Auch Ehefrau sitzt hinter Gittern
Das ist der Mafia-Maulwurf in der Bundespolizei

Fedpol-Maulwurf-Affäre: Während er als Bundesmitarbeiter Infos an die Drogenmafia vertickt haben soll, verkaufte die langjährige Polizei-Mitarbeiterin nun Secondhandmode. Das ist das Polizisten-Ehepaar, das nun in Haft sitzt.
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Gabriel W.* und seine Frau Jasmin W.* sind verhaftet worden.
Foto: Screenshot

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Fedpol-Mitarbeiter Gabriel W. wegen Weitergabe von Infos an Drogenmafia verhaftet
  • Verdacht: Über 100'000 Fr. Schmiergelder angenommen, Gattin und vier weitere Personen festgenommen
  • Verhaftung am 28. April 2026, Kesb nahm Kinder in Obhut

Die Mafia hat eine der obersten Schweizer Behörden unterwandert: das Bundesamt für Polizei (Fedpol), die zentrale Behörde für die innere Sicherheit des Landes. Eine der wichtigsten Aufgaben des Fedpol ist der Kampf gegen mafiöse Strukturen. Brisant: Die Behörde warnte immer wieder selbst davor, dass Organisierte Kriminalität in der Schweiz aktiv ist.

Eigentlich kümmern sich Beamte des Bundessicherheitsdienstes (BSD) um den Schutz der Bundesräte, des Parlaments und der ausländischen Würdenträger. Stattdessen soll einer der Personenschützer beim Bundessicherheitsdienst Informationen an die Drogenmafia vertickt haben – so der Vorwurf der Bundesstaatsanwaltschaft. Im Rahmen seiner Verhaftung vor zehn Tagen sind fünf weitere Personen festgenommen worden. Darunter: seine Ehefrau.

«Liebsten und korrektesten Menschen»

Gemäss Blick-Recherchen handelt es sich bei dem Mann um Gabriel W.* (Anfang 40). Er wohnt zusammen mit Jasmin W.* (Anfang 40) und Kindern in einem topmodernen Einfamilienhaus an bester Lage im Grossraum Basel. Beide sind Schweizer mit Migrationshintergrund. Fotos auf Social Media zeigen die beiden verliebt und glücklich lächelnd, sie lehnen sich jeweils aneinander. Auch Bilder der beiden gemeinsamen Kinder sind zu sehen.

Der Mann wird verdächtigt, Informationen an mindestens eine Person weitergegeben zu haben. Diese wird «mit mafiösen Strukturen und organisiertem Drogenhandel in Verbindung» gebracht. Er soll Schmiergelder von über 100'000 Franken erhalten haben.

Das Umfeld kann die Vorwürfe nicht glauben: «Die beiden sind die liebsten und korrektesten Menschen!» Und plötzlich gibt es die Vermutung: Der Fedpol-Maulwurf wurde möglicherweise von Kriminellen erpresst oder unter Druck gesetzt, ist nur deshalb auf die schiefe Bahn geraten.

Erst Polizeijob, dann Kinder und eigenes Geschäft

Das Paar soll sich bei der Stadtbasler Kantonspolizei kennengelernt haben – beide waren früher dort tätig. Der mutmassliche Maulwurf war ausserdem noch bei der Basler Staatsanwaltschaft tätig. Seine Frau hingegen arbeitete gemäss ihrem Linkedin-Profil über zehn Jahre bei der Kantonspolizei Basel-Stadt. «Doch als sie Mutter wurde, hat sie ihren Polizeijob aufgegeben», heisst es.

Heute führt sie ein kleines Verkaufsgeschäft. Und, so heisst es aus dem Umfeld: «Beide spenden viel für sein Heimatland.» Der Laden ist am Freitag geöffnet. Zwei Mitarbeiterinnen erklären gegenüber Blick, dass sie sich zum Fall nicht äussern dürfen.

Weiter heisst es aus dem Umfeld, dass das Basler Polizisten-Paar ein bodenständiges Leben führe, mit Ferien in seiner oder ihrer Heimat. «Da ist kein auffälliger Luxus im Spiel.» Das Haus habe das Paar erst vor zwei, drei Jahren gekauft, nachdem es das ehemalige Daheim im Nachbarort gewinnbringend verkaufen konnte.

Im Grossraum Basel sind verschiedene Organisationen im Drogen- und Menschenhandel tätig. Mitglieder dieser Gruppen mussten sich in den vergangenen Jahren mehrfach vor Gericht verantworten. Für Schlagzeilen sorgte etwa der Prozess gegen den Basler Ex-Hells-Angel Ertan Y.*, wo auch Nati-Trainer Murat Yakin (51) und Stürmerstar Breel Embolo (28) als Kläger auftraten. 

Die Verhaftung

Wie der «Tages-Anzeiger» am Donnerstag berichtete, ist der mutmassliche Maulwurf am Dienstag vor einer Woche von der Fedpol-Sondereinheit Tigris am Arbeitsplatz verhaftet worden. Dies am Hauptsitz selbst, wo neben dem Fedpol auch die Bundesanwaltschaft angesiedelt ist.

Der beschuldigte Mitarbeiter des Bundessicherheitsdienstes arbeitete zuvor bei der Einsatz- und Alarmzentrale der Bundespolizei, die «Sirene» genannt wird. Hier fliessen unter anderem fahndungstechnische und kriminalpolizeiliche Informationen zusammen. Heisst: Daten, die für Kriminelle sehr interessant sein können.

Am Freitag befinden sich Familienmitglieder des Paars in dessen Einfamilienhaus. Offenbar sollen die Kinder von der Kesb in Obhut genommen worden sein – die Kesb wollte das nicht kommentieren.

Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Der Fall hat auch in Bundesbern ein Nachspiel: Bundesrat Beat Jans (61) und Fedpol-Direktorin Eva Wildi-Cortés (50) haben eine interne Untersuchung angeordnet. Zwar gebe es «nach aktuellem Stand keine Hinweise auf grundlegende oder systematische Schwachstellen», wie das Fedpol gegenüber Blick betont. Trotzdem würden das EJPD und das Fedpol eine Arbeitsgruppe aufstellen. «Diese soll im Rahmen einer internen Untersuchung den Vorfall im Detail analysieren und mögliche Schwachstellen in den Prozessen und in den Kontrollen erkennen sowie Massnahmen zur Schliessung von allfälligen Lücken vorschlagen.»

* Namen geändert 

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