«Du kannst doch nicht an einen Ort gehen, wo Menschen nackt sind»
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Badi-Verbot für Muslime:«Kannst nicht an einen Ort gehen, wo Menschen nackt sind»

Schweizer Islam-Fluencer warnt vor Badi-Besuchen – Expertin warnt vor ihm
«Wir haben es hier mit einem radikalen Salafisten zu tun»

«Badis sind nichts für Muslime», sagt Besnik K. (32) auf Tiktok. Der Schweizer Islam-Fluencer verbreitet stockkonservative Botschaften, die laut einer Islamismus-Expertin spalten und eine Radikalisierung junger Menschen fördern könnten.
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Der Schweizer Islam-Fluencer Besnik K. erreicht mit seinen Videos auf TikTok Tausende.
Foto: Screenshot TikTok

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Islam-Fluencer Besnik K. (32) aus der Innerschweiz kritisiert Badi-Besuche
  • Expertin nennt seine Ansichten «extremistisch, spaltend» und warnt vor Radikalisierung
  • Über 70'000 Views, 1500 Likes für sein Badi-Video auf Tiktok
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Martin MeulReporter News

Er ist jung, Schweizer, und gut 6000 Menschen folgen ihm auf Tiktok. Besnik K.* (32) aus der Innerschweiz ist Influencer. Doch bei ihm geht es nicht um Fitness, Autos oder Fussball. K. ist Islam-Fluencer, macht sogenanntes #muslimtok.

Heisst: Unter dem Usernamen «only1msg0» erklärt er die Welt aus Sicht eines stockkonservativen Muslims. In seinen Videos spricht er über die verschiedensten alltäglichen Dinge, zum Beispiel, ob man als Muslim bei Ikea einkaufen sollte. Immerhin wurde das Unternehmen von einem Christen gegründet. Für K. offenbar kein Problem. 

Mit einer anderen Sache hat der Islam-Fluencer aber grosse Mühe. «Du kannst doch nicht als gläubiger Muslim an einen Ort gehen, an dem die Menschen nackt sind», wettert er. 

Die Badi ist nichts für Muslime

Die Rede ist vom Besuch einer Badi. Auch bei Temperaturen über 30 Grad: Der gläubige Muslim sollte sich fernhalten von allen Orten, an denen es zu viel nackte Haut zu sehen gibt, findet K. 

«Allah hat uns befohlen, unsere Blicke zu senken. Unsere Scham zu bewahren. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit in der Badi», so der Influencer im Video. 

Wer in die Badi geht, «sündigt den ganzen Tag». Nacktheit, Musik, Alkohol: All das sei nichts für einen richtigen Muslim. 

Wer schwimmen wolle, solle das an einem abgelegenen See tun. Das sei zwar mehr Aufwand, doch es lohne sich. «Damit man nicht sündigt», so K.

Expertin warnt

Blick zeigt das Tiktok-Profil von Besnik K. der Expertin Saïda Keller-Messahli (68). Für die Islamismus-Kritikerin sind die Aussagen des Islam-Influencers alles andere als harmlos. «Wir haben es hier mit einem radikalen Salafisten zu tun», sagt sie.

Die Anhänger des Salafismus wünschten sich eine Gesellschaft, wie sie zu Zeiten des Propheten Mohamed (570–632) bestanden habe, um möglichst nahe an der «reinen, unverfälschten Quelle des Islam» zu sein. Keller-Messahli sagt: «Jede Abweichung davon sehen sie als Verrat und Sünde. Darum sind sie so intolerant gegenüber anderen Sicht- und Lebensweisen.» 

Im Fall von Besnik K. zeige sich das in seiner Meinung zum Badi-Besuch – indem er implizit den Badenden vorwerfe, dass sie sündigen. Aber auch darin, dass er Mädchen das Kopftuch vorschreiben wolle. «Das sind extremistische Ansichten», sagt Keller-Messahli. «Zwar profitiert er in der Schweiz von der modernen, demokratischen Gesellschaft, aber er will im 7. Jahrhundert leben. Das ist die Absurdität des Salafismus.»

Wir-gegen-sie-Mentalität

Die Islamismus-Expertin ist besonders besorgt über die spaltenden Botschaften der Videos. «Es ist eine Wir-gegen-sie-Mentalität. Wir ‹richtige› Muslime machen alles richtig, alle anderen liegen falsch, so die Botschaft», erklärt Keller-Messahli. Eine solche Aufteilung in «richtig und falsch, schwarz und weiss» sei die mentale Grundlage für Gewalt.

Im Fall des Badi-Videos würden alle Menschen, die in die Badi gehen, verteufelt. «Zwischen den Zeilen heisst es: Das sind die Sünder, die sich nackt zeigen und uns in Versuchung führen – wir guten Muslime machen das nicht», so die Expertin. «Letztlich wollen Extremisten, wie dieser Tiktoker, die Muslime auf ihre Seite ziehen und so die Gesellschaft spalten. Das widerspricht dem demokratischen Gedanken.» Von einer inkludierenden Gesellschaft wollten diese Leute nichts wissen.

Risiko für Radikalisierung

Gerade junge Leute, also die Zielgruppe von Tiktok, seien anfällig für solche Botschaften, sagt Keller-Messahli weiter. «Salafisten gaukeln ihnen Orientierung und Zugehörigkeit vor.» Dass die Botschaften von Besnik K. durchaus ankommen, zeigen die Zahlen. Das Video zur Badi wurde über 75'000-mal angeschaut, 1500 Personen haben es geliked. 

Das sei sehr gefährlich, sagt die Expertin. «Weil sich diese Leute aber authentisch und pseudowissend geben, glauben ihnen die jungen User dieser Plattformen. Das kann schnell zu einer Radikalisierung führen.» 

Das Problem ist nicht neu. Vor einigen Wochen berichtete «Der Spiegel», wie erzkonservative muslimische Kreise in Deutschland vorgehen, um ein rückwärtsgewandtes Frauenbild zu propagieren. Das Fazit der Recherche: Wer sich auf Tiktok bewege, könne den Eindruck bekommen, dass es nur eine einzige mögliche Auslegung des Islam gebe: sehr konservativ bis islamistisch. 

Und was sagt Besnik K. zu der Sache? Gegenüber Blick sprach er zwar lange und ausführlich über seine Beweggründe und seine Ansichten. Zitieren lassen möchte er sich allerdings nicht.

* Name geändert 

Heiss diskutiert
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