Darum gehts
- USA und Iran verhandeln am Bürgenstock über Nahost-Frieden mit Vermittlern
- Pakistan spielt entscheidende Rolle als Mediator
- US-Vizepräsident Vance und Irans Ghalibaf führen hochrangige Delegationen an
Am Sonntag blickt die Welt auf den Bürgenstock: Die USA und der Iran ringen dort im Luxusresort um weitere Schritte im Bemühen um einen langfristigen Frieden im Nahen Osten. Die Verhandlungen werden von Delegationen aus den Vermittlerländern Pakistan und Katar begleitet.
Wer wurde zum historischen Gipfeltreffen entsandt? Blick stellt die wichtigsten Köpfe vor.
Abbas Araghtschi (63)
Der iranische Aussenminister gehört zu den zentralen Architekten der bisherigen Verhandlungen und gilt als wichtigster Diplomat Teherans in der Atomfrage. Auch wenn Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf die Delegation anführt, dürfte Araghtschi die fachlichen Gespräche prägen.
Mohammad Bagher Ghalibaf (64)
Der iranische Parlamentspräsident ist das Gegenstück zu Vance. Er gilt als Schwergewicht des konservativen Lagers. Seine Teilnahme signalisiert, dass die Gespräche auf höchster politischer Ebene geführt werden.
Asim Munir (58)
Munir ist einer der wenigen Akteure, die sowohl in Washington als auch in Teheran direkten Zugang zur Führungsebene haben. Im Frühjahr überbrachte er immer wieder Botschaften zwischen den Konfliktparteien.
Die Nachrichtenagentur AP und der britische «Guardian» beschrieben Munir als Schlüsselfigur bei der Organisation der ersten direkten Gespräche zwischen dem Iran und den USA in Islamabad. Pakistans Armeechef dürfte beim Gipfel in der Schweiz vor allem in militärischen Sicherheitsfragen moderieren.
Shehbaz Sharif (74)
Shehbaz Sharif und sein Armeechef Asim Munir übernehmen die Rolle der zentralen Vermittler in den Verhandlungen. Während Katar vor allem diplomatische Kanäle offenhält, scheint Pakistan an echten Durchbrüchen interessiert zu sein. Sharif hat das Memorandum ebenfalls unterzeichnet – als einziger Mediator.
Sollte ein langfristiger Frieden tatsächlich gelingen, wäre dieser diplomatische Erfolg massgeblich den Pakistanis zu verdanken, die sich gezielt als geopolitische Akteure positionieren. Nicht ohne Grund heisst das Grundsatzabkommen «Islamabad Memorandum». Schliesslich waren es Sharif und Munir, die es im April schafften, beide Seiten an einen Tisch zu bekommen.
J. D. Vance (41)
Der US-Vizepräsident führt die amerikanische Delegation an. Der ranghöchste Vertreter Washingtons vor Ort hatte diese Rolle bereits bei den Gesprächen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad im April inne. Vance gehört zu den Mitunterzeichnern des jüngsten amerikanisch-iranischen Memorandums. Er ist damit faktisch politischer Garant für die Einhaltung des Abkommens auf US-Seite.
Vance verteidigte das Memorandum diese Woche als beste Möglichkeit, Irans Atomprogramm einzuschränken. Seine Aufgabe besteht darin, die politischen Eckpunkte in konkrete Vereinbarungen zu überführen – insbesondere beim Atomprogramm, bei den Sanktionen und bei den regionalen Sicherheitsfragen.
Steve Witkoff (69)
Witkoff reiste vor Vance in die Schweiz, bereitete das Treffen vor. Er führt seit Monaten die Detailverhandlungen mit dem Iran. Er war bereits bei den ersten Gesprächen in Oman und später in Genf direkt am Tisch und verhandelte dort mehrfach mit dem iranischen Aussenminister Abbas Araghtschi. Witkoff ist einer der engsten Vertrauten von US-Präsident Donald Trump (80) und wird deshalb trotz fehlender diplomatischer Erfahrung mit den heikelsten internationalen Dossiers betraut.