Darum gehts
- Niclas Féraud, Gemeindepräsident von Crans-Montana, verteidigt sich gegen Vorwürfe
- Er bestreitet illegale Absprachen und lehnt Rücktritt entschieden ab
- Geplantes Denkmal für die Opfer soll respektvoll und nachhaltig gestaltet werden
Er ist einer der prominentesten Angeklagten im Fall Crans-Montana: der amtierende Gemeindepräsident Nicolas Féraud (55). Die Vorwürfe, die nach der tödlichen Silvesternacht gegen ihn im Raum stehen, wiegen schwer. Fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung, Brandstiftung und Verletzung von Amtspflichten.
Trotz der happigen Anschuldigungen hatte Féraud immer wieder betont, nicht von seinem Amt zurücktreten zu wollen. Diese Position bekräftigt er nun erneut in einem Fernsehinterview mit dem Walliser Sender Canal 9. Es ist das erste Mal seit der Brandkatastrophe, dass sich der Gemeindepräsident alleine vor einer Kamera äussert.
«Ich mache mir keinerlei Sorgen um mein eigenes Schicksal»
«Es ist für mich unvorstellbar, jetzt aufzugeben», erklärt Féraud. «Das wäre Feigheit oder Fahnenflucht! Ich wurde gewählt, um die Angelegenheiten der Gemeinde in guten wie in schlechten Zeiten zu leiten.»
Der Gemeindepräsident zeigt sich in dem Interview äusserst willensstark. «Ich mache mir keinerlei Sorgen um mein eigenes Schicksal. Ich konzentriere meine Kraft und Energie darauf, dass unsere Gemeinde reibungslos funktioniert.»
Widersprüchliche Aussagen
Féraud war im Verlauf der Ermittlungen insbesondere aufgrund seiner widersprüchlichen Aussagen aufgefallen. So hatte der Gemeindepräsident wenige Tage vor seiner ersten Pressekonferenz zur Brandkatastrophe versichert, dass es keine «laschen» Sicherheitskontrollen in der Gemeinde gegeben habe.
Als sich diese Aussage als falsch entpuppte, behauptete der Gemeindepräsident, nichts von den Problemen bei den Sicherheitskontrollen in der Inferno-Bar gewusst zu haben. Auch dies stimmte jedoch nicht. Féraud und seine Kollegen im Gemeinderat waren über die Probleme im Sicherheitsbereich schon länger informiert.
Denkmal für die Opfer
Féraud wird ebenfalls vorgeworfen, sich mit Kevin Barras, einem Gemeinderat, vor dessen Vernehmung durch die Behörden abgesprochen zu haben. Barras hatte bei seiner Anhörung einen Besuch des Gemeindepräsidenten erwähnt.
Diesen Vorwurf weist Féraud im Fernsehinterview nun vehement zurück. «Ich habe nichts Illegales getan. Es war ein Moment der Unterstützung vor einer Tortur, von der ich wusste, dass sie schwierig und ziemlich unangenehm werden würde», erklärt er den Journalisten. «Wenn wir mit Kevin Barras etwas hätten aushecken wollen, hätten wir vier Monate Zeit dafür gehabt.»
Féraud kündigte ausserdem an, dass die Gemeinde beabsichtige, ein Denkmal zum Gedenken an die Opfer von Crans-Montana zu errichten. «Aber wir werden nichts überstürzt entscheiden. Wir müssen und wollen den Opfern einen respektvollen, nüchternen und nachhaltigen Ort bieten.»