Darum gehts
- Blumensträusse für gewählte Politiker haben Tradition, auch in Winterthur ZH
- Grünen-Politikerin Frei Glowatz fordert Transparenz bei staatlichen Blumen-Deals
- Kleine Geschäfte setzen auf lokale Blumen ohne Pflanzenschutzmittel
Sags durch die Blume. Es gehört landauf, landab zum guten Ton in der Politik: Wer in ein Amt gewählt wird, bekommt einen Blumenstrauss überreicht. So war es kürzlich auch in Winterthur ZH. Noch-Stadtpräsident Michael Künzle (61) drückte den gewählten Stadträten feierlich einen Strauss in die Hände.
Doch jetzt werden die Blumensträusse in der zweitgrössten Stadt Zürichs zum Politikum. Grünen-Gemeinderätin Kathrin Frei Glowatz (58) will in einem Vorstoss wissen, wie die Blumen-Deals der Behörden ablaufen. Nach welchen Kriterien beschafft die Stadt die Blumen – und läuft dabei alles sauber ab?
Werden Betriebe benachteiligt?
Die Biodiversität – generell die Natur – sei ihr eine Herzensangelegenheit, sagt die Parlamentarierin. Gegenüber Blick spricht Frei Glowatz von «floralen Würdigungen». Fotos von Politikerinnen und Politikern mit Sträussen erschienen schliesslich prominent in den Medien. «Sie haben Vorbildcharakter und prägen unbewusst, was wir als schön wahrnehmen.»
Die Landschaftsarchitektin ist vom Fach: Sie unterrichtet Gärtnerinnen an einer Berufsschule, pflegt einen engen Kontakt mit der Branche. In ihrem Vorstoss fragt sie unter anderem: Werden die lokalen Geschäfte möglichst gleichmässig berücksichtigt? Oder greift die Verwaltung stets auf dieselben «zuverlässigen» oder «günstigen» Betriebe zurück?
Frei Glowatz beruft sich auf Gespräche mit Betrieben: Gerade kleinere, jüngere Geschäfte könnten häufiger zum Zug kommen. Denn einige von ihnen setzten bewusst auf einheimische Schnittblumen und verzichteten möglichst auf Pflanzenschutzmittel. Und selbst im Winter achteten sie darauf, zumindest auf europäische Ware zurückzugreifen, sagt sie. «Gleichzeitig berichten mir die Geschäfte, dass sie den Spardruck zunehmend spüren. Organisationen und Firmen achten stärker auf den Preis.»
Die Stadt sollte auf die Nachhaltigkeit achten, findet Frei Glowatz. «Wenn sie Blumen überreicht, muss sie damit auch ein Zeichen setzen.» Zuerst aber muss die Winterthurer Regierung nun Antworten liefern.