Darum gehts
- Mann masturbiert öffentlich in Winterthurer Bahnhof, Frau schreit ihn an
- Rebekka Perez veröffentlichte Video des Vorfalls auf Tiktok
- 2025: 4521 Frauen Opfer sexualisierter Gewalt laut Bundesamt für Statistik
«Ich denke, er wollte erwischt werden. Was mich am meisten verstört hat, ist, dass er mich anlächelte», sagt Rebekka Perez zu Blick. Was sie am Sonntag erleben musste, macht ihr immer noch zu schaffen. Es war kurz nach halb eins, als sie auf dem Weg zu einer Freundin war. Und der führt durch die Bahnhofsunterführung in Winterthur.
Plötzlich hörte die St. Gallerin hinter sich ein Geräusch. Perez drehte sich um – und erstarrte: Ein Fremder stand da, masturbierte und grinste sie an. Ein Schock. «Ich konnte es fast nicht glauben.»
«Instinktiv habe ich das Handy hervorgezogen»
Sie schaute sich um. Sie war allein. Um sie herum waren keine Personen gewesen, die Hilfe leisten konnten. Perez zu Blick: «Instinktiv habe ich das Handy hervorgezogen und ihn angeschrien. Ich hatte schon Angst, dass er umkehrt.»
Sie vermutet, dass der Täter Macht ausüben wollte. Auf dem Tiktok-Video, das Perez veröffentlichte, ist zu hören, dass sie den Täter anschreit. Dieser ergreift daraufhin die Flucht. «Ich bin dann nach Hause und habe sicherlich bis vier Uhr morgens nicht geschlafen.»
Bist du von sexueller, häuslicher oder körperlicher Gewalt betroffen oder kennst eine betroffene Person? Hier findest du Unterstützung:
Opferhilfe Schweiz: Hilfe bei sexueller, psychischer oder physischer Gewalt.
Castagna: Anlaufstelle für sexuell ausgebeutete Kinder und Jugendliche und in der Kindheit ausgebeutete Frauen und Männer.
BIF Beratungsstelle für Frauen: Hilfe bei Gewalt in Ehe und Partnerschaft
Bist du von sexueller, häuslicher oder körperlicher Gewalt betroffen oder kennst eine betroffene Person? Hier findest du Unterstützung:
Opferhilfe Schweiz: Hilfe bei sexueller, psychischer oder physischer Gewalt.
Castagna: Anlaufstelle für sexuell ausgebeutete Kinder und Jugendliche und in der Kindheit ausgebeutete Frauen und Männer.
BIF Beratungsstelle für Frauen: Hilfe bei Gewalt in Ehe und Partnerschaft
«Alle kennen eine Frau, die einen Übergriff erlebt hat»
Noch immer muss sie an den Fremden und die Unterführung denken. «Obwohl ich keine verschupfte Person bin, hat mich der Vorfall verstört. Traurig war ich nicht, es waren Ekel und Wut.» Wütend ist Perez besonders auf die sexualisierte Gewalt, der Frauen auf der offenen Strasse begegnen. «Alle kennen eine Frau, die einen Übergriff erlebt hat, aber niemand kennt Täter. Es ist ein Misstrauen gegen Männer da. Wenn man die Statistiken anschaut, ist das Misstrauen berechtigt.»
Perez ist eine von 4521 Frauen, die 2025 Opfer von sexualisierter Gewalt geworden sind, wie die Zahlen vom Bundesamt für Statistik belegen. Im selben Zeitraum wurden 756 Männer als Opfer erfasst. Weltweit erlebt jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens körperliche und/oder sexuelle Gewalt, meist durch einen Intimpartner, wie die WHO berichtet.
Die Dunkelziffer der sexualisierten Gewalt
Auf Anfrage bei der Stadtpolizei Winterthur bestätigt Mediensprecherin Andrina Vögeli: «Seit Anfang des Jahres wurden der Stadtpolizei Winterthur Fälle im einstelligen Bereich von sexueller Belästigung / sexueller Nötigung gemeldet.» Auch wenn die Zahlen in Winterthur niedrig erscheinen, sind sie mit Vorsicht zu interpretieren: Erfasst wird nur, was zur Anzeige kommt.
Perez betont, dass sie eine Anzeige gegen unbekannt erstattet habe, damit ihr Fall auch in der Kriminalstatistik erfasst wird. Die Stadtpolizei bestätigt die Anzeige. Auch wenn Opfer von sexualisierter Gewalt befürchten, keinen Beitrag leisten zu können, oder von Scham betroffen sind, rät die Stadtpolizei Winterthur, dass betroffene in jedem Fall Anzeige erstatten sollten.
«Täter, die das machen, sollten sich schämen»
Ob der Täter erwischt wird, ist ungewiss. Er trug einen Kapuzenpullover, sodass Perez ihn nicht genau beschreiben kann. «Die Erfolgsaussichten hängen stark von der jeweiligen Ausgangslage ab. Liegen verwertbare Hinweise vor – etwa eine präzise Signalementangabe oder Bild- beziehungsweise Videoaufnahmen – erhöhen sich die Chancen, die Täterschaft zu ermitteln», erklärt die Polizei auf Anfrage.
Die St. Gallerin scheute sich nicht, laut zu werden. Doch jeder reagiere anders in einem solchen Moment. «Wenn man nicht konfrontativ reagieren kann, dann sollte man das auch nicht. Ich finde, man muss sich nicht schämen, wenn man einen sexuellen Übergriff erlebt. Die Täter, die das machen, sollten sich schämen.»