«Schweiz wäre ohne USA nichts»
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Trumps Rundumschlag:«Schweiz wäre ohne USA nichts»

Zwischen Trump-Tirade und Friedensinitiative
Was haben die Bundesräte am WEF erreicht?

Vier Bundesräte haben dieses Jahr am Weltwirtschaftstreffen teilgenommen. Blick zieht Bilanz über ihre Tage in Davos.
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Bundespräsident Guy Parmelin äusserte sich diplomatisch zu Trumps Tirade gegen die Schweiz.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Trump dominierte das Weltwirtschaftsforum 2026 mit kontroversen Aussagen und Treffen
  • Schweizer Bundespräsident Parmelin traf Trump, jedoch ohne konkrete Ergebnisse
  • Parmelin führte über 12 Gespräche, darunter mit Wolodimir Selenski über Lieferungen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Céline ZahnoRedaktorin Politik

Das Weltwirtschaftstreffen in Davos stand dieses Jahr ganz im Zeichen von US-Präsident Donald Trump (79). Er dominierte das WEF mit seinen Grönland-Gelüsten, der neuen Friedensinitiative und dem überraschenden Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski (47).

Trump hat auch die Schweiz ins Visier genommen. Während seiner Ansprache zog er über das Gastland her und äffte Finanzministerin Karin Keller-Sutter (62) vor der Weltöffentlichkeit nach. Wie haben die Bundesräte reagiert? Und was haben sie abseits der grossen Bühne erreicht? Ein Überblick.

Guy Parmelin

Der Bundespräsident Guy Parmelin (66) versuchte, die Tirade wegzulächeln. «Davos wäre nicht Davos ohne den US-Präsidenten», sagte Parmelin stattdessen – als hätte die Rede nie stattgefunden. «Das ist Diplomatie», meinte er.

Den Fokus wollte er auf die erleichternde Nachricht des Tages legen: Ein Treffen mit dem US-Präsidenten hat stattgefunden. Lange schien unklar, ob der US-Präsident überhaupt Zeit haben würde – eine Absage wäre eine Blamage gewesen.

Das Treffen hat nur 15 Minuten gedauert, Details wurden keine besprochen. Für Parmelin war der direkte Kontakt dennoch wichtig, während die Verhandlungen über einen Zoll-Deal weiterlaufen. Auch Aussenminister Ignazio Cassis (64) und Karin Keller-Sutter nahmen teil.

Parmelin hat am WEF mehr als ein Dutzend Staats- und Regierungschefs getroffen. Aufmerksamkeit erregte besonders sein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski (47). Die Schweiz will der Ukraine Elektroprodukte liefern. Die Details – etwa ob die Schweiz die Kosten übernehmen wird – seien noch nicht geklärt.

Trump nannte Keller-Sutter «tough»
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Parmelin zu Treffen:Trump nannte Keller-Sutter «tough»

Ignazio Cassis

Viel kritischer als Parmelin äusserte sich der Aussenminister Ignazio Cassis zu Trumps Rede. «Es ist inakzeptabel, so behandelt zu werden», sagte er. «Wir waren nicht die Einzigen, aber das ist kein Trost.» Man habe die Reaktionen den zuständigen Personen mitgeteilt.

Generell liess Cassis' Ton in Davos aufhorchen. An der Medienkonferenz spannte er einen grossen Bogen – vom ersten WEF ohne den Gründer Klaus Schwab (87) bis hin zu einer Welt im Umbruch. Man befinde sich nun in einer «neuen Ära» – und das sei keine Floskel. Auch die Schweiz müsse sich darin neu erfinden.

Vor allem ein Thema dürfte Cassis und sein Aussendepartement noch beschäftigen. Die Schweiz hat eine Einladung zu Trumps Friedensinitiative erhalten – eigentlich kann die Schweiz kaum zustimmen. Doch was passiert mit dem Zoll-Deal, wenn die Schweiz ablehnt? Den Franzosen drohte Trump mit 200 Prozent Zöllen auf Wein und Champagner, nachdem Präsident Emmanuel Macron (48) abgesagt hatte.

Trump nannte Keller-Sutter «tough»
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Parmelin zu Treffen:Trump nannte Keller-Sutter «tough»

Karin Keller-Sutter

Für Finanzministerin Karin Keller-Sutter wurde Davos zum grossen Déjà-vu. Spöttisch erzählte Trump in seiner WEF-Ansprache vom ominösen Telefongespräch mir ihr. Sie habe «gebettelt» – um tiefere Zölle. Wörtlich zitierte er sie mit: «Nein, nein, das können Sie nicht tun – bitte tun Sie das nicht, wir sind ein kleines Land.» Schon im Sommer hatte er sie öffentlich abgekanzelt.

Mittlerweile ist aber klar: Trump zieht eine Show ab, wie es ihm jeweils passt. Verschiedenste europäische Regierungschefs stellt er regelmässig in den Senkel. Dabei soll er hinter den Kulissen zu seinen Ministern Greer, Rubio und Co. gesagt haben: «Sie ist stark, aber ihr seid schwach». Keller-Sutter hielt still. Einen öffentlichen Kommentar lehnte sie gegenüber Blick ab. Nur so viel: Persönlich nehme sie Trumps Worte nicht.

Neben dieser Episode – und dem anschliessenden Treffen mit der US-Delegation – nutzte sie das WEF für bilaterale Treffen. Etwa am Dienstagmorgen mit Christine Lagarde (70), Präsidentin der Europäischen Zentralbank.

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«Sie ging mir auf die Nerven»:Trumps Keller-Sutter-Bashing in voller Länge

Rösti, Pfister, Jans und Baume-Schneider

Verteidigungsminister Martin Pfister (62) hielt sich am diesjährigen WEF eher im Hintergrund. Er besuchte am Montag die Truppe und traf sich mit verschiedenen Verteidigungsministern. Energieminister Albert Rösti (58) sagte seinen WEF-Besuch ab. Er wollte mehrere Termine nachholen, die er wegen eines Magen-Darm-Infekts abgesagt hatte. Justizminister Beat Jans (61) und Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider (62) reisten gar nicht erst an.

Allerdings müssen auch sie sich noch mit dem WEF beschäftigen – denn es bleiben offene Fragen. So muss der Gesamtbundesrat zum Beispiel bald über den Beitritt zu Trumps Peace Board entscheiden. Auch mit den Zöllen dürfte es bald vorwärtsgehen. Nach einem Treffen der US-Delegation mit Parmelin und seiner Staatssekretärin hiess es jedenfalls: Die erste Verhandlungsrunde werde so schnell wie möglich stattfinden.

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