Darum gehts
- Die Schweiz könnte sich um Olympische und die Paralympische Winterspiele 2038 bewerben
- Tabak- und Alkohollobby fordern strenge Regeln für rauch- und alkoholfreie Spiele
- Parlamentsentscheidung bis 2027 nötig, Millionen Zuschauer könnten neue Standards prägen
Ausnahmezustand in der Schweiz! 2038 könnte unser Land rund einen Monat im Rampenlicht der Welt stehen. Klappt alles, werden hier nacheinander die Olympischen und die Paralympischen Winterspiele stattfinden. Die Chancen auf den Zuschlag sind gut – wenn die Schweiz wirklich will.
Zieht sie die Bewerbung durch, geniesst sie beim Internationalen Olympischen Komitee eine Art Sonderstatus. Die Vernehmlassung des Bundesrats ist abgeschlossen, die Rückmeldungen fallen weitgehend positiv aus. Als Nächstes entscheidet das Parlament über einen sogenannten Grundsatz- und Planungsbeschluss. Bis Ende 2027 müsste dann das Projekt stehen.
Ausnahmezustand in der Schweiz? Vielleicht geht dieser noch viel weiter. Noch ist Olympia Zukunftsmusik. Doch einige Akteure sehen eine politische Chance: Sie wollen eine Veränderung in der Schweiz anstossen – der Grossanlass soll zum Versuchslabor für neue Vorschriften werden.
Da ist zum Beispiel die Anti-Tabak-Lobby. Sie fordert in der Vernehmlassung «konsequent rauchfreie Spiele» – ohne Ausnahmen, auch nicht für E-Zigaretten und andere Nikotinprodukte. Ein sehr striktes Tabakverbot soll ein Testlauf sein für grundsätzlich strengere Regeln. Auch andere wittern Morgenluft. Sie wollen etwa den Alkoholkonsum rund um die Spiele stark einschränken: mit höheren Preisen, weniger Verkaufsstellen und scharfen Werbevorschriften.
Der Rauch soll keinen Platz mehr haben
Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz, die Dachorganisation zur Förderung des Nichtrauchens, geht besonders weit. In ihrem Schreiben an den Bundesrat pocht sie auf ein «umfassendes, innovatives Konzept für rauchfreie Spiele».
Die Spiele könnten der Schweiz als Anstoss dienen, «um den veralteten Passivrauchschutz endlich dem europäischen Standard anzupassen». Die Organisation wünscht sich ein Umfeld, in dem der Qualm keinen Platz hat – nicht in Stadien, nicht in Fanzonen, nicht bei den staatlich mitgetragenen Anlässen.
Weiter verlangt die Lobby, dass sämtliche Produkte mit Tabak und Nikotin eingeschlossen werden. «Ohne Ausnahmen für vermeintlich harmlosere Produkte», sagt Wolfgang Kweitel von der Arbeitsgemeinschaft zu Blick.
Die Forderung zielt über den Anlass hinaus. Olympia soll nur der Anfang sein: Die Präventionsexperten wollen die Pilotmassnahmen «in dauerhafte Normen überführen, sodass diese zu nachhaltigen Standards werden».
«Das ist schlicht unvereinbar»
Kweitel setzt auf Signalwirkung. «Millionen junger Menschen verfolgen die Spiele und orientieren sich an den dort vermittelten Werten», sagt er. Daraus leitet er einen klaren Anspruch ab: «Sport und der Konsum von Tabak oder Nikotin sind unvereinbar.»
Die Organisation verweist auf frühere Spiele. Schon 1988 im kanadischen Calgary wurden Tabaksponsorings verboten und erste Nichtraucherzonen eingeführt.
Strenge Regeln gegen Alkoholkonsum
Und der Alkohol? Das Blaue Kreuz Schweiz will, dass an den Spielen möglichst wenig getrunken wird. Die Suchtorganisation fordert: Der Bundesrat müsse gesetzlich verankern, dass die Spiele «gesundheitsförderliche Verhaltensweisen» stärkten.
Sie verweist auf die gesundheitlichen Folgen des Alkoholkonsums. Ihre Forderung: «Um die Schäden einzudämmen, sind hohe Preise, geringe Verfügbarkeit und ein Marketingverbot die effektivsten Massnahmen.»
Und das Blaue Kreuz geht noch weiter. Die Olympia-Organisatoren sollen auf Sponsoringgelder aus Alkohol, Tabak und Nikotin verzichten. Der Bundesrat müsse auch dies ins Gesetz schreiben.
Nun ist die Politik am Zug. Sie muss entscheiden, welche Rolle ein Grossanlass wie Olympia spielen soll, um politische Anliegen voranzutreiben. Ob die Schweiz 2038 tatsächlich Gastgeberin wird, ist offen – und erst recht, ob die Spiele am Ende zum Katalysator für strengere Vorschriften rund um Tabak und Alkohol werden.