Darum gehts
- Terror in Berlin: Abdul Ballout tötete 1 Person, verletzte 29
- Der 21-Jährige wurde am Sonntagabend von der Polizei erschossen
- Ballout war radikalisiert, wohl dem IS angeschlossen
21 Stunden Terror in Berlin: Am Samstag gegen 22 Uhr raste ein weisser Lieferwagen am Berliner CSD in Menschen. Tötete eine Frau, verletzte 29. Noch am frühen Sonntag identifizierten Ermittler Abdul Ballout (†21) als Verdächtigen. Ein veröffentlichtes Fahndungsfoto leitete eine bundesweite Grossfahndung ein.
Am Sonntagabend endete die Flucht des Attentäters in einer Berliner Schrebergartenanlage. Einsatzkräfte stürmten Parzelle 46 des Kleingartenvereins Burgwallschanze in Spandau, im Westen der Stadt. Ballout versuchte noch, Einsatzkräfte mit einer Stichwaffe zu attackieren. Um 18.34 Uhr ist der Terrorist tot, erschossen von der Polizei.
Erst hiess es, die Gartenlaube gehörte dem Vater des Täters, was der Gartenverein später dementierte. Mit dem Vater hatte der Sohn noch ein Telefonat geführt, kurz bevor er die Terrorattacke verübte.
Letztes Telefonat mit Vater
Es war ein Telefonat wie so viele zuvor. «Er sagte, dass er mich vermisst und er sich wünschte, jetzt mit uns im Libanon zu sein», sagte Vater Tawfik Ballout (64) dem «Spiegel». Worte, die zunächst nach Sehnsucht klangen. Heute verfolgen sie ihn.
Tawfik Ballout erzählt von einem Streit, der ihm heute wie eine Warnung erscheint. «Ich habe ihm nicht erlaubt, einen langen Bart zu tragen.» Für ihn war der Bart mehr als ein modisches Detail – er fürchtete, sein Sohn könnte in extremistische Kreise abrutschen. Auf die direkte Frage nach dem Islamischen Staat (IS) habe Abdul ihm versichert, die Terrororganisation sei «schlecht».
Heute weiss der Vater, dass die Wirklichkeit offenbar eine andere war. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte sich der junge Mann radikalisiert und mehrfach versucht, sich dem IS anzuschliessen. Ein Versuch, über den Libanon nach Syrien zu gelangen, scheiterte – es folgten Festnahme und eine Verurteilung auf Bewährung. Doch offenbar gelang es niemandem, ihn dauerhaft von seinem Weg abzubringen.
Verzweifelte Anrufe
Abdul lebte zuletzt bei seiner Mutter und zwei seiner drei Schwestern in Berlin. Die Eltern sind seit Jahren geschieden. «Seine Mutter dreht durch», sagte jetzt der Vater. Die Schwestern hätten seit der Tat ununterbrochen geweint.
Er selbst habe weder geschlafen noch gegessen. Immer wieder habe er versucht, seinen Sohn zu erreichen – «Hunderte Male». Die letzte Nachricht sei am Samstag um 21.53 Uhr zugestellt worden. Danach blieb jedes weitere Zeichen unbeantwortet.
Die Familie sei schiitisch und unterstütze den IS nicht, betont Vater Ballout. Sein Sohn habe sich jedoch zunehmend zur sunnitischen Glaubensrichtung hingezogen gefühlt – jener Richtung, aus der die Terrormiliz hervorging, die Schiiten wie die eigene Familie brutal verfolgt.
«Wurde Gehirnwäsche unterzogen»
Laut deutschen Medienberichten war Ballout den Behörden seit Jahren wegen Gewalt- und Raubdelikten sowie islamistischer Aktivitäten bekannt. Er verbreitete IS-Propaganda und wurde 2026 wegen der Vorbereitung einer terroristischen Straftat verurteilt. Trotz Berufung der Generalstaatsanwaltschaft, die eine längere Haftstrafe gefordert hatte, blieb er auf freiem Fuss.
Ein ganz anderes Bild als das eines Terrorsympathisanten will der Vater zeichnen. Wie aus dem Sohn, den er als «grosszügig, emotional» und mit dem «Herz eines Kindes» beschreibt, ein Terrorist werden konnte, kann sich Tawfik Ballout nur mit einem Satz erklären: «Er wurde einer Gehirnwäsche unterzogen.»
Zwischen dem letzten «Ich vermisse euch» und der Terrorfahrt lagen nur wenige Stunden. Danach waren nicht nur Leben ausgelöscht und verletzt – auch seine eigene Familie bleibt in Trümmern zurück.