Darum gehts
- Wolf greift Kind in niederländischem Naturpark an, Junge ins Spital gebracht
- Behörden warnen vor Problemwolf, empfehlen Vorsicht im Waldgebiet
- Sechsjähriger erlitt Bisswunden an Achsel, Brust, Rücken und Gesicht
Schock in den Niederlanden: Ein Wolf hat in einem grossen Naturpark nahe der Stadt Utrecht vermutlich ein spielendes Kind angegriffen und in einen Wald geschleift. Der sechsjährige Bub musste mit Bisswunden ins Spital gebracht werden. «Alle Beteiligten gehen davon aus, dass es sich um einen Wolf handelt, und wir handeln entsprechend», sagte der Sprecher der Provinz Utrecht, Cor van der Leemputten, gegenüber Medien.
Die Provinz rief Eltern auf, die Wälder dort mit Kindern zu meiden. Ein Problemwolf hat in dem Gebiet bereits mehrfach Menschen angegriffen und soll mit behördlicher Genehmigung abgeschossen werden. Die Provinz erliess für die Wälder im Naturgebiet Utrechtse Heuvelrug ein nächtliches Betretungsverbot. Auch tagsüber wird angeraten, lieber in Gruppen im Gebiet unterwegs zu sein und sich nicht abseits der Wege aufzuhalten.
«Seien Sie wachsam und passen Sie auf!»
«Seien Sie besonders wachsam, wenn Sie im Wald joggen, reiten oder Mountainbike fahren; diese Aktivitäten können den Verfolgungstrieb des Wolfes auslösen», wird gewarnt. «Seien Sie wachsam und passen Sie auf!» Auch das Landgut Den Treek Henschoten, wo es zu dem Angriff kam, rät Besuchern zu höchster Vorsicht, solange der Problemwolf nicht getötet sei.
Nach der ersten Warnung diese Woche wurde diese am Samstag sogar noch verschärft. «Halten Sie sich von allen Ländereien sowie Wald- und Naturschutzgebieten auf dem Utrechtse Heuvelrug zwischen der A12 und der A28 fern», hiess es. Für den Wolf liegt seit Kurzem eine Abschussgenehmigung vor.
Die Warnung an die Bevölkerung erfolge nach Beratungen niederländischer Fachleute mit internationalen Wolfsexperten, erläuterte die Provinz. Solange sich der Problemwolf auf dem Utrechtse Heuvelrug befinde, sei es nach Ansicht der Experten für Ausflügler unsicher, sich in den Wäldern und Naturschutzgebieten aufzuhalten. «Das Verhalten des Wolfes ist anormal und beunruhigend. Wir wollen gemeinsam verhindern, dass sich ein solcher Vorfall oder Schlimmeres wiederholt.»
Wie der Vater des angegriffenen Jungen dem Sender RTL sagte, hätten seine drei und sechs Jahre alten Söhne im Bereich der Pyramide von Austerlitz, einem rege besuchten Wahrzeichen, gespielt, als ein hundeähnliches Tier angelaufen kam. Er habe zunächst gedacht, dass es sich um den Hund eines in der Nähe sitzenden Mannes handelte, der spielen wollte.
Wolf springt von Bank aus auf den Jungen
Dann aber sei das Tier auf eine Bank gesprungen und habe sich von dort aus auf den Sechsjährigen gestürzt, ihn an der Achselhöhle gepackt und ins Gebüsch gezerrt. Umstehende hätten mit Stöcken auf den Wolf geschlagen. «Der zögerte wegzulaufen, gab aber schliesslich auf. Es brauchte wirklich physische Kraft, um den Wolf zu vertreiben.» Im Spital habe sich gezeigt, dass die Verletzungen schlimmer gewesen seien als gedacht. Neben der Bisswunde an der Achsel, die genäht wurde, sei das Kind an Brust, Rücken und am Gesicht verletzt worden.
Vor Wölfen im Naturgebiet wird seit Längerem gewarnt. Vor gut einer Woche wies ein Richter einen Einspruch gegen die Erlaubnis zum Abschuss des Problemwolfs, der Bram genannt wird, ab. Im vergangenen Jahr hatte es bereits mehrere Zwischenfälle mit dem Problemwolf gegeben, der eine Frau ins Bein und ein Kind bei einem Schulausflug in die Seite biss.
Wegen des auffälligen Verhaltens wurde schliesslich das Abschiessen des Wolfes erlaubt. Laufende DNA-Untersuchungen müssen zeigen, ob auch der Sechsjährige von Problemwolf Bram angegriffen wurde. Wie der Provinzsprecher sagte, werden Ergebnisse in rund zwei Wochen erwartet.