Darum gehts
- Jessica Moretti und Ehemann am Freitag in Sitten VS befragt
- Moretti nun auch wegen Urkundenfälschung bei Schaumstoff-Rechnung beschuldigt
- Brand in Crans-Montana: 41 Tote, 115 Verletzte
Eine brisante Whatsapp-Nachricht könnte Jessica Moretti nun weiter in Bedrängnis bringen. Die Ermittler haben sie und ihren Ehemann Jacques bei der Doppelbefragung des Wirtepaares in Sitten VS mit dem neuen Beweisstück konfrontiert.
Jessica Moretti soll eine Anweisung in eine Gruppe mit Mitarbeitenden geschickt haben. Wie die «NZZ» schreibt, warnte sie in der Nachricht vor möglichen Schäden durch bengalische Kerzen am Schaumstoff an der Decke ihrer Bar Le Constellation. In der Bar wurden regelmässig Champagnerflaschen mit solchen Kerzen serviert. Jessica Moretti warnte in der Whatsapp-Nachricht explizit vor Kontakt mit den Sofas sowie dem schalldämmenden Schaumstoff, wie die Zeitung unter Berufung auf eine Quelle schreibt.
Verschickt haben soll die Bar-Betreiberin die Nachricht Mitte Dezember. Also gut zwei Wochen, bevor eine solche Wunderkerze tatsächlich die Brandkatastrophe in der Silvesternacht auslöste. Jessica Moretti selbst behauptete in der Befragung, die Nachricht sei ironisch gemeint gewesen. Ihr sei es nur darum gegangen, das Mobiliar in der Bar zu schützen.
«Es wurden so viele Lügen über uns verbreitet»
Jessica Moretti hatte bereits zu Beginn der Doppelbefragung auf sich aufmerksam gemacht. «Es wurden so viele Lügen über uns verbreitet, dass wir zerstört wurden.» Mit diesen dramatischen Worten eröffnete sie am Freitagmorgen die Anhörung von ihr und ihrem Ehemann. Neben den Ermittlern waren rund 70 Anwälte in Sitten VS anwesend, um den Showdown zu verfolgen.
Auch Angehörige der Opfer von Crans-Montana waren am Freitag nach Sitten gereist. Beim Brand in der Silvesternacht kamen 41 Menschen ums Leben, weitere 115 wurden verletzt.
Vor Ort war etwa die Mutter von Brandopfer Arthur (†16). Laetitia Brodard-Sitre reagierte gereizt auf die Eröffnungsworte von Jessica Moretti. «Am Boden zerstört zu sein bedeutet, seine Kinder nicht umarmen zu können oder sie im Krankenhaus pflegen zu müssen», sagte sie dem «Corriere della Sera». «Ich glaube nicht, dass die Untersuchung eines tragischen Vorfalls bedeutet, Zerstörung zu erleben.»
Ermittlungen wurden ausgeweitet
Die Doppelbefragung des Ehepaares startete um 8.30 Uhr morgens. Über viele Stunden wurden die Betreiber der Inferno-Bar Le Constellation befragt. Am Mittag sickerten erste Details der Anhörung an die Öffentlichkeit.
So hat sich die Staatsanwaltschaft dazu entschieden, ihre Ermittlungen gegen das Betreiberpaar Moretti auszuweiten. Jessica Moretti wird neu auch der Urkundenfälschung beschuldigt. Grund dafür sei eine Rechnung für den Kauf jenes Schaumstoffs gewesen, der in der Silvesternacht Feuer fing und die Katastrophe auslöste. Die Ermittler werfen der 41-Jährigen vor, diese Rechnung gefälscht zu haben.