Behörden verzichten auf Untersuchung gegen Ex – Revenge-Porn-Opfer:
«Ich habe ihm vertraut und er hat es schamlos ausgenutzt.»

Die Zürcherin Ornela K. (26) hat mit ihrem Freund intimste Aufnahmen geteilt. Nachdem Schluss war, verbreitete er diese. Dieses Phänomen ist als Revenge-Porn bekannt. Die junge Frau hoffte auf die Hilfe von Ermittlungsbehörden – doch denen sind die Hände gebunden.
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Ornela K.* (26) aus Zürich hat nichts von ihren Intim-Aufnahmen im Internet gewusst – bis ihr zwei Frauen schrieben.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ex von Ornela K. aus Zürich teilt intime Aufnahmen ohne Einwilligung
  • Strafverfolgung scheitert, es folgt eine Nichtanhandnahme-Verfügung
  • Ex zahlte Geld, um zu verhindern, dass sie von seinen Aktivitäten erfährt
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Für Ornela K.* (26) bricht vor rund drei Monaten eine Welt zusammen. Über Social Media erfährt die Zürcherin, dass ihr Ex nach der Trennung intimste Aufnahmen von ihr mit anderen übers Internet geteilt hatte.

Zu Blick sagt Ornela K.: «Ich habe ihm vertraut und er hat es schamlos ausgenutzt.» Krass: Inzwischen ist klar, dass ihr Ex dafür nicht einmal rechtlich belangt wird.

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Ornela K.* (26) aus Zürich hat nichts von ihren Intim-Aufnahmen im Internet gewusst – bis ihr zwei Frauen schrieben.
Foto: Philippe Rossier

Der Erpressungs-Fetisch

Das Drama beginnt, wie so oft, mit einer Beziehung. Von August 2020 bis November 2022 ist das Paar zusammen. Verliebt schickt Ornela K. ihrem damaligen Freund intime Aufnahmen: Bilder in schwarzen Dessous und Stiefeln, vor dem Spiegel fotografiert – von hinten, mit gespreizten Beinen. Oder Videos beim Twerken, also beim anzüglichen Tanzen.

Was Ornela K. nicht weiss: Ihr Ex bewahrt die Aufnahmen auf – und soll sie nach der Trennung an bis zu 15 fremde Frauen im Internet geschickt haben.

Umgangssprachlich nennt sich das Rache-Porno, auf Englisch Revenge-Porn. Juristisch heisst das: unbefugtes Weiterleiten nichtöffentlicher sexueller Inhalte. Das entsprechende Gesetz ist seit 1. Juli 2024 in Kraft. Das Motiv dahinter gemäss der Plattform Justis: «Rache, Kränkung oder Nötigung nach einer Trennung oder einem Streit, aber auch andere Beweggründe sind möglich.»

Im Fall von Ornela K. war wohl nicht nur Rache das Motiv, sondern ein ganz spezieller Fetisch: Erpressungsspiel oder auf Englisch Blackmail Play. Dabei geht es um die sexuelle Fantasie, unter Druck gesetzt zu werden – etwa mit angedrohter «Enthüllung» eines Geheimnisses.

Erst folgten «Dick Pics»

Am 24. November 2025 entdeckt Ornela K. in ihrem Instagram-Spamordner ältere Nachrichten von zwei fremden Frauen – und ist erschüttert.

«Sie schrieben mir, dass sie intime Aufnahmen von mir hätten, die mein Ex ihnen geschickt hat – zusammen mit Geld», sagt Ornela K. Die Chatverläufe liegen Blick vor.

Ornela K. schreibt mit einer der beiden fremden Frauen ausführlicher. Gemäss der Unbekannten hat der Ex von K. ihr zunächst eigene Nacktbilder geschickt – darunter sogenannte Dick Pics, also Bilder seines Geschlechtsteils. Er soll die Fremde gebeten haben, ihn damit zu erpressen. Danach soll er ihr Geld geschickt haben.

Doch irgendwann kamen die Fotos von Ornela K. ins Spiel: Am 5. Mai 2024 schickt er intime Aufnahmen seiner Ex-Freundin an die Fremde – mit der Bitte, ihn auch damit zu erpressen und die Bilder auf Instagram zu veröffentlichen. So sollen so viele Leute wie möglich die Aufnahmen sehen.

Verweigerte Aussage

Doch für die Frau ist das ein No-Go. Sie beginnt, nach Ornela K. zu suchen, um sie über die Aktion ihres Ex zu informieren. Dieser will das offenbar verhindern – laut der Fremden bietet er ihr 2000 Franken an.

Die Unbekannte erklärt Ornela K. zudem, der Ex habe wohl mehrere Frauen für ähnliche Dienste bezahlt. Die Fremde schreibt: «Ich habe einmal seinen PayPal-Account gesehen – dort waren sicher 15 Frauen, denen er Geld geschickt hat.»

Als Ornela K. vom Wirken ihres Ex erfährt, zeigt sie ihn noch gleichentags an. Erste Ermittlungen laufen an, Mitte Dezember 2025 wird er verhört. Er verweigert jedoch die Aussage und lässt über seine Anwältin der Staatsanwaltschaft ausrichten, er werde die Bilder löschen. Gegenüber Blick wollte sich die Anwältin nicht äussern.

Die Gesetzeslücke

Im Januar 2026 dann der nächste Schock für Ornela K.: Die Zürcher Staatsanwaltschaft erlässt eine Nichtanhandnahmeverfügung. Der Grund: Der Ex hatte die Bilder Anfang Mai 2024 verschickt. Das entsprechende Gesetz trat jedoch erst zwei Monate später in Kraft.

Ornela K. sagt: «Ich habe die Welt nicht mehr verstanden. Ich fühlte mich machtlos, schutzlos – und vom System betrogen.» Auf eine Beschwerde verzichtet sie, weil ein Anwalt die Erfolgschancen als sehr gering eingeschätzt hatte. Was sie nicht versteht: «Warum wurde sein Handy nicht eingezogen, um zu überprüfen, ob er meine Fotos auch nach dem 1. Juli an andere Frauen verschickt hat?»

Kein hinreichender Tatverdacht

Auf Blick-Anfrage erklärt Erich Wenzinger, Sprecher der Oberstaatsanwaltschaft Zürich auf diese Kritik hin: «Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft gab es keinen hinreichenden Tatverdacht auf ein weiteres Verschicken von Bildern nach dem 1. Juli 2024.» Und: «Eine Durchsuchung eines Mobiltelefons ist mit erheblichem Aufwand verbunden.» Deshalb werde auch die Verhältnismässigkeit jeweils überprüft.

Der Fall hat bei Ornela K. Spuren hinterlassen. «Mein Ex lebt ebenfalls in Zürich. Ich habe ständig Angst, ihm zu begegnen», sagt sie. «Seit Wochen leide ich unter Angstzuständen, schlafe kaum. Ich wache mit Herzrasen auf und habe das Gefühl, meine Gefühle nicht mehr kontrollieren zu können.» Inzwischen ist sie deshalb in Therapie.

Trotz allem hofft Ornela K., dass ihre Geschichte etwas bewirkt. «Ich wünsche mir, dass mehr Menschen begreifen, was Racheporno mit Opfern macht – es zerstört Leben!» Sie selbst werde nie wieder einem Partner solch intime Aufnahmen schicken.

* Name geändert 

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