Darum gehts
Der schreckliche Fall um Tobias F.* (33), der in Kitas in Winterthur ZH und im Kanton Bern mindestens 15 Kinder missbraucht haben soll, hat schweizweit hohe Wellen geschlagen. Auch in der Kita-Branche ist das Thema allgegenwärtig. Dort sind für die Betreuung der Kinder aber immer noch vorwiegend Frauen angestellt. Mit ein Grund dafür: die Vorurteile gegenüber männlichen Kita-Betreuern.
Vom Fall rund um den beschuldigten Kita-Betreuer Tobias F. hat auch Justin L.** (21) gehört. Er arbeitet in einer Aargauer Kita als Betreuer und sagt: «Dies ist natürlich generell schlecht für das Ansehen der Kitas. Eltern überlegen sich jetzt vielleicht zweimal, ihr Kind anzumelden.» Doch L. betont auch: «Es braucht unseren Beruf. Als Unterstützung für ganz viele Eltern, die auf uns angewiesen sind.»
Darum steht grundsätzlich der Beruf auch Männern offen. «Wenn man die entsprechende Ausbildung dazu hat», sagt Justin L. im Gespräch mit Blick. Er hat schon als Zwölfjähriger gewusst, «dass ich gerne mal mit Kindern arbeiten und auch mal eine Kita-Gruppe leiten möchte», erzählt er mit Einverständnis seines Arbeitgebers.
Dreijährige Lehre
Der Grund für seine Berufswahl sieht L. nicht nur darin, dass er mit vielen Geschwistern aufgewachsen ist, sondern: «Ich war schon als Kind in verschiedenen Vereinen und Gruppen und habe mich dort teils als Leiter weiterentwickelt.» Da habe er gewusst, dass er dies später auch beruflich machen möchte. «Man muss es aber auch wirklich wollen», ergänzt er.
Gesagt, getan. Justin L. macht nach der Schule die dreijährige Lehre als Fachperson Betreuung, mit Schwerpunkt Kind – und schliesst sie erfolgreich ab. «Diese Lehre braucht man, um Kinder professionell betreuen zu können», sagt er. Es gäbe auch sogenannte Miterzieher in Kitas, aber auch die müssten eine abgeschlossene Lehre oder eine Weiterbildung haben, «die spezifisch auf Kinder ausgerichtet ist».
L. arbeitet jetzt dann schon zwei Jahre lang als Ausgelernter – also insgesamt fünf Jahre mit Kindern zusammen. Der Alltag könne manchmal anstrengend werden, aber: «Dieser Job ist immer etwas Schönes.» Man sei mit Kindern zusammen, sehe ihre Entwicklung, wie sie wachsen würden, von klein auf bis zur Schule. «Man erlebt mit, wie sie gross werden, und das ist megaschön.»
Natürlich gebe es einen sogenannten Betreuungsschlüssel. Dieser sei nicht bei allen Angestellten gleich. «Ein Ausgelernter etwa darf vier bis fünf Kinder betreuen.» Er selber, so L., habe noch nie Vorurteile von Eltern festgestellt, nur weil er ein Mann sei. «Ich habe das jedoch schon von anderen Kitas gehört. Bei uns aber noch nie.»
Männer auf dem Vormarsch
Der 21-Jährige bestätigt, dass immer noch deutlich mehr Frauen in der Kinderbetreuung arbeiten würden, aber: «Es gibt immer mehr Männer, die diesen Job ausüben, und das ist schön. Es braucht mehr Männer in diesem Beruf!»
Einige Kitas würden zum Schutz der Kinder von künftigen Angestellten auch einen Strafregisterauszug verlangen, was er gut finde. Ganz wichtig sei, dass man ein Schutzkonzept habe. «Die Hygiene muss eingehalten werden, und es muss pädagogisch gearbeitet werden.» L. sagt: «Eine Kita muss für Kinder sicher sein.»
* Name geändert
** Name bekannt