.
Dringender Verdacht gegen die Morettis
Im Bericht kommen die Ermittler zum Schluss, dass der dringende Verdacht von Geldwäscherei, ungetreuer Geschäftsbesorgung, Versicherungsbetrug, Brandstiftung und Urkundenfälschung bestehe. Die Meldestelle für Geldwäscherei habe die Staatsanwaltschaft über diese Ergebnisse informiert und die betroffenen Konten der Morettis vorübergehend gesperrt.