Republikaner rebellieren gegen Trump und wollen «hart durchgreifen»
Bis zum grossen Aufstand fehlt nicht mehr viel

Trumps Appetit auf Grönland kommt selbst in seinen eigenen Reihen nicht überall gut an. Die republikanische Opposition wächst und spricht sogar schon vom «Ende seiner Präsidentschaft».
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Eine US-Delegation besuchte am Freitag Kopenhagen. Dabei waren auch die Republikaner Thom Tillis (Mitte, goldene Krawatte) und Lisa Murkowski (rechts, in Blau).
Foto: Getty Images

Darum gehts

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Guido FelderAusland-Redaktor

Wer Donald Trump (79) widerspricht, wird niedergewalzt. Das ist bei Emmanuel Macron (48) und Wolodimir Selenski (47) passiert, aber auch bei Karin Keller-Sutter (62). Umso bemerkenswerter ist es, dass nun Republikaner öffentlich den Aufstand wagen und sich wegen Trumps Grönland-Politik mit Europa solidarisieren.

Der interne Widerstand gegen den US-Präsidenten wird immer grösser. Republikaner reden sogar vom «Ende seiner Präsidentschaft», sollte Trump seine Drohung gegen Grönland wahr machen. Bis zu einem Impeachmentverfahren wäre es dann nicht mehr weit.

Lange konnte US-Präsident Donald Trump schalten und walten, wie er wollte – die Republikaner spendeten ihm Beifall. Doch bei Grönland hat er für viele die rote Linie überschritten. Am Freitag reisten die republikanischen Senatoren Thom Tillis (65) aus North Carolina und Lisa Murkowski (68) aus Alaska mit demokratischen Abgeordneten nach Kopenhagen. Ihr parteiübergreifendes Ziel: der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (48) ihre Solidarität kundzutun.

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Donald Trumps (79) eigenmächtige Politik verärgert immer mehr Republikaner.
Foto: AP

Republikaner wenden sich ab

Die beiden republikanischen Senatoren bezeichnen Trumps Grönland-Politik und die Strafzölle als «absurd» sowie «schlecht für Amerika, schlecht für die amerikanische Wirtschaft und schlecht für Amerikas Verbündete». Sie würde «Gegnern wie Putin und Xi dienen, die eine Spaltung der Nato anstreben».

Tillis und Murkowski sind nicht die einzigen Republikaner, die offen gegen Trump rebellieren. Seit Trump vor einem Jahr wieder ins Weisse Haus eingezogen ist, haben sich auch Senator Rand Paul (63) aus Kentucky sowie die Abgeordneten Thomas Massie (55) aus Kentucky, Brian Fitzpatrick (52) aus Pennsylvania und die am 5. Januar zurückgetretene Marjorie Taylor Greene (51) aus Georgia von ihm distanziert. Bei ihnen war vor allem Trumps Haushaltsplan ausschlaggebend, der die Reichen beschenkt und die Armen schröpft.

Versprechen gebrochen

Tatsächlich muss Trump aufpassen, dass er seine Wähler nicht verärgert. Philipp Adorf, USA-Experte an der Universität Bonn, sagt gegenüber Blick: «Es ist für Trump gefährlich geworden, weil er die Versprechen an die eigene Kernwählerschaft gebrochen hat.» So stünden die zaghafte Veröffentlichung der Epstein-Akten und nun die Eskalation militärischer Konflikte im deutlichen Widerspruch zu den Wünschen der MAGA-Stammwähler.

Ein militärischer Angriff auf ein Nato-Land kann daher erstmals dazu führen, dass sich Vertreter des republikanischen Establishments und MAGA-Abgeordnete im Kongress gegen Trump zusammenschliessen. «Mit seinem aktuellen Kurs droht Trump nahezu alle Flügel der republikanischen Partei gegen sich aufzubringen», meint Adorf.

Rufe nach Impeachmentverfahren

Der republikanische Abgeordnete Don Bacon (62) aus Nebraska glaubt sogar ans «Ende seiner Präsidentschaft», sollte Trump seine Drohungen gegen Grönland und Europa wahr machen. «Er muss nachgeben», meint Bacon, sonst müssten die Republikaner «hart durchgreifen».

Hart durchgreifen? Tatsächlich wird parteiintern laut Adorf bereits von einem Amtsenthebungsverfahren gesprochen. Erforderlich ist dazu die einfache Mehrheit des Repräsentantenhauses. Die Stimmen der Demokraten und einiger weniger Republikaner würden für die Einleitung eines Verfahrens also genügen.

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Arzt fordert Gesundheitscheck

Eine andere Möglichkeit wäre, Trump aus gesundheitlichen Gründen für amtsunfähig zu erklären. Jonathan Reiner, der Kardiologe des im November 2025 verstorbenen ehemaligen republikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney (†84), forderte am Dienstag den Kongress auf, eine Untersuchung zur «Eignung des Präsidenten» einzuleiten. Damit zielt der Arzt wohl auf Trumps psychische Verfassung, nachdem dieser eine Übernahme Grönlands mit dem verweigerten Friedensnobelpreis verknüpft hatte.

Bisher konnte die interne Kritik Trump nicht von seinen Plänen abhalten. Womöglich nimmt er sie gar nicht wahr. Adorf: «Er hat sich im engsten Kreis fast ausschliesslich mit loyalen Gefolgsleuten umgeben, sodass ihn offenbar kaum noch jemand darauf hinweist, wie sehr seine jüngste Politik unterschiedliche Lager der Partei entfremdet.»

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