Neues Video zeigt den Brandausbruch
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Im Le Constellation:Neues Video zeigt den Brandausbruch

Es sollte auch für Kindergärten und Schulen in Einsatz kommen
Gefährlicher Akustikschaum wurde als «nicht entflammbar» verkauft

In Crans-Montana kam es in der Silvesternacht zu einem verheerenden Brand, der 41 Todesopfer forderte. Im Ticker halten wir dich über die neusten Entwicklungen auf dem Laufenden.
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Das Ehepaar Moretti steht momentan im Rampenlicht der Medien und Ermittler.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die verheerende Brandkatastrophe in der Bar Le Constellation forderte 41 Todesopfer
  • Gegen das Barbetreiberpaar Jacques und Jessica Moretti wird ermittelt
  • Das Feuer wurde durch Sprühkerzen an Champagnerflaschen ausgelöst
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Blick Newsdesk
08:09 Uhr

Akustikschaumstoff als «nicht entflammbar» verkauft

Von Johannes Hillig, Redaktor am Newsdesk

Plötzlich stand die Decke im Le Constellation in Flammen. Der Akustikschaumstoff fing Feuer. Woher Jacques Moretti das Material hatte, war zunächst unklar. Er selbst hatte angegeben, dass er den Akustikschaumstoff für die Decke seines Lokals im Jahr 2015 bei Hornbach in Riddes VS gekauft habe. Doch diese Aussage stellte sich als falsch heraus. Am 20. Februar 2026 legte Moretti freiwillig eine Rechnung bei der Polizeiwache in Sitten vor, die belegt, dass er den Schaumstoff tatsächlich bei einem Lieferanten in Ostdeutschland erwarb, wie «​24 Heures​» berichtet. 

Die Rechnung ist vom 3. September 2015 und dokumentiert den Kauf von 1360 Schaumstoffplatten des Modells «Pyramidal Acoustic Foam PRO 90 cm/45 cm/6 cm P085» für 13'464 Euro. Dieses Modell wurde laut archivierten Webseiten des Verkäufers als «nicht entflammbar» und «selbstverlöschend» beschrieben. Es sei für «Kindergärten, Schulen, Restaurants und Bars» geeignet.

Die Walliser Staatsanwaltschaft hat am 27. Februar ein dringendes internationales Rechtshilfeersuchen an die deutschen Behörden gestellt. Ziel ist es, die genauen Eigenschaften des Schaumstoffs sowie weitere Details zur Transaktion zu ermitteln. 

08:18 Uhr

Moretti hatte Luxusuhren und Pistole in seiner Wohnung

Von Johannes Hillig, Redaktor am Newsdesk

Den Kaufbeleg für den Akustikschaumstoff hätten die Ermittler bei der Razzia in der Wohnung von Jacques Moretti Mitte Februar in Lens finden können. Sie lag in einem Aktenkoffer, wurde aber nicht entdeckt. Dafür konnte die Polizei andere Dinge sicherstellen. Sechs Luxusuhren von Marken wie Rolex und Hublot, Computerzubehör, USB-Sticks und eine Glock 19-Pistole samt Munition. Das berichtet «24 Heures».

Ob Moretti eine Waffenerlaubnis besitzt, ist unklar. Ein langjähriger Freund Morettis berichtet, dass sie gemeinsam in Schiessständen trainiert hätten. Interessant ist auch die Frage nach Morettis finanziellen Mitteln. Während seiner ersten Vernehmung am 9. Januar hatte er angegeben, keine Wertgegenstände zu besitzen, so dass seine Kaution auf 200'000 Franken festgesetzt wurde. Der Anwalt eines der Opfer forderte nun, die Höhe der Kaution angesichts des Luxusbesitzes und möglicher finanzieller Unregelmässigkeiten zu überprüfen. 

07:43 Uhr

Féraud im Visier der Behörden

Von Johannes Hillig, Redaktor am Newsdesk

Der Gemeindepräsident von Crans-Montana, Nicolas Féraud (55), steht seit dem 5. März unter formeller Untersuchung – wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung, Brandstiftung und Pflichtverletzung. Das berichtet «​Le Nouvelliste​». 

Wird er als Gemeindepräsident in den Ausstand treten? Haben die Ermittlungen Auswirkungen auf sein politisches Amt? Auf Anfrage von Blick will sich Féraud nicht äussern und verweist auf seine Anwältin.

Die Behörden ermitteln nicht erst jetzt und nicht nur gegen den Gemeindepräsidenten, sondern bereits gegen die ehemaligen und aktuellen Sicherheitschefs der Gemeinde sowie die Clubbesitzer Jacques und Jessica Moretti. 

Die Vorwürfe gegen die Behörden wiegen schwer. «Es gibt hinreichende Gründe für die Annahme, dass die Gemeinde ihrer Pflicht zur Durchsetzung der Vorschriften nicht nachgekommen ist, um das Leben der Besucher der Bar Le Constellation zu schützen», heisst es in den Ermittlungsdokumenten. 

Neben Féraud stehen auch fünf weitere Personen im Fokus der Ermittlungen, darunter Kévin Barras, ehemaliger Sicherheitsverantwortlicher und derzeit Abgeordneter im Kantonsrat.

Nach dem Inferno steht die Gemeinde in der Kritik. ​Die Schlinge zieht sich um die Behörden.​ Blick hat alle kommunalen Verantwortlichen aufgespürt. Ein Ex-Gemeinderat (zuständig für die Sicherheit) ist im Brandschutz-Business tätig. ​Hier geht es zum Artikel.

08.03.2026, 14:06 Uhr

«Wie viele meiner Lieben kann ich wohl auf einmal sehen?» – Rückkehr von Brandopfer

Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newsdesk

Freudentränen am Bahnhof Termini in Rom: Nach 67 Tagen Krankenhausaufenthalt in Mailand durfte das Brandopfer Manfredi M.* (16) wieder nach Hause zurückkehren, berichtet der «Corriere della Sera». Der Jugendliche hatte in der Silvesternacht in der Bar Le Constellation schwere Verbrennungen erlitten. 40 Prozent seines Körpers sind von Verbrennungen betroffen, einige Zeit lang lag der 16-Jährige im künstlichen Koma. 

Manfredi M. durfte wieder nach Hause zurückkehren. Bild: Social Media

Doch nun ist der Jugendliche voller Hoffnung, will sich in sein normales Leben zurück kämpfen. «Ich möchte sofort meine Freunde und Mitschüler sehen. Ich würde sie am nächsten Dienstag gerne besuchen und sie in der Pause umarmen», sagte Manfredi bei seiner Ankunft in Rom am Samstag gegenüber der Zeitung. Seine Familie empfing ihn am Bahnhof voller Freudentränen. 

«Ich kann es kaum erwarten, alle, die mich lieben, wiederzusehen. Etwas mit ihnen zu unternehmen, zusammen essen zu gehen. Wie viele kann ich wohl auf einmal sehen?», seien seine ersten Worte an seine Familie gewesen, schilderte sein Vater gegenüber «Corriere della Sera». 

In der Silvesternacht hatte M. mit seinem engen Freund Riccardo M. gefeiert. Dieser verstarb in den Flammen. Bild: Social Media

Noch ist Manfredi M. auf einen Rollstuhl angewiesen und befindet sich wegen der Verbrennungen an seinem Körper und einem Problem mit der Luftröhre weiterhin in Behandlung. Doch die Hoffnung und Wiedersehensfreude überwiegen: «Wir sind froh, dass er wieder in Rom ist», sagte sein Vater gegenüber der Zeitung. In der Brandnacht hatte sein Vater ihn sowie weitere Brandopfer, darunter die Italienerin Elsa R.* (15), selbst mit dem Auto ins Spital in Sitten gefahren. 

In der Silvesternacht hatte Manfredi mit Freunden im Le Constellation gefeiert. Seinen engen Freund Riccardo M.* (†16) verlor er dabei in den Flammen. 

*Namen bekannt

07.03.2026, 17:42 Uhr

Mailand will öffentlichen Garten dem Gedenken an Brandopfer widmen

Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newsdesk

In den Flammen der Inferno-Bar verloren auch zwei Mailänder Schüler ihr Leben. Zum Andenken an Chiara C.* (†16) und Achille B.* (†16) soll in Mailand nun ein öffentlicher Garten nach den beiden Opfern benannt werden, wie «La Repubblica» berichtet. Auch eine Gedenktafel soll an die verlorenen jungen Leben erinnern. 

Die Schülerin Chiara C. verlor in Crans-Montana ihr Leben. Bild: Instagram

Der Gemeinderat habe den Vorschlag der Regionalpartei Lega bereits angenommen. Der Fraktionsvorsitzende Alessandro Verri fordert nun den Bürgermeister und Stadtrat von Mailand auf, die Gedenkgeste umzusetzen. «Die Erinnerung an die jungen Menschen, deren Leben so früh beendet wurde, ist eine moralische Pflicht für die Institutionen», heisst es hierzu in dem Antrag. 

Der Schüler Achille B. feierte zusammen mit Chiara C. im Le Constellation. Auch er verlor sein Leben. Bild: Social Media

Chiara und Achille gehörten beide zu einer grösseren Freundesgruppe, die die Silvesternacht in der Bar Le Constellation feierte. Viele ihrer Freunde liegen weiterhin mit schweren Verbrennungen und Lungenschäden im Spital, berichtet «La Repubblica». 

Andrea C., Chiaras Vater, zeigt sich gegenüber «La Repubblica» gerührt über dieses Andenken: «Eine noble Geste. Es ist richtig, dass auch Mailand dieser beiden jungen Menschen gedenkt, die in dieser Stadt gelebt haben. Und die sie geliebt haben.» 

* Namen bekannt

06.03.2026, 17:54 Uhr

Waadtländer Politiker soll verstorbenes Crans-Montana-Opfer bestohlen haben

Von Natalie Zumkeller, Redaktorin am Newsdesk

Es sind brisante Vorwürfe, die nur wenige Tage vor den Kommunalwahlen in Pully VD gegen einen kandidierenden Politiker erhoben wurden. Der 18-Jährige, der Mitglied der rechtsextremen Partei Rassemblement Romand Patriote (RRP) ist, soll einem Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana nach dessen Tod mehrere Gegenstände geklaut haben. Das berichtet «24 heures».

Bei dem Opfer soll es sich um einen Kollegen des RRP-Vertreters gehandelt haben. Die Familie des Verstorbenen erklärt in einer Anzeige, der Beschuldigte habe sich nach dem Tod seines Kollegen einige Tage lang im Wohnsitz von dessen Mutter aufgehalten. So habe er mit der Familie trauern wollen. 

Einen Tag nachdem er diese auf «ausdrücklichen Wunsch des Vaters» wieder verliess, habe die Familie festgestellt, dass «eine Vielzahl persönlicher Gegenstände» des Verstorbenen fehlten. Darunter würden sich unter anderem Markenhemden, eine Reisetasche, ein Paar Schuhe und zwei Jacken befinden.

Der Vater des Brandopfers beschuldigt den 18-Jährigen nun, die Gegenstände beim Verlassen der Wohnung oder sogar vor der Beerdigung gestohlen zu haben – dieser wehrt sich gegen die Vorwürfe. «Ich empfinde das als einen echten Verrat. Dieser Freund stand mir nahe, und ich bin empört, dass man mir so etwas vorwirft», so das RRP-Mitglied gegenüber «24 heures».

Die Anschuldigungen nennt er «haltlos», seine Version der Geschichte unterscheidet sich drastisch von der Darstellung der Familie. Er betont, er habe bereits vor der Brand-Tragödie bei der Familie gewohnt, um mit seinem verstorbenen Kollegen, der ebenfalls RRP-Mitglied war, seine Wahlkampf-Strategie auszuarbeiten. «Er war mein Wahlkampfleiter für die Gemeinde.» Ausserdem habe die Mutter ihn nach dem Tod ihres Sohnes gebeten, noch einige Tage in der Wohnung zu bleiben.

Vor einem Einfluss auf sein Wahlergebnis geht der 18-Jährige nicht aus. ««Die Bevölkerung von Pully kennt mich gut. Sie weiss, wer ich bin und warum ich kandidiere», erklärt er. Nichtsdestotrotz will er nun rechtliche Schritte prüfen.

06.03.2026, 11:30 Uhr

Lockert das Wallis nun den Brandschutz?

Von Sandra Marschner, Redaktorin Newsdesk

Bereits Mitte September wurde darüber diskutiert, das Schweizer Brandschutzrecht einer Totalrevision zu unterziehen. Die Vereinigung der Kantonalen Feuerversicherungen (VKF) legte in einem Entwurf für neue Brandschutzvorschriften den Fokus auf Verhältnismässigkeit, Deregulierung und mehr Eigenverantwortung. Kurz nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana sorgten diese möglichen Lockerungen für gehörigen Zündstoff, wie mein Kollege Fabian Eberhard in diesem Artikel analysiert. 

Die Vorschriften sollten schweizweit von Kantonen und Gemeinden umgesetzt werden. Geplant war das Inkrafttreten für Frühling 2027, doch kurz nach der Brandkatastrophe kam es zum Marschhalt, wie mein Kollege Sven Altermatt in diesem Artikel erklärt. 

Regelmässigkeit der Kontrollen anpassen

Nun scheint ein Entwurf für die März-Session des Walliser Parlaments für neuen Zündstoff zu sorgen. Die darin vorgeschlagenen Gesetzesänderungen beziehen sich auf die Verordnung zum Gesetz zum Schutz gegen Feuer und Naturelemente, berichtet «Pomona» unter Berufung auf den Dokumententwurf. 

Konkret soll kategorisiert werden, welche Einrichtungen als «sensibel und prioritär» eingestuft werden und damit jährlich zu kontrollieren seien. Für weitere Einrichtungen des öffentlichen Raums soll die Regelmässigkeit der Kontrollen angepasst werden. Bei der Kontrolle privater Gebäude soll hingegen die Aufgaben- und Verantwortungsverteilung überprüft werden. 

Sicherheitsbeauftragte sollen kantonal weitergebildet werden. Geprüft werden soll zudem, ob bei baulichen Veränderungen oder Innenrenovationen in besonders sensiblen Betrieben eine Meldepflicht an die Gemeinde bestehen sollte. Auch das Verhältnismässigkeitsprinzip soll bei Umbaumassnahmen in Bezug auf Brandschutzmassnahmen verstärkt werden. 

06.03.2026, 08:18 Uhr

Französische Delegation trifft sich mit Schweizer Behörden

Von Alexander Terwey, Stv. Teamlead Newsdesk

Mehr als zwei Monate nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana sind die Ermittlungen noch in vollem Gang, viele Fragen noch immer ungeklärt. Ab Freitag trifft sich laut «Neue Zürcher Zeitung» eine französische Delegation im Wallis und in Bern mit den Schweizer Behörden.

Thema seien vor allem Hilfsgelder für Brandopfer und deren Angehörige sowie Fragen zu den Ermittlungen.

Am Samstag findet laut der Zeitung ein Treffen in der französischen Botschaft in Bern statt. Teilnehmen werde unter anderem der stellvertretende Pariser Staatsanwalt Christian de Rocquigny.

Die Pariser Staatsanwaltschaft führe sogenannte Schattenermittlungen parallel zu den Schweizer Untersuchungen durch. Ein eigenes Strafverfahren in Frankreich sei jedoch nicht geplant.

Die italienischen Behörden fordern unterdessen bereits seit Wochen eine gemeinsame Ermittlungsgruppe. Sie beklagen jedoch fehlende Kooperation seitens der Schweizer Behörden. Rom übt weiter Druck auf Bern aus. Mehr dazu erfährst du im Artikel meines Kollegen Daniel Ballmer.

06.03.2026, 07:48 Uhr

«Wieder das Sonnenlicht sehen, die ersten Schritte im Freien machen»

Von Sandra Marschner, Redaktorin Newsdesk

«Das Gefühl, wieder das Sonnenlicht zu sehen und die Wärme auf der Haut zu spüren, die Luft im Gesicht. Die ersten Schritte im Freien zu machen. Normale Kleidung zu tragen statt eines Krankenhauskittels. Alles kam mir seltsam vor», beschreibt Brandopfer Sofia D.* (16) die ersten Gefühle nach ihrer Entlassung aus dem Spital gegenüber «Corriere della Sera». Nach 62 Tagen zunächst im Spital in Lausanne und dann im Krankenhaus Niguarda darf die Schülerin aus Mailand wieder zurück nach Hause. 

Sofia D. erfreut sich wieder an den kleinen Dingen ihres Lebens. Bild: Screenshot Gofundme

Am Mittwochnachmittag holte ihre Familie die Teenagerin ab. «Die Untersuchungen der vergangenen Wochen waren unauffällig, daher haben die Ärzte ihre Entlassung angeordnet. Sie muss allerdings alle zwei Tage zum Verbandswechsel, zur Physiotherapie, Psychotherapie und in ihrem Fall auch zur Sprachtherapie zurückkommen», sagt ihr Bruder gegenüber «Corriere della Sera». Aufgrund der eingeatmeten Rauchgase in der Inferno-Bar sei Sofia praktisch stumm. Doch es bestehe Hoffnung auf Heilung. 

Nun kämpft sich die 16-Jährige wieder zurück in ihr Leben. Jedes Stück Normalität spendet ihr neue Hoffnung. Zu ihrer Heimkehr gab es ihren Lieblingshamburger. Mit ihrer Familie und Kater Axel zusammengekuschelt konnte sie den Disney-Film «Ratatouille» anschauen. 

Noch sei es ein langer Weg für ihre Tochter, schildern ihre Eltern gegenüber der Tageszeitung: «Sie wird zwei Jahre lang eine Orthese tragen müssen, die nur ihren Kopf und ihre Füsse frei lässt.» Doch jetzt sei nicht die Zeit, darüber nachzudenken. «Jetzt ist die Zeit, sich an den kleinen Dingen zu erfreuen.» 

* Name bekannt

05.03.2026, 18:24 Uhr

Leila Micheloud: «Wir machen eine Familientherapie»

Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk

Die beiden Töchter von Leila Micheloud (51), Farah (20) und Meissa (18), erlitten beim Brand in der Bar Le Constellation schwere Verletzungen. Seit der Silvesternacht ist für die Familie nichts mehr wie vorher. Zwei Monate nach der Katastrophe schildert sie der Zeitung «Le Nouvelliste» den Alltag der Familie. «Wir haben Angst, vergessen zu werden», sagt sie. 

Sie sorgt sich nicht nur um ihre beiden Töchter, die einen langen Genesungsweg vor sich haben, sondern auch um die jüngste Tocher Naiel (14), die in der schicksalshaften Nacht nicht im Lokal war. «Sie hat diese Tragödie von aussen miterlebt, denn in dem Versuch, sie zu beschützen, haben wir sie von der Familie ausgeschlossen. Was wir getan haben, war furchtbar», erzählt Micheloud. Unter Schock wurde die Jugendliche Anfang Januar für einige Tage in ein Spital eingeliefert. «Ich habe mich tausendmal entschuldigt.»

Sie verrät weiter: «Wir machen eine Familientherapie, um gemeinsam Bewältigungsstrategien zu entwickeln.» Seit dem 1. Januar sind die Eltern krankgeschrieben. «Wie lange werden unsere Arbeitgeber das noch hinnehmen?», fragt sich die dreifache Mutter acht Wochen nach der Tragödie. Denn obwohl sich die Lage langsam bessert, sind Farah und Meissa bisher nicht dazu in der Lage, in den Alltag zurückzukehren.

Leila Micheloud kann nicht einfach zum Alltag übergehen.

Die Unglücksnacht ist noch nicht vergessen. «Mein Mann, der zwanzig Minuten nach der Tragödie am Unglücksort eintraf, befand sich mitten in einem Schlachtfeld. Dort lagen verkohlte Leichen, sterbende Menschen, sterbende Kinder, andere, die bereits tot waren. Er musste Leichen umdrehen, um die seiner Tochter zu finden.»

Meissa verliess vor einer Woche das Spital. «Sie ist psychisch schwer traumatisiert von den verbrannten Körpern, die sie sah, den Leichen, über die sie steigen musste, um aus der Bar zu fliehen, und der Erstickungsangst, die sie erlebte», berichtet ihr Mami. «Sie wird nichts davon jemals vergessen, aber sie möchte nach vorn blicken.» Ab Freitag möchte die angehende Bauzeichnerin wieder zur Schule gehen. 

Farah hat es noch schlimmer erwischt als ihre Schwester. Acht Tage lag sie im Koma, siebzehn Tage auf der Intensivstation. «Die erste Woche war die schwerste. Ihr Leben hing am seidenen Faden», sagt Leila Micheloud rückblickend. «Die Pflegekräfte waren unglaublich. Etwa fünfzehn von ihnen kümmerten sich rund um die Uhr um sie.»

Farah erlitt Verbrennungen zweiten Grades im Gesicht. «Als sie sich das erste Mal im Spiegel sah, schrie sie. Sie war so aufgewühlt, dass wir sie sedieren mussten», bemerkt Micheloud. 

Zu Blick sagte sie Ende Januar: «Ich will Gerechtigkeit.» Wann und ob sie diese bekommen wird, ist noch völlig unklar. Die Ermittlungen zum Bar-Inferno laufen – und dürften noch lange andauern.

05.03.2026, 15:18 Uhr

Noch immer ein Brandopfer in Zürich auf der Intensivstation

Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk

Wie die Nachrichtenagentur keystone-SDA meldet, befinden sich noch 12 Verletzte der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS aktuell in Schweizer Spitälern. Sechs Opfer werden im CHUV in Lausanne behandelt, sechs weitere Opfer im Universitätsspital in Zürich. Ein Brandopfer befände sich noch immer auf der Intensivstation des Kinderspitals, schreibt keystone-SDA.

Ein Brandopfer liegt noch immer auf der Intensivstation, berichtet die Nachrichtenagentur keystone-SDA.
Foto: KEYSTONE

Sieben Opfer sind mittlerweile mit der Rehabilitation in den Suva-Kliniken beschäftigt. Sechs von ihnen machen die Reha in Sitten VS, ein Opfer arbeitet in Bellikon AG an der Rückkehr in den Alltag. Zwei Opfer sollen zudem in den vergangenen Tagen aus der Obhut der Suva-Klinik in Sitten entlassen worden sein.

Im Ausland werden derzeit 26 Patienten behandelt, zwei weniger als vor zehn Tagen. Neun davon sind Schweizer Staatsangehörige, fünf sind ausländische Patienten mit Wohnsitz in der Schweiz. Von diesen 26 Verletzten werden 12 noch in Frankreich, 4 in Deutschland, 9 in Italien und 1 in Belgien behandelt, vermeldet die Nachrichtenagentur. 

Insgesamt sank die Zahl der Verletzten, die in der Schweiz oder im europäischen Ausland Pflegeleistungen in Anspruch nahmen zwischen dem 23. Februar und dem 3. März von 58 auf 45.

Gianni Roberto Rossi, CEO der Suva-Kliniken in Sitten VS und Bellikon AG, hat mir Mitte Januar erklärt, was die grössten Herausforderungen bei der Reha sind. Mehr dazu liest du hier.

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