Hier wird der Angreifer von der Polizei festgenommen
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Leserreporter filmt:Hier wird der Angreifer von der Polizei festgenommen

Urs W. redet mit Nesip Dedeler über Gewalt – nur Stunden später sticht der Islamist von Winterthur zu
«Es lief mir eiskalt den Rücken runter»

Nesip Dedeler hat in Winterthur auf drei Menschen eingestochen. Noch am Abend zuvor war er in der Psychiatrie. Ein anderer Patient erinnert sich: «Er redete immer wieder von Gewalt, dass diese in gewissen Situationen notwendig wäre.»
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Nesip Dedeler griff am Donnerstagmorgen am Bahnhof in Winterthur drei Menschen mit einem Messer an.
Foto: Leserreporter

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Am 28. Mai verletzte Nesip Dedeler am Bahnhof Winterthur drei Personen schwer
  • Dedeler sprach am Vorabend in der Psychiatrie über Gewalt und Religion
  • Zeuge überlegte, Dedeler zu melden, tat es aber nicht mangels eindeutiger Drohung
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Devin SchürchReporter News

«Ich fühle mich niedergeschlagen», sagt Urs W.* (42) aus Winterthur. Der 42-Jährige wird derzeit in der Integrierten Psychiatrie Winterthur (IPW) behandelt. Genau wie Nesip Dedeler – jener Mann, der am Donnerstag am Bahnhof Winterthur drei Menschen mit einem Messer verletzte.

Nach eigenen Angaben sprach W. am Vorabend der Tat mit Dedeler im Raucherbereich der Klinik. Für rund 30 Minuten unterhielten sie sich – auch über Gewalt. Der 42-Jährige redet mit Blick über das Zusammentreffen. 

«Mir fiel seine Präsenz sofort auf»

W. habe Dedeler vor ihrem Gespräch nur einmal kurz getroffen und sich ihm vorgestellt. «Mir fiel direkt seine Präsenz auf. Er hatte eine starke Ausstrahlung und einen kräftigen Händedruck», so der 42-Jährige. «Als ich ihm die Hand schüttelte, hat er mir intensiv in die Augen gestarrt.»

Besonders der ständige Augenkontakt blieb ihm im Gedächtnis. Dedeler sei komplett schwarz gekleidet gewesen, habe lange Haare und einen Vollbart gehabt, habe gepflegt gewirkt. 

Am Mittwochabend habe sich Urs W. zu Dedeler an einen Tisch im Raucherzimmer gesetzt. Das Gespräch begann mit persönlichen Themen. «Ich sagte ihm, dass ich wegen Depressionen hier bin. Er meinte, bei ihm sei es ähnlich».

«Dinge mit Gewalt durchsetzen»

Sie reden über Gott und die Welt – wortwörtlich. Laut W. sprach Dedeler über die Rolle des Islams und beklagte einen zunehmenden Verlust von Respekt in der Gesellschaft. Zudem habe er den Eindruck vermittelt, die Welt befinde sich im Niedergang. «Er sprach klar, laut und selbstbewusst. Andere Anwesende hörten ihm ebenfalls zu», sagt W..

Das Thema änderte sich: «Ich sagte ihm, dass ich es gut finde, wenn der Staat von der Religion getrennt wird und dass man Konflikte nicht mit Gewalt lösen darf», so W.. Dem habe Dedeler klar widersprochen. «Er sagte immer wieder, dass es Situationen gibt, in denen man Gewalt anwenden muss. Da lief es mir eiskalt den Rücken runter.»

Für W. entstand der Eindruck, dass Dedeler Gewalt in gewissen Situationen für legitim halte. Dabei wurde er nicht konkret. Er habe nicht erwähnt, welche Art von Gewalt er meint, machte keine Andeutungen, dass er selbst diese ausüben wolle.

W. vermutet Absicht dahinter: «Er wirkte intelligent. Im Nachhinein habe ich den Eindruck, dass er sehr genau darauf achtete, was er sagte.»

Man wünscht sich einen schönen Abend

Trotz Meinungsverschiedenheiten sei das Gespräch nicht hitzig geworden. Dedeler sei zwar zeitweise laut, aber nie aggressiv gewesen. «Ich glaube, er hat die ganze Zeit nicht ein einziges Mal den Augenkontakt unterbrochen – es war sehr intensiv», sagt W..

Nach rund 30 Minuten endete das Gespräch. Dedeler habe in dieser Zeit vier Zigaretten geraucht. «Ich war regelrecht erschöpft. Ich habe gemerkt, dass er in seiner Meinung zu Gewalt festgefahren ist. Mit solchen Menschen zu diskutieren, ist anstrengend.»

Sie hätten sich darauf geeinigt, in dem Thema verschiedene Ansichten zu haben. Dann hätten sich die beiden noch einen schönen Abend gewünscht und sich verabschiedet. «Das waren die letzten Worte, die wir zusammen gesprochen haben.»

Am nächsten Morgen folgt die Attacke

Am nächsten Morgen griff Dedeler am Bahnhof Winterthur drei Menschen mit einem Messer an und verletzte diese teilweise schwer. Dann rannte er durch die Strassen und rief «Allahu akbar».

W. fiel aus allen Wolken, als er das Video von Dedeler sah. «Ich habe ihn sofort an seiner Statur erkannt. Das war er, kein Zweifel.» Der 42-Jährige ist schockiert. 

«Habe überlegt, ihn dem Personal zu melden»

Seit der Tat gehen dem 42-Jährigen viele Gedanken durch den Kopf. «Natürlich fragt man sich, ob man etwas hätte tun können», sagt Urs W. «Vielleicht hätte ich den Angriff verhindern oder verzögern können, wenn ich anders gehandelt hätte.»

Kurz habe er darüber nachgedacht, das Personal auf die Aussagen von Dedeler aufmerksam zu machen. Doch weil dieser nie konkret geworden sei und keine Drohungen ausgesprochen habe, sah er keinen Anlass dazu.

«Im Nachhinein denkt man über vieles anders nach», sagt W. «Aber an diesem Abend hatte ich nicht das Gefühl, dass er einen solchen Angriff verüben würde.»

* Name geändert

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