Darum gehts
- Verheerende Brandkatastrophe in Bar Le Constellation forderte 40 Todesopfer
- Bar-Betreiberpaar Jacques und Jessica Moretti befragt, Jacques Moretti kam in Polizeigewahrsam
- Feuer wurde durch Wunderkerzen an Champagnerflaschen ausgelöst
Opferanwältin: «Ich hoffe, dass Herr Moretti an die Opfer denkt»
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
Jessica Moretti erschien am Mittwochmorgen zur Anhörung bei der Staatsanwaltschaft in Sion. Ebenfalls auf dem Weg dorthin war die Opferanwältin Laurence Casays, die sich kurz den Journalisten stellte. Auf die Frage nach Morettis Verhalten erklärte Casays: «Er war ziemlich klar in seinen Antworten, ich glaube auch bewegt, angesichts des Ausmasses der Tragödie.»
Die Anhörung dauerte rund neun Stunden – ein regelrechter «Marathon», so Casays, der aber notwendig sei: «Die Gerechtigkeit verlangt, dass wir uns Zeit nehmen, um alle Fragen zu beantworten. Ich glaube, die Opfer haben das verdient.»
Auf die Frage, ob Moretti sich in die Opfer hineinversetzen könne, sagte sie vorsichtig: «Ich hoffe, dass Herr Moretti an die Opfer denkt, und ich glaube, dass dies der Fall ist.» Casays vertritt insgesamt drei Opfer.
Moretti: «Ich trage keine Schuld, es ist nicht meine Verantwortung»
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
Jacques Moretti weist nach dem Brand in seiner Bar Le Constellation jede Schuld von sich. «Ich trage keine Schuld, es ist nicht meine Verantwortung. Ich habe alles Notwendige in Bezug auf die Sicherheit getan», sagte er nach fast zehn Stunden Verhör, wie der «Corriere della Sera» unter Berufung auf Informationen von Opferanwälten berichtet. Versäumnisse sieht er bei anderen: «Ich hätte mir das nicht vorstellen können … alle durchgeführten Kontrollen verliefen einwandfrei», erklärte Moretti mit Blick auf die Gemeinde.
Riskante Showeinlagen ordnet er seinen Angestellten zu: «Das haben die Angestellten gemacht, es war nicht meine Initiative, aber ich habe es auch nie verboten.» Auch blockierte oder verschlossene Türen führt er auf Dritte zurück. Für Kritik sorgt zudem seine Aussage: «Auch wir sind Opfer dessen, was passiert ist», relativierte jedoch, man sei «nicht Opfer auf demselben Niveau wie die Toten und Verwundeten».
Parallel prüfen die Richter die finanzielle Lage der Morettis: Auf dem UBS-Konto lagen am 31. Dezember lediglich 493 Franken, zugleich lasten Hypotheken von über 1,34 Millionen Franken auf dem Haus. Morettis Frau Jessica beantragte eine Freilassung gegen Kaution von 200'000 Franken. Wie die italienische Zeitung schreibt, soll der Betrag bereits hinterlegt worden sein. Eine Entscheidung könnte noch heute fallen.
Über die finanzielle Situation der Morettis wurden in den letzten drei Wochen immer mehr Details bekannt. Meine Kollegen Dorothea Vollenweider und Beat Michel haben sich das zwielichtige Imperium aus Immobilien und Restaurants in diesem Artikel genauer angeschaut.
Zahlreiche Verstösse im Le Constellation waren bekannt
Von Alexander Terwey, Stv. Teamlead Newsdesk
Immer neue Details sickern zum verheerenden Brand in der Bar Le Constellation in Crans Montana durch. Wie RTS unter Berufung auf entsprechende Dokumente berichtet, waren die Behörden seit 2018 über Verstösse von Geschäftsführer Jacques Moretti in der Bar informiert. Das Le Constellation wurde 2016, 2018 und 2019 jeweils einmal kontrolliert. 2016 wurde lediglich die Veranda kontrolliert – damals durch die Gemeinde Chermignon.
Im Januar 2018 forderte der Sicherheitsbeauftragte der Gemeinde Crans-Montana Moretti auf, die maximale Besucherzahl pro Etage auf 100 Personen zu begrenzen. Ausserdem gab der Sicherheitsbeauftragte ihm drei Monate Zeit, um anzugeben, wo sich die Feuerlöscher befinden. Evakuierungspläne fehlten den Angaben zufolge damals. Auch war das Personal nicht entsprechend geschult worden.
Im Mai 2019, bei der letzten Kontrolle, stellte der Sicherheitsbeauftragte alle Forderungen erneut. Moretti hatte den Dokumenten zufolge alle Forderungen zu diesem Zeitpunkt nicht erfüllt. Erneut wurden ihm drei Monate Zeit gegeben, den Forderungen nachzukommen.
Seit 2019 wurde die Bar nicht mehr kontrolliert.
Auch der im Le Constellation verwendete Schaumstoff steht im Fokus. Mein Kollege Sandro Zulian schrieb Anfang Januar, dass nicht nur die Decke der Bar mit dem Schaumstoff eingedeckt war, sondern dieser sich wohl auch in den Wänden befand. Seinen Artikel liest du hier.
CT-Scan und Forensik klären Todesursache
Von Mattia Jutzeler, Redaktor am Newsdesk
Der 16-jährige Emanuele G. war das erste identifizierte Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana. Lange war unklar, wie der italienische Golfspieler genau ums Leben kam. Eine Autopsie der Leiche liefert nun Klarheit.
Wie «La Repubblica» berichtet, starb Emanuele an einer Rauchgasvergiftung., nachdem er in der Inferno-Bar zu viele giftige Dämpfe eingeatmet hat. Ein CT-Scan ergab bereits, dass der 16-Jährige nicht von einer Menschenmenge in der Bar Le Constellation erdrückt wurde. Dies wurde im Vorfeld von seinen Angehörigen befürchtet.
An Emanueles Leiche wurden nach der Katastrophe keine Brandverletzungen gefunden. Seine Eltern wussten nicht einmal, ob ihr Sohn innerhalb oder ausserhalb von Le Constellation gefunden wurde. Jetzt sollen weitere Tests ergeben, welche giftigen Gase in kurzer Zeit so tödlich für Emanuele waren.
Wollten die Morettis mit einem Privat-Jet flüchten?
Von Angela Rosser, Redaktorin am Newsdesk
Die Lage rund um die tödliche Brandkatastrophe in Crans Montana und das darin verwickelte Ehepaar Moretti bleibt undurchsichtig. Nun ist ein brisanter Bericht aufgetaucht.
Wie «Bild» berichtet, könnten die Morettis nach der Brandkatastrophe durchaus vorgehabt haben, zu fliehen. Das soll ein Schreiben nahelegen, das der Zeitung vorliegt.
Das Schreiben an die Staatsanwaltschaft soll von Nebenklage-Anwältin Nina Fournier stammen und auf den 12. Januar datiert sein. Das deutsche Medium zitiert aus dem Schreiben: «Im Zusammenhang mit der Fluchtgefahr, die als Grund für die Inhaftierung von Jacques Moretti angeführt wurde, haben wir erfahren, dass einer der Eheleute Moretti möglicherweise ein privates Luftfahrtunternehmen kontaktiert hat, um die Flucht vorzubereiten.» Wollten die Morettis also einen Privat-Jet chartern, um aus der Schweiz zu flüchten?
Fournier soll die leitende Staatsanwältin in dem Schreiben weiter bitten, entsprechende Ermittlungen einzuleiten. Diese sollen klären, ob und mit welchen Fluglinien und Anbietern in Sitten oder Genf das Ehepaar möglicherweise Kontakt hatte.
Dass dies ausgerechnet heute publik wird, mag Zufall sein. Fakt ist aber: Seit heute Morgen befindet sich Jacques Moretti zu einer zweiten Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft. Unter anderem soll geklärt werden, ob er weiter in U-Haft bleiben muss, oder auf Kaution frei kommt.
Diese Möglichkeit besteht tatsächlich – ein Vertrauter des Paares soll bereit sein, 200'000 Franken Kaution für den Inferno-Wirt zu hinterlegen. Strafrechtler André Kuhn hat meinem Kollegen Johannes Hillig erklärt, unter welchen Voraussetzungen Moretti sich aus der U-Haft freikaufen könnte. Den Artikel findest du hier.
Moretti-Anwälte sprechen von enger Bindung zu Kellnerin Cyane
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Ihre Geschichte ist um die Welt gegangen: die Kellnerin mit Helm aus der Inferno-Bar in Crans-Montana VS. Die junge, lebenslustige Kellnerin Cyane Panine (†24) starb in der Brandnacht. Nichts ahnend kam sie mit dem Feuerwerk nahe an die mit brennbarer Schallisolation versehene Decke, die plötzlich Feuer fängt.
Die 24-Jährige wurde von Jessica Moretti als «enge Freundin» der Familie beschrieben. Eine Aussage, die sowohl von Panines Eltern als auch von ihren Freunden bestritten wurde.
Im Interview der Moretti-Anwälte, das am Sonntagabend in mehreren Medien ausgestrahlt wurde, behaupten diese, die 24-Jährige habe Chefin Moretti zu Weihnachten eine Postkarte geschrieben. In dieser soll Panine die Barbetreiberin als «Tante Jessica» bezeichnet haben. «Tante Jessica, danke nochmals. Ihr seid wie eine zweite Familie», soll in der Nachricht gestanden haben.
Die Beziehung zwischen dem Betreiber-Paar und ihrer Angestellten hat vor allem für Schlagzeilen gesorgt, weil die junge Frau offenbar unter grossem Druck gestanden haben soll.
Aufgrund der Arbeitsbelastung sei bereits ein Arbeitsgericht eingeschaltet worden. Die wichtigsten Aussagen von Cyanes Familie kannst du hier nachlesen.
In der Brandnacht soll Moretti der jungen Frau zudem den Auftrag gegeben haben, den Helm anzuziehen und 16 Champagnerflaschen schnell zu servieren. Die Familie betonte, Cyane habe stets den Anweisungen ihrer Chefin gefolgt.
Morettis müssen erneut zum Verhör
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Erst jetzt? Die Inferno-Betreiber Jacques (49) und Jessica Moretti (40) müssen in den nächsten Tagen zum zweiten Mal zur Aussage bei der Staatsanwaltschaft antraben, wie «Le Figaro» berichtet. Während es in der ersten Befragung am 9. Januar vor allem um die Persönlichkeitsmerkmale der Moretti gegangen sein soll, stünden diese Woche die Ereignisse in der Brandnacht im Vordergrund.
Jacques Moretti hat seinen Termin am Dienstag um 8.30 Uhr in Sion. Seine Frau Jessica wird tags darauf am Mittwoch zur gleichen Zeit befragt.
Gegen beide wird wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung ermittelt.
Am Sonntagabend gaben die drei Anwälte der Morettis mehreren TV-Sendern ein ausführliches Interview. Die wichtigsten Aussagen findest du hier.
«Nächste Woche sind zwei Anhörungen für Dienstag und Mittwoch angesetzt, obwohl uns die Staatsanwaltschaft vor einigen Tagen mitgeteilt hat, dass es für eine gewisse Zeit keine weiteren Anhörungen geben würde, damit die Polizei bestimmte Ermittlungen durchführen kann», verriet Anwalt Nicola Meier. Die genauen Hintergründe der Befragungen seien deshalb unklar.
Während Jacques Moretti nach der ersten Befragung am 9. Januar in Untersuchungshaft genommen wurde, ist seine Frau Jessica weiterhin auf freiem Fuss – dies jedoch unter Auflagen. Die Ermittlungen laufen weiter.
So steht es um die Verletzten
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Sie kämpfen jeden Tag ums Überleben, leiden unter unvorstellbaren Schmerzen und geben nicht auf: Zweieinhalb Wochen nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana liegen immer noch 28 Opfer in Schweizer Spitälern. 38 Verletzte werden im Ausland behandelt, 15 davon sind Schweizer Staatsangehörige.
Wie mehrere Schweizer Spitäler der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Montag bestätigten, ist die Zahl der Patientinnen und Patienten in den vergangenen Tagen zurückgegangen.
Im Walliser Spitalverbund werden derzeit noch vier Personen behandelt. Alle befinden sich ausser Lebensgefahr. Anfang der Vorwoche waren es noch zehn gewesen. Die Betroffenen erhalten weiterhin tägliche Pflege in der rekonstruktiven Chirurgie, etwa durch Hauttransplantationen und Verbandswechsel, und werden psychologisch begleitet.
Am Universitätsspital Lausanne bleibt die Zahl der Verletzten unverändert: Neun Verletzte Opfer sind dort weiterhin in stationärer Behandlung.
In der Deutschschweiz betreut das Universitätsspital Zürich noch sechs Verletzte. Sie befinden sich laut Spital weiterhin in einer kritischen Behandlungsphase. Fünf weitere junge Opfer werden am Kinderspital Zürich behandelt, deren Zustand gilt ebenfalls als kritisch. Zudem werden im Universitätsspital St. Gallen zwei Verletzte versorgt.
Die Brandverletzten haben einen weiten Weg vor sich. Mein Kollege Mattia Jutzeler hat in diesem Artikel erklärt, worauf Psychologen bei der Behandlung der Verletzten besonders achten.
Jacques Moretti war seit zwei Jahren nicht mehr Geschäftsführer von Le Constellation
Von Mattia Jutzeler, Redaktor Newsdesk
Jacques Moretti sitzt aktuell immer noch in Untersuchungshaft. In der Öffentlichkeit gilt er als Betreiber der Inferno-Bar Le Constellation als mitverantwortlich für die Brandkatastrophe vom 1. Januar. Dass Moretti überdies bereits mehrfach vorbestraft ist, vertieft diesen Eindruck weiter.
Jetzt hat die französische Zeitung «Le Figaro» allerdings eine interessante Entdeckung gemacht. Im Handelsregister des Kanton Wallis ist Jacques Moretti seit 2024 nicht mehr als Geschäftsführer von Le Constellation eingetragen. Stattdessen wird seine Ehefrau Jessica Moretti seit Februar 2024 als alleinige Geschäftsführerin der Bar in den Unterlagen geführt. Jacques Moretti ist lediglich als Gesellschafter von Le Constellation eingetragen. Bei der Vernehmung durch die Polizei nach der Brandkatastrophe hatten beide angegeben, Geschäftsführer der Inferno-Bar zu sein.
Aus strafrechtlicher Sicht spiele dieser Statusunterschied keine grosse Rolle, schreibt «Le Figaro». Zivilrechtlich gesehen könnte Jessica Moretti aber infolge der Änderung eine grössere Verantwortung tragen als ihr Ehemann. Laut Gesetz haften nämlich nur Geschäftsführer für Schäden, die durch eine vorsätzliche oder fahrlässige Verletzung ihrer Pflichten verursacht werden.
Im Gegensatz zu ihrem Ehemann bleibt Jessica Moretti bis jetzt in Freiheit. Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Wallis hat für sie jedoch strenge Ersatzmassnahmen angeordnet. So muss sie sich täglich bei der Polizeistelle melden und darf die Schweiz nicht verlassen. Auch ihren Ausweis musste sie den Behörden abgeben. Mein Kollege Johannes Hillig hat analysiert, ob auch ihr Ehemann bald wieder freikommen könnte.
Anwälte der Morettis: «Emotionen lassen sich nicht durch Verleumdung auflösen»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Nach der Tragödie in der Constellation Bar in Crans-Montana, wo am Silvesterabend ein Feuer 40 Menschen das Leben kostete, stehen die Betreiber Jacques und Jessica Moretti unter starkem Druck von Angehörigen der Opfer. Ihre Anwälte äusserten sich erstmals öffentlich und erklärten, dass auch die Morettis «unter dem Schmerz» litten.
Im Interview mit RTS verurteilten die Anwälte die öffentliche Behandlung ihrer Mandanten. «Emotionen lassen sich nicht durch Verleumdung auflösen.» Die Anwältin von Jessica Moretti zeigte Verständnis für die «anfängliche Rachsucht», hofft jedoch, dass «diese sich allmählich legen wird, sodass die Emotionen der Vernunft weichen und die Ermittlungen stattfinden können.»
«Jetzt ist die Zeit für Geisselung, genaue Prüfung und das Aufzeigen von Fehlern, aber irgendwann muss die Wahrheit ans Licht kommen.» Patrick Michod, Anwalt von Jacques Moretti, erklärte: «In einer so heiklen und komplexen Untersuchung kann man den Fall nicht in der Öffentlichkeit austragen.» Es seien viele falsche Dinge behauptet worden.
Die gesamten Aussagen der Moretti-Anwälte und was sie zu Notausgang, den Immobilien und der Rolle von Jessica Moretti in der Brandnacht sagen, liest du hier.