Darum gehts
- Hochrangige Delegationen aus den USA und dem Iran treffen sich auf dem Bürgenstock
- Der Iran fordert Ende der Kämpfe im Libanon für Abkommen-Umsetzung
- Flugraum gesperrt, strenge Kontrollen, Diskussionen bis spät am Abend
Polizisten bewachen die Strasse hoch zum Bürgenstock. Ein Konvoi aus elf Autos und Kastenwagen rauscht vorbei.
«Die pakistanische Delegation», sagt einer der Organisatoren. Er nickt zum Himmel. «Mit Helikopter.»
Dieser Sonntag ist historisch. Hochkarätige Delegationen der USA und des Irans treffen sich auf dem Bürgenstock. US-Vizepräsident J. D. Vance (41) ist angereist, um sich mit Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif (74) und Irans Aussenminister Abbas Araghtschi (63) zu treffen. Vermittler aus Pakistan und Katar sitzen mit am Tisch.
Das Treffen war bis zuletzt eine Zitterpartie. Ein erster Versuch scheiterte am Freitag. Um 6 Uhr morgens erhielten wir Journalisten die Nachricht: «Treffen annulliert.»
Checkpoints und Metalldetektor
Bevor ich heute Richtung Zentralschweiz aufbreche, prüfe ich zuerst meine E-Mails. Keine Absage.
Wir erhalten einen Medien-Badge und steigen in Busse. Die Polizei hält uns zweimal an. Sie prüft die Ausweise. Zählt die Köpfe.
Der Eingang zum Hotel-Areal ist mit Betonblöcken abgesperrt. Eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen. Metalldetektor. Taschenkontrolle. Treppe runter. Dann sind wir im Medienzentrum.
Alles wirkt geplant. Präzise. Schweizerisch.
In Wirklichkeit ist das Treffen ein Kraftakt. Polizisten und Soldaten wurden kurzfristig aufgeboten. Diplomaten telefonieren seit Tagen zwischen Washington und Teheran.
Dass sich die Delegationen nun trotzdem an einen Tisch setzen, verbucht das Aussendepartement als Erfolg. Tagelang stand man mit allen Beteiligten im Austausch. Verhandelte, versicherte, beschwichtigte.
Verhandlungen über Verhandlungen
Wie heikel die Gespräche sind, zeigt sich schon am Sonntagmorgen. Stundenlang verhandeln die Delegationen zunächst über die Verhandlungen.
Im Medienzentrum warten wir derweil auf Neuigkeiten. Fehlen soll es uns an nichts: Toblerone, Sandwiches, Hörnlisalat. Zwischendurch wird abgeräumt. Geputzt. WC-Papier gefaltet.
Die Unsicherheit rund um das Treffen passt zur Lage im Nahen Osten.
Der Deal zwischen Washington und Teheran von letzter Woche hat den Konflikt nicht beendet. Er hat ihn nur eingefroren.
Die USA versprechen Sanktionserleichterungen. Iran soll im Gegenzug sein Atomprogramm begrenzen und die Schifffahrt durch die Strasse von Hormus sichern.
Teheran braucht vor allem eines: Luft zum Atmen. Das Land will wieder Öl verkaufen. Und es erwartet von Washington, dass die USA ihren Einfluss auf Israel nutzen, um die Kämpfe im Libanon einzudämmen.
Streitpunkt: Israels Angriffe im Libanon
Doch kaum ist das Memorandum unterschrieben, gerät es schon wieder ins Wanken.
Donald Trump versprach noch vor wenigen Tagen: «Die Strasse von Hormus wird sich öffnen, sobald wir unterschrieben haben.»
Kurz darauf erklären die iranischen Revolutionsgarden das Gegenteil. Die USA hätten ihre Verpflichtungen verletzt und Hormus bleibe geschlossen.
Als Grund nennt Teheran die Kämpfe im Südlibanon. Die israelische Armee führt ihre Angriffe gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah fort. Dabei sterben auch Zivilisten.
Für die iranischen Politiker auf dem Bürgenstock steht fest: Ohne ein Ende der Kämpfe im Libanon wird Teheran das Abkommen nicht umsetzen.
J. D. Vance gibt sich versöhnlich
Damit rückt plötzlich ein Land ins Zentrum, das auf dem Bürgenstock gar nicht vertreten ist: Israel.
Dessen Verteidigungsminister meldet sich am Sonntagmorgen zu Wort und stellt klar: Israel werde sich nicht aus dem Südlibanon zurückziehen. Die Angriffe gingen weiter. Eine Aussage, die auf dem Bürgenstock für Nervosität sorgt.
Als J. D. Vance am Nachmittag vor die Medien tritt, schlägt er beschwichtigende Töne an. Donald Trump sei einem «vollständigen regionalen Waffenstillstand» verpflichtet, sagt er. Frieden brauche «Arbeit» und «gegenseitiges Entgegenkommen».
Die Gespräche würden nicht alle Probleme lösen. Aber sie erlaubten es den Parteien erstmals, «als Teams zusammenzusitzen und herauszufinden, was den jeweiligen Seiten wirklich wichtig ist».
Gespräche hinter verschlossenen Türen
Vance spricht sogar von einem Neuanfang. Die USA seien bereit, ihre Beziehungen zum Iran «grundlegend zu verändern», wenn Teheran seine nuklearen Ambitionen aufgebe und nicht länger ein Treiber regionaler Instabilität sei.
Neben Vance stehen die Vermittler aus Pakistan und Katar. Die iranische Delegation bleibt ausser Sichtweite. Es wirkt, als wolle sie zu Hause keine falschen Signale aussenden.
Gegen Abend lässt die Hitze auf dem Bürgenstock nach. Hinter verschlossenen Türen diskutieren die Delegationen weiter.
Währenddessen meldet sich Donald Trump (80) zu Wort. Und macht eine Ansage, die kaum zum vorsichtigen Ton auf dem Bürgenstock passt. Wenn sich die USA und Iran nicht einigen könnten, werde Amerika die Strasse von Hormus «übernehmen». Konkret: Man werde Zölle einführen.
Iran bricht Gespräche ab
Iran reagiert prompt – und unterbricht die Verhandlungen. Laut iranischen Staatsmedien soll die Delegation aus Protest gar abgereist sein.
Tagelanges Zittern. Tagelange Gespräche, Absicherungen. Die Schweiz bemühte sich um Vertrauen. Pakistan und Katar um den Dialog. Doch am Ende bringt alle Diplomatie nichts, wenn die Kriegsparteien weiter zündeln.
Am Ende war es Donald Trump, der den rhetorischen Schlaghammer auspackte. Und den zaghaften Annäherungen an den Frieden ein Ende setzte.