Darum gehts
- Islamistischer Anschlag in Berlin beim CSD: Eine Tote, 29 Verletzte
- Street Parade Zürich berücksichtigt neusten Anschlag bei Beurteilung der Sicherheitsmassnahmen
- NDB listet im Juni 44 Risikopersonen im Rahmen der Terrorismusabwehr in der Schweiz
Am Samstagabend raste ein islamistischer Terrorist am Berliner CSD mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge. Eine Frau verstarb, 29 Menschen wurden teils schwer verletzt. Der Schock sitzt tief. Und immer mehr Fragen bleiben offen. Wie gelang es Abdul Ballout (†21) trotz enormer Sicherheitsmassnahmen, in den Tiergarten zu gelangen?
Auch in der Schweiz beschäftigt der Berliner Terror-Anschlag die Sicherheitsbehörden. Am 8. August findet die 33. Street Parade in Zürich statt. Blick hat beim Veranstalter, der Polizei und beim Nachrichtendienst nachgefragt, wie sicher wir in der Schweiz bei Grossveranstaltungen sind.
Wie wird das Sicherheitskonzept erstellt?
Jährlich strömen bis zu einer Million Besucher an die Street Parade. Ein umfassendes Sicherheitskonzept ist daher zentral. Stefan Epli, Mediensprecher der Street Parade, erklärt Blick: «Das Sicherheitskonzept der Street Parade wird seit 32 Jahren jährlich in enger Zusammenarbeit mit der Stadt- und Kantonspolizei Zürich überprüft.»
Und wie reagiert man auf aktuelle Geschehnisse? «Auf Grundlage aktueller Begebenheiten sowie der Erfahrungen und Anpassungen aus den Vorjahren wird das Sicherheitskonzept der Street Parade kontinuierlich weiterentwickelt», betont Epli. Details zu konkreten Massnahmen werden bewusst nicht bekannt gegeben.
Wie reagiert die Street Parade auf den Berlin-Anschlag?
Judith Hödl, Mediensprecherin der Stadtpolizei Zürich, sagt zu Blick: «Das Ereignis von Berlin wird selbstverständlich in die laufende Lagebeurteilung hinsichtlich der Street Parade miteinbezogen.» Auch die Einschätzung von Kanton und Bund zur allgemeinen Sicherheitslage in der Schweiz werde dabei berücksichtigt. Gemeinsam mit dem Veranstalter werden zahlreiche Sicherheitsmassnahmen getroffen: «Das Ziel ist immer, zusammen mit dem Veranstalter die grösstmögliche Sicherheit für die Street Parade zu gewährleisten», betont Hödl.
Welche Massnahmen werden ergriffen?
Um die Besucher der Street Parade vor Gefahrenlagen zu schützen, gibt es verschiedene Massnahmen. Das Sicherheitskonzept beinhaltet zum Beispiel schon seit längerer Zeit auch Fahrzeugsperren, um Unberechtigten die Zufahrt in das Festgelände schwer bis unmöglich zu machen. Die Stadtpolizei werde wie jedes Jahr mit einem Grossaufgebot im Einsatz stehen. Aus taktischen Sicherheitsgründen könnten keine weiteren Details bekannt gegeben werden.
Zusätzlich zu den Einsatzkräften auf den Strassen sorgt die Polizei auch aus der Luft und auf dem Wasser für die Sicherheit der Partygänger, wie Hödl weiter gegenüber Blick erklärt. Nebst den uniformierten Polizeikräften «patrouillieren zivile Detektive von mehreren Abteilungen» über das Gelände und «haben ein Auge auf mögliche Straftaten», so Hödl.
Die Sicherheit der Street Parade obliegt der Stadtpolizei Zürich. Gleichzeitig sorgt auch die Kantonspolizei Zürich in ihren Verantwortungsgebieten – wie beispielsweise dem Hauptbahnhof Zürich – für Sicherheit, sagt Mediensprecherin Carmen Surber zu Blick. «Dazu stehen wir in engem Kontakt mit den örtlich zuständigen Behörden sowie den Behörden des Bundes. Wir beurteilen die Sicherheitslage laufend gemeinsam mit ihnen und passen unser Sicherheitsdispositiv lagegerecht an.»
Wie hoch ist die Terrorbedrohung in der Schweiz?
In der Schweiz schätzt der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) die Terrorbedrohung im Land ein. Christoph Gnägi, Mediensprecher des NDB, ordnet gegenüber Blick ein: «Der NDB beurteilt in seinen Lageberichten ‹Sicherheit Schweiz› die Terrorbedrohung in der Schweiz seit Jahren als erhöht. Das heisst: Es liegen Hinweise auf terroristische Akteure in der Schweiz und/oder auf terroristische Absichten gegen die Schweiz vor.»
Die grösste Terrorbedrohung in der Schweiz gehe dabei von «dschihadistisch inspirierten einzelnen Personen oder Kleingruppen aus, die spontan Gewaltakte mit einfachen Mitteln verüben», so Gnägi. Besonders im Fokus solcher Gewaltakte: schwer zu schützende Ziele wie grosse Menschenmengen bei Sport- und Kulturveranstaltungen. «Die Ereignisse der letzten Wochen und Monate in Europa und der Schweiz bestätigen diese Lagebeurteilung», betont Gnägi.
Halbjährlich publiziert der NDB die Anzahl der Fälle, die er in der Terrorismusabwehr bearbeitet. Im Juni 2026 verzeichnete der NDB 44 Risikopersonen. «Das sind Personen, die heute ein erhöhtes Risiko und eine primäre Bedrohung für die innere und äussere Sicherheit der Schweiz darstellen», erklärt der Mediensprecher. Laufend werden die Risikopersonen dem Bundesamt für Polizei (Fedpol) und der Bundesanwaltschaft gemeldet.