«Es wurden Nacktfotos von mir verschickt»
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Collien Fernandes:«Es wurden Nacktfotos von mir verschickt»

Nach Fall Collien Fernandes
«Männer glauben, sie können mit dir tun, was sie wollen»

Digital erniedrigt. Den kranken sexuellen Vorlieben des Partners ausgeliefert. Schauspielerin Collien Fernandes machte öffentlich, was ihr Ex-Mann Christian Ulmen ihr angetan haben soll. Ornela K. erlebte in der Schweiz Ähnliches – und weiss, wie sich Opfer fühlen.
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Schauspielerin Collien Fernandes (44) erhebt schwere Vorwürfe.
Foto: IMAGO/Panama Pictures

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ornela K. (26) und Collien Fernandes berichten über digitale Gewalt durch Ex-Partner
  • Ulmen soll Fernandes' Identität missbraucht haben; K.s Ex verbreitete intime Fotos
  • Kanton Zürich: K. findet Hilfe in Psychotherapie und beginnt vorsichtig neue Beziehung
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Nicolas LuratiReporter News

Ornela K.* (26) ist angewidert, als sie die Berichterstattung rund um Collien Fernandes (44) liest. Beide Frauen wurden mutmasslich Opfer von Männern, die ihnen sehr nahestanden. Bei K. ist es der Ex-Freund. Bei Fernandes Ex-Mann Christian Ulmen (50), mit dem sie ein Kind hat. Der gemeinsame Nenner: die Machtdemonstration eines Mannes, der seine Partnerin erniedrigt. «Es gibt tatsächlich viele Männer, die denken, sie hätten die Macht über ihre Partnerinnen – weil sie eben ihre Frauen oder Freundinnen sind», sagt K. am Freitagnachmittag am Telefon zu Blick. «Sie glauben, sie können mit ihnen tun, was sie wollen.»

Sie sei wütend gewesen, als sie die neusten Artikel über Fernandes und Ulmen las, sagt K. Blick hatte vor zwei Wochen über die schreckliche Geschichte der jungen Zürcherin berichtet: Ihr Ex-Freund verbreitete intimste Bilder von K., nachdem die beiden ihre Beziehung beendet hatten. Das Phänomen nennt sich «Revenge Porn» – auf Deutsch «Rache-Porno».

«Virtuell vergewaltigt»

Auch die Vorwürfe gegen Schauspieler Christian Ulmen wiegen schwer. Er soll die Identität von Fernandes geklaut haben und in sozialen Medien an andere Männer «erotische Bilder und Videos» geschickt haben. Gegenüber diesen Männern habe sich Ulmen als Fernandes ausgegeben. Dies berichtete zuerst der «Spiegel». Opfer Fernandes fasst es so zusammen: «Du tust so, als sei das hier eine ganz normale Trennung unter zwei Eheleuten. Das ist sie nicht, du hast mich virtuell vergewaltigt.» Für ihn gilt aktuell die Unschuldsvermutung.

Fernandes und Ornela K. gingen denselben Weg: den Schritt an die Öffentlichkeit. K. sagt am Freitag zu Blick: «Ich bin mit meiner Geschichte zum Blick gegangen und habe alles auf Instagram veröffentlicht. Das hat mir das Gefühl gegeben, die Macht zurückzuerlangen.» Sie habe nicht gewusst, was alles über sie im Netz kursiert. «Mit dem Schritt an die Öffentlichkeit zeigte ich, dass ich jetzt dran bin», sagt sie. «Ich ziehe mich jetzt selbst aus meiner Ohnmacht raus. Es half mir beim Verarbeiten.»

K. kann sich vorstellen, dass Collien Fernandes das gleiche Gefühl hatte, als sie an die Öffentlichkeit ging. «Ein Befreiungsschlag», sagt K. Vor diesem Schritt habe sie ein starkes Ohnmachtsgefühl empfunden. «Es ist so erniedrigend. Ich fühlte mich machtlos: Das System unterstützt mich nicht», sagt sie. «Ich denke, Collien Fernandes fühlte sich ähnlich. Ich finde es stark, dass sie das Ganze jetzt öffentlich macht.» 

Zuspruch von Männern

Nachdem sie ihre Leidensgeschichte publik gemacht hatte, habe sie viele negative Kommentare erhalten, sagt K. «Sie sagten, ich sei selbst schuld. Und hätte sowieso die Würde verloren, als ich solche Bilder machte.» Aber: «Ich habe auch Zuspruch erhalten. Wie Collien Fernandes, die jetzt Rückhalt kriegt und ermutigt wird.» Auch von Männern habe sie positive Nachrichten erhalten, sagt K. 

Das habe ihr geholfen, das erschütterte Männerbild wieder neu auszulegen. «Es gibt noch gute Typen auf dieser Welt.» Trotzdem begleite sie eine Frage, wenn sie jetzt als Opfer einem Mann begegnet: «Hat der auch so einen Totalschaden wie mein Ex?»

«Grauer Schleier»

So einschneidende Ereignisse könnten einen «grauen Schleier» über die ganze Beziehung legen, sagt K. «Du fragst dich bei jedem Moment, ob der echt war. Die Dates, die Ferien.» Fragen kreisen herum wie: «Machte er auch solche kranken Sachen, als ich neben ihm im Bett lag?»

Doch Ornela K. holt sich nach dem Schock schnell Hilfe. «Ich war und bin in Psychotherapie.» Sie rät Opfern von digitaler sexueller Gewalt: «Holt euch so schnell wie möglich Hilfe. So könnt ihr die langfristigen Auswirkungen – wie Traumas – minimieren.» Und sie empfiehlt Betroffenen, Leute mit viel Empathie um sich zu scharen. «Fokus auf wenige, die dich unterstützen können.» 

Neuen Mann kennegelernt

Und der Leidensgenossin Collien Fernandes wünscht K. Mut und Stärke. «Sie soll weiter für sich einstehen.» Dass sie selbst für sich eingestanden sei, habe sie wieder stabiler gemacht, sagt K. Und: «Seit der Blick-Artikel draussen ist, geht es bei mir noch mehr bergauf.» 

Ornela K. ist so stabil, dass sie einen neuen Mann kennenlernte, wie sie Blick verrät. Aber: «Ich lasse es sehr langsam angehen. Er weiss über alles Bescheid. Wir kommunizieren klar. Er ist sehr verständnisvoll.» 

* Name geändert 

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