Darum gehts
- Ein Brückengeländer in Uesslingen-Buch wurde am Mittwoch gereinigt
- Kanton Thurgau nutzte Hydrantenwasser, nicht die Thur, für Reinigung
- Regelmässige Reinigungen eingestellt seit Juni, nur punktuelle Einsätze nötig
Für den Blick-Leser war es ein ironisches Bild: Oberhalb eines von der Trockenheit gezeichneten Flusses wird ein Brückengeländer mit Wasser gründlich gesäubert. Beobachtet hat er den kantonalen Reinigungseinsatz am Mittwochnachmittag in der Thurgauer Gemeinde Uesslingen-Buch, die an der Thur liegt.
Dass ausgerechnet für ein Brückengeländer kostbares Wasser verbraucht wird, kam ihm merkwürdig vor. «Überall rufen die Ämter zum Wassersparen auf, aber nutzen es dann selber für so etwas», sagt er gegenüber Blick. Im ersten Moment hat er sich gefragt, wo das Wasser herkommt: «Aus der Thur darf momentan kein Wasser geschöpft werden, aber darüber brauchen sie die wertvolle Ressource, um ein Geländer zu putzen.»
Ist die Reinigung verhältnismässig?
Er ist der Meinung, dass ein sauberes Brückengeländer derzeit keine Priorität haben sollte und die kantonalen Behörden sorgfältig aussuchen sollten, wofür sie ihre Wasserreserven brauchen. Denn aktuell wird auch die Bevölkerung vermehrt darauf hingewiesen.
Auf Anfrage bestätigt der Kanton Thurgau den gestrigen Einsatz. «Es handelte sich dabei um einen Spontaneinsatz wegen Überschmutzung durch Algen und Feinstaub», teilt Tim Riebli vom Tiefbauamt Thurgau mit. Aktuell würde der Kanton nur dort Reinigungseinsätze durchführen, wo diese zwingend notwendig sind.
Der Kanton führt derzeit keine regelmässigen Reinigungen durch
Der reguläre Reinigungsturnus wurde laut ihm bereits seit Juni eingestellt. Allerdings kann es durch externe Einflüsse zu unnatürlichen Farbverschmutzungen kommen. Diese würden dann aus betrieblichen wie auch aus sicherheitsrelevanten Gründen entfernt. Das Wasser dafür führen die Behörden selbst mit. «Wir benötigen jedoch nur geringe Mengen an Wasser», stellt Riebli klar. Wasser aus Oberflächengewässern nutzt der Kanton für seine Reinigungsarbeiten generell nicht.
Schon seit Mitte Juli gelten in einigen Kantonen und Gemeinden strenge Wassersparmassnahmen – auch in Privathaushalten. Diese sind laut der Hydrologin Manuela Brunner von der ETH wichtig, jedoch langfristig kaum ausreichend. Auch sie ist sich nicht sicher, ob der Bund, die Kantone und die Gemeinden ohne eine flächendeckende Regelung dazu fähig sind, die Prioritäten richtig zu setzen.
Auch Umweltminister Albert Rösti (58) macht sich Gedanken um die Verteilung des knappen Wassers. Er findet es jedoch sinnvoll, dass die Kantone und Gemeinden selbst dafür zuständig sind. Dies, da die Situationen vor Ort sehr unterschiedlich seien. Die grösste Priorität hat laut ihm in der Praxis immer der tägliche Trinkwasserbedarf der Bevölkerung.