Darum gehts
- US-Vizepräsident Vance reist für Iran-Verhandlungen in die Schweiz
- Erste diplomatische Direktkontakte zwischen USA und Iran seit Jahrzehnten
- 300-Milliarden-Dollar-Fonds soll Iran zur Einigung bewegen, Konflikt bleibt fragil
- Vance reist mit seiner hochschwangeren Frau Usha
Die Verhandlungen um die Absichtserklärung (MoU) zwischen Washington und Teheran zogen sich Wochen in die Länge. Auch das auf Freitag geplante Treffen zwischen den US- und iranischen Delegationen auf dem Bürgenstock NW musste verschoben werden. Am späten Samstag kurz vor Mitternacht MESZ machte sich US-Vizepräsident J. D. Vance (41) endlich auf den Weg in die Schweiz.
Mit an Bord: seine hochschwangere Frau Usha (40). Die Second Lady der Vereinigten Staaten erwartet im Juli das vierte Kind der Familie – einen Sohn.
Bühne der Weltpolitik
Ohne Libanon-Eskalation in letzter Minute dürfte es fix sein: Am Sonntag soll die Zentralschweiz nach dem Ukraine-Gipfel vor zwei Jahren einmal mehr zur Bühne der Weltpolitik werden. Hoch über dem Vierwaldstättersee starten heikle Gespräche zwischen den USA und dem Iran.
Die Iraner waren schon am Samstag angereist. «Wir begrüssen die Ankunft der iranischen Delegation in der Schweiz», teilte das Schweizer Aussenministerium auf X mit.
Vor Mitternacht war in Stansstad NW ein grosser Autokonvoi auf der Durchfahrt zum Bürgenstock zu sehen.
Erzfeinde am selben Tisch
Auch weitere Akteure werden im hermetisch abgeschirmten Resort erwartet – Vertreter aus Pakistan und möglicherweise aus Golfstaaten, die grünes Licht für einen 300-Milliarden-Dollar-Sonderfonds für den Iran gaben, um Teheran zum Einlenken zu bewegen.
Die Gespräche gelten bereits deshalb als Erfolg, weil die USA und der Iran seit Jahrzehnten keine diplomatischen Beziehungen unterhalten. Jetzt setzen sie sich an den gleichen Tisch – in der Schweiz, die seit 1980 offiziell als Schutzmacht der USA im Iran fungiert.
Fragile Lage
Die Erwartungen sind gedämpft. Die Lage im Nahen Osten ist weiterhin äusserst fragil. Die Strasse von Hormus bleibt Spannungsherd und Waffenruhen zwischen Israel und dem Libanon – eine Hauptbedingung für den Iran – sind so zahlreich wie brüchig.
Vor seiner Abreise in die Schweiz zeigte sich US-Verhandlungsführer Vance zuversichtlich. Er hoffe auf Fortschritte sowohl im Atomstreit als auch bei der Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon. Die Lage im Libanon habe sich zuletzt etwas entspannt. Ziel sei es, die fragile Waffenruhe zu stabilisieren und die Region sicherer zu machen.
Drohung Trumps
US-Präsident Donald Trump (60) wies am späten Samstag iranische Drohungen einer Schliessung der Strasse von Hormus zurück: Die Durchfahrt bleibe offen. Gebühren würden höchstens als Entgelt für Schutzleistungen für den US-«Schutzengel» erhoben – sollte kein Abkommen zustande kommen.