Darum gehts
- Linus Fry (71) aus Disentis GR wurde von Herdenschutzhunden angegriffen
- Seine Labradorhündin Mia blieb nach Bissen durch Hunde glücklicherweise unverletzt
- Vier Hunde griffen ihn und Mia an, obwohl sie fern der Herde waren
Linus Fry (71) aus Disentis GR ist ein passionierter Berggänger. Fast täglich ist er auf Wanderwegen unterwegs. Immer an seiner Seite ist Labradorhündin Mia (4). Der Angriff von Herdenschutzhunden auf zwei Wanderer im Val Sumvigt GR vom vergangenen Montag bewegt ihn. Fry meldet sich bei Blick. «Die Verhaltenstipps bringen nichts. Die Situation mit Herdenschutzhunden wird immer schlimmer», sagt der pensionierte Versicherungsexperte.
Und berichtet von einem bedrohlichen Vorfall. «Wir waren zu viert auf dem Weg zur Medelserhütte vom SAC», führt er aus. 400 Meter vom Weg entfernt habe eine Schafherde geweidet. «Plötzlich sind zwei Herdenschutzhunde auf uns losgestürmt, obwohl wir weit weg waren von den Schafen und sie nicht gestört haben.» Die Hunde sollen die Wandergruppe bedrohlich angeknurrt und laut gebellt haben. Fry habe mit ihnen gesprochen, habe sie zu beruhigen versucht. «Dann sind sie abgezottelt.»
Deutscher Hirte droht den Wanderern
Ausgestanden ist die Situation aber noch lange nicht. «Weiter oben kommt uns ein deutscher Hirte entgegen», erinnert sich Fry. Er habe gefragt, was da los ist. «Und staucht uns laut zusammen. Wir sollen verschwinden. Am besten umdrehen.» Dann soll er den Wanderern gedroht haben: «Ich habe noch zwei junge Hunde. Die sind aggressiv!»
In der Hütte trinkt die Gruppe etwas. Das schöne Panorama geniessen können die Berggänger aber nicht. Die Angst bleibt, denn die vier Wanderer müssen auf dem Rückweg noch einmal an der Schafherde vorbei. Und tatsächlich: Es gibt erneut Probleme. «Alle vier Hunde stürmen auf uns zu, die zwei Jungen voraus», erzählt Fry. Sie greifen auch Labradorhündin Mia an. Und beissen sie. «Sie hat laut gejault», erinnert sich Fry. «Da hab ich im Kopf auf Angriff umgeschaltet. Das war Instinkt, Adrenalin pur.»
Er sei sonst ein ruhiger, besonnener Mann. «Aber ich musste Mia beschützen, habe drum den Kampf angenommen!» Er packt Steine aus einem nahen Bach. Und schmeisst sie gegen die vier Hunde. Er tritt mit den Füssen gegen die Tiere. Und schlägt auf sie ein. «Damit haben sie wohl nicht gerechnet», sagt Fry. Die Tiere ziehen sich zurück. Sofort untersucht Fry Mia. Sie übersteht den Angriff unverletzt.
«Hunde sind das Problem, nicht der Wolf»
Bei der Polizei oder beim Älpler meldet er den Vorfall nicht. «Das bringt nichts», ist Fry überzeugt. Für Fry ist klar: «Die Lage für Wanderer wird immer komplizierter.» Vor einer Tour müsse man sich immer überlegen, wo allenfalls Hunde anzutreffen seien. «Sie sind unberechenbar. Nicht der Wolf ist eine Bedrohung – sondern die Herdenschutzhunde!», sagt Fry.