Darum gehts
- Karin Keller-Sutter ass am 20. Januar 2026 in Davos Pommes
- Donald Trump beleidigte sie und die Schweiz während einer WEF-Rede
- Trump nannte sie später stark, aber seine Minister schwach
Karin Keller-Sutter (62) steht am Mittwochabend kurz vor 19 Uhr am Buffet des Migros-Restaurants in Davos. Sie schöpft sich Pommes frites und Gemüse – wie schon am Vortag und im Vorjahr während des WEF. Die Vegetarierin sagt: «Ich habe Pommes frites einfach gern, und ich esse gern einfach.»
Sie wirkt gesammelt, doch sie muss noch verdauen, was US-Präsident Donald Trump in seiner WEF-Rede am Nachmittag über sie gesagt hat.
An der Kasse spricht sie ein Mann an: «Danke, dass Sie sich für unser Land einsetzen.» Das Restaurant ist voll. Zusammen mit zwei Mitarbeitern ihres Stabs findet die Bundesrätin einen Tisch. Am Nebentisch sitzt eine Rentnerin mit einem grossen Tattoo am Unterarm, das die Rhätische Bahn zeigt. Auch sie hat Trumps Rede verfolgt. «Ich habe mich geärgert über das, was er über Sie gesagt hat, Frau Keller-Sutter.»
Was Trump über die Schweizer Finanzministerin sagte, hatte es tatsächlich in sich. Spöttisch erzählte er vom ominösen Telefongespräch mit ihr über den Zoll. Vor der Weltöffentlichkeit stellte er sie bloss: Sie habe «gebettelt» – um tiefere Zölle. Wörtlich zitierte er sie mit: «Nein, nein, das können Sie nicht tun – bitte tun Sie das nicht, wir sind ein kleines Land.» Fälschlich nannte er sie «Premierministerin». Sie sei «aggressiv» gewesen und «ihm gegen den Strich gegangen». Trump beleidigte nicht nur Keller-Sutter, sondern gleich die ganze Schweiz: «Die Schweiz ist nichts ohne die USA.»
Keller-Sutter nimmts nicht persönlich
Keller-Sutter verfolgte die Rede gemeinsam mit Aussenminister Ignazio Cassis (64) und anderen Mitgliedern der Delegation in einem Nebenraum des Kongresszentrums. Später sagt sie beim Nachtessen: «Ja, das war wirklich ein ereignisreicher Tag.» Einen öffentlichen Kommentar lehnt sie ab. Schweigen sagt hier mehr als Worte.
Nur so viel: Persönlich nehme sie Trumps Worte nicht. Tatsächlich zeigte sich der US-Präsident später im direkten Gespräch mit der Schweizer Delegation wieder versöhnlich. «She is tough» («sie ist stark»), sagte er laut Bundespräsident Guy Parmelin (66) über Keller-Sutter.
Doch wie immer kam gleich ein Seitenhieb gegen andere hinterher: «Sie ist stark, aber ihr seid schwach», soll Trump zu seinen Ministern Greer, Rubio und Co. gesagt haben.
Keller-Sutter kennt Trumps Launen. Nach dem mittlerweile berühmt gewordenen Telefonat sprach er im Sommer auch noch im US-TV abschätzig über «die Madame», die ihn verärgert habe. Auch damals blieb sie still. Ab da war ohnehin Wirtschaftsminister Parmelin im Rampenlicht bei den Zolleverhandlungen.
Nach dem Migros-Essen zurück ins Hilton
Die Finanzministerin hatte sich deshalb an diesem Mittwoch auf einen ruhigen Arbeitstag am WEF eingestellt. Treffen mit Amtskollegen, etwa mit dem saudischen Finanzminister Mohammed al-Dschadan (63), standen auf dem Programm. Dass sie plötzlich wieder ins Zentrum von Trump und dem Zollstreit rücken würde, kam unerwartet. Doch auch sie weiss: Das Einzige, was bei Trump berechenbar ist, ist seine Unberechenbarkeit.
Gegen halb acht ist ihr Teller leer. Die Bundesrätin verlässt das Migros-Restaurant und zieht sich ins benachbarte Hilton-Hotel zurück. Um noch Dossiers zu bearbeiten.
Am Donnerstagmorgen trifft sie Christine Lagarde (70). Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank machte am WEF auch so ihre Erfahrungen mit der Trump-Truppe. Bei einem Nachtessen mit Handelsminister Howard Lutnick (64), ein Scharfmacher, kam es laut US-Medien zu Tumulten. Lagarde verliess das Lokal vorzeitig.