Darum gehts
- Der Franken erreichte am Dienstag 0,9255 Euro, stärkster Stand seit November
- Starker Franken erschwert Exporte, bleibt in Krisenzeiten sicherer Hafen
- SNB-Präsident Schlegel äussert sich nicht zu möglichen Marktinterventionen
Der Franken legt in einem verunsicherten geopolitischen Umfeld wieder einmal zu. Die Schweizer Währung stieg in Verlauf des Dienstags bis auf 0,9255 zum Euro. Ein derartiges Niveau wurde zuletzt Mitte November erreicht. Gegen den Dollar notiert der Franken mit 0,7903 so stark wie seit Mitte September nicht mehr.
«Das ist eine sehr schwierige Situation für Schweizer Exporteure», sagte Martin Schlegel, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), auf einem Podium am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos am frühen Dienstagabend. Er verwies auf die zuletzt täglich gestiegenen Kurse des Frankens.
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Ein starker Franken erschwert die für die Wirtschaft der Schweiz wichtigen Exporte. SNB-Exponenten sagten in der Vergangenheit oft, dass der Franken in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit als sicherer Hafen für Anleger gefragt bleiben dürfte.
Heikle Frage zu Marktinterventionen
Zur mehrfach gestellten Frage des Podium-Moderators am WEF, ob die SNB an den Märkten interveniert habe oder werde, um den Franken zu schwächen, ging Schlegel nicht ein. Er verwies lediglich auf die geldpolitischen Instrumente, die der SNB zur Verfügung stehen: die Leitzinsen und Markteingriffe. Schlegel erwähnte indes nicht die Möglichkeit von Negativzinsen oder die Bereitschaft der Währungshüter, bei Bedarf am Markt einzugreifen – Sätze, welche SNB-Direktoriumsmitglieder in Zeiten von Frankenaufwertrungen oft verwenden.
Die Zurückhaltung Schlegels am von US-Amerikanern dominierten WEF ist wohl darauf zurückzuführen, dass die SNB auf einer Liste von Ländern steht, die aus Sicht des US-Finanzministeriums ihre Währung nicht dem freien Markt überlassen, sondern sie zum Beispiel durch Devisenmarktinterventionen zum Vorteil der Wirtschaft steuern.
Gemeinsame Erklärung mit Amis
Im letzten September unterschrieben das Eidgenössische Finanzdepartement, die SNB und das US-Finanzministerium eine gemeinsame Erklärung in makroökonomischen und wechselkursbezogenen Fragen. Demnach werden beide Länder Wechselkurse nicht dazu benutzen, Zahlungsbilanzanpassungen zu verhindern oder sich unfaire Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.
In der Erklärung wurde indes auch festgehalten, dass eine Devisenmarktintervention für die SNB ein wichtiges geldpolitisches Instrument sei, um angemessene monetäre Rahmenbedingungen zu gewährleisten und die gesetzliche Aufgabe der Preisstabilität zu erfüllen.
Schlegel betonte am WEF-Podium, dass es sich dabei nicht um ein Abkommen handle, sondern um eine gemeinsame Erklärung – und dass der Inhalt der Erklärung lediglich das bestätige, was wir schon seit jahren mache. «Wenn wir an den Märkten intervenieren, hat dies mit Geldpolitik zu tun», und nicht damit, der Schweizer Wirtschaft einen Vorteil zu verschaffen.