Trump nannte Keller-Sutter «tough»
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Parmelin zu Treffen:Trump nannte Keller-Sutter «tough»

Donald Trump liegt falsch!
Switzerland is great – auch ohne Sie, Mr. President

Die Frage, die Blick Donald Trump (79) nach seinem Auftritt gestellt hatte («Warum sind Sie so gemein mit uns, Herr Präsident?»), wollte er nicht beantworten. In seiner Rede griff der mächtigste Mann der Welt die Schweiz frontal an. Das lassen wir nicht auf uns sitzen.
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An Karin Keller-Sutter liess der US-Präsident bei seiner Rede kein gutes Haar.
Foto: AFP

Darum gehts

  • Donald Trump kritisiert die Schweiz am WEF 2026, Vorwürfe sorgen für Aufregung
  • Trump behauptet, die Schweiz profitiere unfair von den USA
  • Falschaussagen über «Aderbajan» und Grönland-Verteidigung markieren Trumps Rede
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Respectfully, Mr. President, Sie liegen falsch!

Sie liegen falsch, wenn Sie in Ihrer WEF-Rede sagen: «Ohne uns wäre die Schweiz nicht die Schweiz. Die ist nur gut wegen Amerika.»

Wirklich?

Dass wir mehr Güter in die USA exportieren als importieren, machen wir nicht, um Sie und ihr Land «auszunehmen». Das Handelsdefizit ist kein fieser Trick der Eidgenossenschaft, um sich auf Kosten Amerikas zu bereichern. Schweizer Exporte kommen bei Ihren Landsleuten schlicht deshalb so gut an, weil sie tatsächlich «great» sind. Statt uns für unsere Produkte und Innovationen zu bestrafen: Unterzeichnen Sie doch lieber endlich das Handelsabkommen, von dem unsere beiden Länder im Nu profitieren könnten.

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Donald Trump war gar nicht nett mit der Schweiz bei seinem WEF-Auftritt.
Foto: keystone-sda.ch

Und nein, Herr Trump, eine Premierministerin, wie Sie sagten, haben wir nicht in der Schweiz. Dafür eine Finanzministerin, die sich in ihrer damaligen Funktion als Bundespräsidentin bei Ihnen telefonisch gemeldet hatte, um über die angekündigten Strafzölle zu verhandeln. «Aggressiv» sei sie gewesen, ihnen «gegen den Strich gegangen», sagen Sie vor versammeltem WEF-Publikum im Gastgeberland Schweiz. Offenkundig passten Ihnen die helvetischen CEOs, die mit Goldbarren und Rolex-Uhren im Weissen Haus auftauchten, besser als der Anruf von Karin Keller-Sutter (62).

«Wunderschön» sei die Schweiz, wenn man drüberfliege. Sie mögen unser Land offenbar. Verstehen tun Sie es offenkundig nicht.

Trumps Keller-Sutter-Bashing in voller Länge
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«Sie ging mir auf die Nerven»:Trumps Keller-Sutter-Bashing in voller Länge

Trumps grosses Grönland-Missverständnis

Genau so wenig wie die Grönland-Situation. Denn auch da liegen Sie falsch, Herr Trump. Dass Dänemark die riesige Insel nicht alleine gegen einen russischen oder chinesischen Angriff verteidigen könnte, mag stimmen. Anders, als Sie behaupten, muss Dänemark dazu aber gar nicht in der Lage sein. Das hält der Nato-Vertrag (Artikel 3) wortwörtlich fest.

Für die Verteidigung Grönlands ist die Nato zuständig, zu der auch Sie gehören. Heute schon müssten Sie eingreifen, falls Wladimir Putin (73) oder Xi Jinping (72) der Insel zu nahe kämen. Heute schon wären Sie verpflichtet, Ihre Beistandspflicht wahrzunehmen. Man könne nichts verteidigen, das einem nicht gehört, sagten Sie am WEF. Drang da kurz der alte Immobilienunternehmer in Ihnen durch?

Immerhin versprechen Sie, keine militärische Gewalt für die Unterjochung Grönlands anzuwenden. «Ich könnte massive Gewalt anwenden, aber das werde ich nicht tun», sagten Sie am WEF. Soll das ein Trost sein? Ein Wiedergutmachungsversuch, um die verärgerte bis verängstigte Weltelite hier in Davos für die bevorstehenden bilateralen Treffen milde zu stimmen? Vielleicht sollten Sie einen Schritt weitergehen und aufhören, verächtliche Memes zu posten, die Sie als Herrscher über Grönland (und Kanada) zeigen.

Tipp für den nächsten WEF-Besuch

Bei einer ganzen Menge anderer Dinge lagen Sie in ihrer vierten WEF-Rede ebenfalls falsch, Herr Präsident. Es gibt kein Land namens «Aderbajan». Es stimmt nicht, dass China «gefährliche Windräder» nur an «dumme Kunden» verkaufe und selber gar nicht brauche. Sie haben auch nicht acht Kriege beendet.

Ob ihre ICE-Migrantenpolizisten wirklich Amerika vor Horden illegaler Bandenmitglieder befreien oder nicht eher unschuldige Mitmenschen brutal attackieren; ob Ihr Land tatsächlich wieder das «heisseste der Welt» ist; ob Sie wirklich «so viele Freunde in der Schweiz» haben – das lassen wir für den Moment mal so stehen.

Mr. President, die Schweiz scheint Ihnen wichtig. Europa auch. Sie betonen selbst, dass Sie zu 100 Prozent von hier stammen (Mutter aus Schottland, Vater aus Deutschland). Wir brauchen Sie als Verbündeten, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch, da liegen Sie goldrichtig.

Bevor Sie das nächste Mal nach Davos reisen, feilen Sie doch noch etwas mehr an Ihrer Rede. Passen Sie den Tonfall an. Streichen Sie 90 Prozent des Selbstlobs. Das haben Sie als mächtigster Mann der Welt nicht nötig. Reden Sie von uns nicht nur als abzockende Uhrenproduzenten, sondern als alpine Verbündete. Wenigstens ein paar neue Schweizer Freunde wären Ihnen sicher.

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