Betreiberpaar zeigt sich in der Öffentlichkeit
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Erstmals seit der Tragödie:Betreiberpaar zeigt sich in Öffentlichkeit

Italienisches Brandopfer Elsa R. (15) erwacht aus Koma und erkennt Eltern
«Für uns war es ein überwältigender Moment»

In Crans-Montana kam es in der Neujahrsnacht zu einem verheerenden Brand, der 40 Todesopfer forderte. Im Ticker halten wir dich über die neusten Entwicklungen auf dem Laufenden.
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Jessica und Jacques Moretti auf dem Weg zur Anhörung.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Verheerende Brandkatastrophe in Bar Le Constellation forderte 40 Todesopfer
  • Bar-Betreiberpaar Jacques und Jessica Moretti befragt, Jacques Moretti kam in Polizeigewahrsam
  • Feuer wurde durch Wunderkerzen an Champagnerflaschen ausgelöst
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Blick Newsdesk
vor 3 Minuten

Überlebende Eleonora P. zeigt ihre Brandwunden

Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk

Unglaubliche Schmerzen, grosse Angst und viel Kampfgeist: Die 29-Jährige Eleonora P. hat die Brandkatastrophe von Crans-Montana überlebt. Auf Instagram zeigt die junge Frau jetzt Fotos von ihrer Zeit im Spital – und möchte anderen Mut machen. 

Die junge Italienerin Eleonora P. zeigt ihre Brandverletzungen. Credit: Screenshot Instagram

P. stammt aus Cattolica an der Adriaküste. Sie war für Silvester nach Crans-Montana gekommen, um gemeinsam mit Freunden zu feiern. Durch den Brand erlitt sie schwere Verletzungen. Jetzt möchte sie sich bei Familie und Freunden bedanken. 

«Danke an alle, die meine Hand gehalten haben», schreibt die Tierärztin auf Instagram. 

Und weiter: «Ein riesengrosses Dankeschön gilt den Ärzten und dem gesamten Krankenhauspersonal, die mich mit grösster Professionalität und Menschlichkeit behandeln.» Sie kämpfe jeden Tag weiter, denke jedoch permanent, «an die, die es nicht geschafft haben.»

P. hat schwere Verletzungen im Gesicht, an den Händen und Armen erlitten. Diese sind dick einbandagiert. 

Gegenüber «La Repubblica» erklärte P., dass sie es in allerletzter Sekunde rausgeschafft hat. «Wie habe ich mich gerettet? Ich weiss nicht, mein Überlebensinstinkt hat mich nach draussen gebracht.»

Einige Brandopfer befinden sich immer noch im künstlichen Koma. Die junge Italienerin Elsa R. (15) öffnete nun, drei Wochen nach der Tragödie, erstmals ihre Augen, wie meine Kollegin Sandra Marschner im Tickereintrag von 07.55 Uhr erklärt hat. 

10:25 Uhr

Kein ausserordentlicher Staatsanwalt

Die Untersuchungen nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS bleiben in Walliser Händen. Wie der «Walliser Bote» berichtet, hat das Büro der Staatsanwaltschaft einen Antrag auf die Ernennung eines ausserordentlichen Staatsanwaltes in dem Fall abgelehnt.

07:55 Uhr

Italienisches Brandopfer Elsa R. (15) erwacht und erkennt Eltern

Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newsdesk

Langsam wachen die Brandopfer der Tragödie in Crans-Montana wieder auf. Viele sind noch schwerverletzt und müssen sich zurück ins Leben kämpfen. Doch jeder kleine Schritt gibt den Opfern und ihren Angehörigen neue Hoffnung. 

Auch die 15-jährige Italienerin Elsa R.* ist, nachdem sie 22 Tage im künstlichen Koma lag, wieder erwacht. Wie der «Corriere della Sera» berichtet, erlitt das Mädchen an über 60 Prozent seines Körpers Verbrennungen. Noch stehe eine dritte Darmoperation bevor, denn der Darm sei noch nicht funktionsfähig, sagt R.s Vater gegenüber der Zeitung. 

Die 15-Jährige, die in einem Zürcher Spital liegt, kämpft sich immer weiter in ihr Leben zurück. Noch sei ihre Prognose weiterhin unsicher. Doch als R. ihre Augen öffnete, habe sie ihre Eltern erkannt. «Für uns, ihre Mutter und mich, war es ein überwältigender Moment. Unvorstellbar», erzählt R.s Vater gegenüber dem «Corriere della Sera». 

Auch die Mitschüler der 15-Jährigen wurden auf diese hoffnungsvollen Nachrichten aufmerksam. In den sozialen Medien zeigten sie ihre Unterstützung für Elsa R.: «Gib nicht auf.» Doch der Weg sei noch lang, betont R.s Vater: «Es ist eine wichtige Phase, aber es wird ein sehr schwieriger und langer Weg sein, dessen sie sich zunehmend bewusst wird.»

* Name bekannt

22.01.2026, 15:55 Uhr

Bund schickt Fachteams zu Schweizer Brandverletzten im Ausland

Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk

Drei Wochen nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana ist für viele Betroffene der Ausnahmezustand noch lange nicht vorbei. Einige der Schwerverletzten liegen weiterhin in spezialisierten Verbrennungszentren im Ausland – fernab von Familie, Alltag und Heimat. Nun reagiert der Bund: Die Schweiz hat zwei spezialisierte Fachteams entsandt, um sich direkt vor Ort ein Bild vom Zustand der Patientinnen und Patienten zu machen und den nächsten entscheidenden Schritt zu planen – die Rückkehr und Weiterbehandlung in der Schweiz.

Seit Mittwoch sind die sogenannten Swiss Contact Teams unterwegs. Erste Stationen sind Kliniken in Belgien und Deutschland. Insgesamt werden derzeit 17 verletzte Schweizerinnen und Schweizer sowie neun weitere Patientinnen und Patienten mit Wohnsitz in der Schweiz in Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien behandelt. Die Expertinnen und Experten prüfen nicht nur den aktuellen Gesundheitszustand, sondern klären auch, welche medizinische und rehabilitative Betreuung nach der Rückkehr nötig ist.

Die Weiterbehandlung soll eng abgestimmt über die Schweizer Verbrennungszentren in Lausanne, Zürich und im Kinderspital Zürich erfolgen – gemeinsam mit Kantonen, Gesundheitsdirektoren, Suva, BAG und dem Bevölkerungsschutz. Unterstützt werden die Teams zudem vom Roten Kreuz, dem Korps für humanitäre Hilfe sowie den Schweizer Vertretungen vor Ort.

Wie dramatisch die Brandnacht war, was sie ausgelöst hat und welche offenen Fragen bleiben, haben meine Kollegen Martin Meul und Nicolas Lurati detailliert aufgearbeitet. Ihr Hintergrundbericht ordnet die Tragödie ein – und zeigt, warum die Aufarbeitung für Crans-Montana noch lange nicht abgeschlossen ist. Ihren Text findest du ​hier.

22.01.2026, 08:01 Uhr

So aktivierte das Lausanner Unispital seinen Notfallplan

Von Georg Nopper, Redaktor am Newsdesk

In der Brandnacht aktivierte das Universitätsspital Lausanne (CHUV) erstmals seinen internen Katastrophenplan. Dieser ist bei einem massiven Zustrom von Patienten vorgesehen. Zuvor war er im November 2024 im Rahmen einer Grossübung getestet worden. Wie die Westschweizer Zeitung ​​«24 heures»​​ berichtet, erhielt die Notaufnahme des CHUV in der Brandnacht kurz nach 2 Uhr erste, noch unvollständige Informationen aus dem Wallis über zahlreiche Verletzte, darunter viele junge Menschen mit schweren Verbrennungen.

Die Aktivierung des Katastrophenplans ermöglichte es, rasch Betten, Material und Personal zu mobilisieren. Der Zeitpunkt am 1. Januar hatte dabei spezielle Folgen: Einerseits waren die Operationssäle frei, andererseits befanden sich viele Mitarbeitende in den Ferien, sodass eine Rückrufaktion nötig war. Besonders gefragt waren Notfallmediziner, Anästhesisten und Intensivmediziner. 

Foto: keystone-sda.ch

Zwischen 3.30 und 9.30 Uhr wurden 22 Patienten mit Verbrennungen per Helikopter oder Ambulanz ins CHUV gebracht. Viele mussten intubiert und künstlich beatmet werden, zudem litten einige an Cyanidvergiftungen durch Rauchgase. Dank der Zusammenarbeit mit anderen Spitälern der Westschweiz standen ausreichend Medikamente und medizinisches Material zur Verfügung. 

Der Katastrophenplan betraf weite Teile des Spitals, von der Notaufnahme und der Intensivstation über die Apotheke bis zur Logistik und der Sicherheit. Auch die Betreuung von Angehörigen, die psychologische Unterstützung für Mitarbeitende und die Medienarbeit waren Teil des Einsatzes.

Die Mehrheit der Patienten wurde in den folgenden Tagen im Rahmen einer internationalen Koordination in ausländische Spezialkliniken verlegt. Nach 96 Stunden wurde der Katastrophenplan aufgehoben.

21.01.2026, 20:19 Uhr

Morettis sollen Kredite über mindestens 5,9 Millionen aufgenommen haben

Von Alexander Terwey, Stv. Teamlead Newsdesk

Wie hoch waren die Einnahmen von Jacques und Jessica Moretti? Und wie hoch waren ihre Verpflichtungen? Konkrete Zahlen zu einzelnen Posten gab es lange nicht. Mal hiess es, sie hätten Immobilien im Wert von drei Millionen Franken in bar gekauft. Mal hiess es, sie hätten über vier Millionen Franken Schulden.

Nun kommen zu einzelnen Posten neue Details ans Licht. Wie die französische Zeitung «Le Figaro» berichtet, sollen Jacques und Jessica Moretti Kredite in Höhe von mindestens 6,4 Millionen Euro (rund 5,9 Millionen Franken) aufgenommen haben. Laut Aussagen von Jacques Moretti vor Gericht und Dokumenten, die «Le Figaro» einsehen konnte, nahmen sie mindestens fünf Kredite für Geschäfts- und Privatimmobilien auf.

- 1,4 Millionen Euro für das Restaurant Le Senso

- 1,8 Millionen Euro für die Bar Le Constellation

- 1,4 Millionen Euro für das Restaurant Le Vieux Chalet

- 1,4 Millionen Euro für ihren Hauptwohnsitz

- 400'000 Euro für ihre Wohnung in Cannes

Diese Summen stehen in Widerspruch zum ausschweifenden Lebensstil der Morettis. So unterhielt das Ehepaar auch mehrere Luxusautos. Die Verbindlichkeiten stehen zudem in keinem Verhältnis zu den angeblichen Einnahmen der beiden. Während einer Befragung gaben sie an, monatlich 10'700 Euro (rund 9900 Franken) aus ihren drei Unternehmen zu verdienen, wie «Le Figaro» weiter schreibt.

Meine Kollegen Dorothea Vollenweider und Beat Michel haben über das Imperium der Morettis berichtet – und sich dafür in der Region umgehört. Ihren Artikel liest du hier.

21.01.2026, 10:12 Uhr

Anwälte kritisieren Ermittlungen: «Wertvolle Zeit ist verloren gegangen»

Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk

Nach dem verheerenden Brand in der Bar Le Constellation wächst die Kritik an den Ermittlungen. Mehrere Anwälte der Nebenkläger haben Beschwerdebriefe eingereicht, deren Ton zunehmend schärfer wird, wie der französische Sender BFM berichtet.

Demnach beschreibt ein Anwalt in einem Schreiben vom 8. Januar den Beginn der Ermittlungen als «chaotisch» und fordert ausdrücklich die sofortige Beschlagnahmung der Telefone und Computer der Angeklagten, um Beweismaterial zu sichern. «Es ist wahrscheinlich, wenn nicht gar sicher, dass der Nachrichtenaustausch – ob Whatsapp- oder Sprachnachrichten – in den Stunden nach der Tragödie für die Ermittlungen von entscheidender Bedeutung sein dürfte», heisst es in dem Brief. 

In einem weiteren Schreiben heisst es später kritisch: «Wertvolle Zeit ist verloren gegangen.» Der Anwalt mahnt die Staatsanwaltschaft, schneller zu handeln, um mögliche Absprachen zu verhindern, «es gibt noch Beweismaterial zu sichern». 

Auch der Umgang mit der Gemeinde Crans-Montana steht im Zentrum der Kritik. Ein Anwalt beklagt am 14. Januar: «Ein Haftbefehl ohne Kontrolle reicht nicht aus: Es ist zwingend erforderlich, die Räumlichkeiten zu durchsuchen und alle Computer und anderen Geräte zu beschlagnahmen.»

Auch das Vorgehen der Walliser Staatsanwaltschaft steht seit Beginn der Ermittlungen in der Kritik – im Zentrum Staatsanwältin Beatrice Pilloud. Der Vorwurf: mangelnde Führung, unklare Kommunikation und Entscheide, die einen Eindruck von Nachlässigkeit hinterlassen. Mehr dazu kannst du hier im Text meines Kollegen Daniel Ballmer nachlesen.

21.01.2026, 10:07 Uhr

Gemeinde verschärft Kontrollen

Von Jessica von Duehren, Teamlead Newsdesk

Seit 2019 war die Inferno-Bar Le Constellation nicht mehr von den Behörden kontrolliert worden – ein Fehler, für den die Gemeinde massive Kritik einstecken musste. 

Nach der Tragödie in der Silvesternacht verstärkt Crans-Montana den Bereich Sicherheit deswegen jetzt. Seit dieser Woche kontrollieren Mitarbeitende der Sécurité publique gemeinsam mit Spezialisten der Firma BTEE SA Bars und andere öffentliche Lokale. 

Die Kontrollen dauern laut Mitteilung der Gemeinde mehrere Monate und betreffen später auch Hotels und Restaurants. Das Ziel: mehr Sicherheit, strengere Checks – vor allem beim Brandschutz. 

21.01.2026, 09:38 Uhr

Opferanwältin: «Ich hoffe, dass Herr Moretti an die Opfer denkt»

Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk

Jessica Moretti erschien am Mittwochmorgen zur Anhörung bei der Staatsanwaltschaft in Sitten. Ebenfalls auf dem Weg dorthin war die Opferanwältin Laurence Casays, die sich kurz den Journalisten stellte. Auf die Frage nach Jacques Morettis Verhalten bei der gestrigen Anhörung erklärte Casays: «Er war ziemlich klar in seinen Antworten, ich glaube auch bewegt, angesichts des Ausmasses der Tragödie.»

Hier erscheint Jessica Moretti zur nächsten Anhörung
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Inferno-Wirtin Crans-Montana:Hier erscheint Jessica Moretti zur nächsten Anhörung

Die Anhörung dauerte rund neun Stunden – ein regelrechter «Marathon», so Casays, der aber notwendig sei: «Die Gerechtigkeit verlangt, dass wir uns Zeit nehmen, um alle Fragen zu beantworten. Ich glaube, die Opfer haben das verdient.» 

Auf die Frage, ob Moretti sich in die Opfer hineinversetzen könne, sagte sie vorsichtig: «Ich hoffe, dass Herr Moretti an die Opfer denkt, und ich glaube, dass dies der Fall ist.» Casays vertritt insgesamt drei Opfer.

21.01.2026, 07:40 Uhr

Moretti: «Ich trage keine Schuld, es ist nicht meine Verantwortung»

Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk

Jacques Moretti weist nach dem Brand in seiner Bar Le Constellation jede Schuld von sich. «Ich trage keine Schuld, es ist nicht meine Verantwortung. Ich habe alles Notwendige in Bezug auf die Sicherheit getan», sagte er nach fast zehn Stunden Verhör, wie der «Corriere della Sera» unter Berufung auf Informationen von Opferanwälten berichtet. Versäumnisse sieht er bei anderen: «Ich hätte mir das nicht vorstellen können … alle durchgeführten Kontrollen verliefen einwandfrei», erklärte Moretti mit Blick auf die Gemeinde. 

Foto: AFP

Riskante Showeinlagen ordnet er seinen Angestellten zu: «Das haben die Angestellten gemacht, es war nicht meine Initiative, aber ich habe es auch nie verboten.» Auch blockierte oder verschlossene Türen führt er auf Dritte zurück. Für Kritik sorgt zudem seine Aussage: «Auch wir sind Opfer dessen, was passiert ist», relativierte jedoch, man sei «nicht Opfer auf demselben Niveau wie die Toten und Verwundeten».

Parallel prüfen die Richter die finanzielle Lage der Morettis: Auf dem UBS-Konto lagen am 31. Dezember lediglich 493 Franken, zugleich lasten Hypotheken von über 1,34 Millionen Franken auf dem Haus. Morettis Frau Jessica beantragte eine Freilassung gegen Kaution von 200'000 Franken. Wie die italienische Zeitung schreibt, soll der Betrag bereits hinterlegt worden sein. Eine Entscheidung könnte noch heute fallen. 

Über die finanzielle Situation der Morettis wurden in den letzten drei Wochen immer mehr Details bekannt. Meine Kollegen Dorothea Vollenweider und Beat Michel haben sich das zwielichtige Imperium aus Immobilien und Restaurants in diesem Artikel genauer angeschaut. 

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