Darum gehts
- Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli holt dritten Stadtratssitz für seine Partei - auf Kosten der FDP
- SP-Kandidat Raphael Golta holt beim Stadtpräsidium Top-Resultat, verpasst aber das absolute Mehr
- SP, Grüne und Alternative Liste verteidigen hauchdünne Mehrheit im Stadtparlament
Die Stadt Zürich bleibt fest in linker Hand. Das zeigen die Wahlen vom Sonntag. Zwar fiel beim Zürcher Stadtpräsidium kein Entscheid. SP-Stadtrat Raphael Golta holte aber mit Abstand das beste Resultat und distanzierte FDP-Herausforderer Përparim Avdili deutlich. Nun kommt es am 10. Mai zu einem zweiten Wahlgang um die Nachfolge der abtretenden Corine Mauch (SP).
Raphael Golta machte im Rennen ums Stadtpräsidium 54'832 Stimmen, das absolute Mehr lag bei 57'562 Stimmen. Avdili erreichte 28’503 Stimmen.
Von den Kandidierenden des ersten Wahlgangs kann einzig Golta in der zweiten Runde antreten; alle übrigen schafften den Sprung in den Stadtrat nicht. Die anderen am Sonntag Gewählten, etwa FDP-Kollege Michael Baumer, dürften antreten.
Grünen-Glättli knöpft FDP Sitz ab
Auch im Stadtrat erreichte die Linke einen Erfolg. Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli holt für seine Partei einen dritten Sitz - auf Kosten der FDP. Diese verliert ihren zweiten Sitz und ist nur noch mit dem Bisherigen Michael Baumer im Stadtrat vertreten. FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger war nicht mehr angetreten.
Die SP verteidigt ihre vier Sitze problemlos und die GLP behält ihren einzigen Sitz. Neu sind sieben der neun Sitze in links-grüner Hand.
Für die SP neu gewählt wurden Nationalrätin Céline Widmer und Tobias Langenegger. Wiedergewählt wurden, neben Raphael Golta auch Simone Brander (SP), Daniel Leupi (Grüne), Karin Rykart (Grüne), Michael Baumer (FDP) sowie Andreas Hauri (GLP).
Bürgerliche gewinnen, Linke verteidigt Mehrheit
Auch der Gemeinderat bleibt in linker Hand. Die hauchdünne linke Mehrheit – 63 der 125 Sitze – bleibt im Stadtparlament bestehen. Die SP hat neu 41 Sitze (+4), die Grünen haben 14 Sitze (-4). Die Alternative Liste hat weiterhin acht Sitze.
Die Mitte holt sieben Sitze (+1), die GLP verliert zwei und kommt neu auf 15 Sitze. FDP und SVP gewinnen zwei Sitze. Die FDP hat neu 24 Sitze, die SVP kommt auf 16. Die EVP fliegt aus dem Gemeinderat, sie erreichte die 5-Prozent-Hürde nicht.
Auch in Winterthur gibt es einen zweiten Wahlgang
Auch in Winterthur gibt es noch keinen neuen Stadtpräsidenten. Kaspar Bopp (SP) und Stefan Fritschi (FDP) müssen in einen zweiten Wahlgang. Dieser dürfte wieder zur Zitterpartie werden. Das Kopf-an-Kopf-Rennen endete am Sonntag mit einem hauchdünnen Vorsprung von 671 Stimmen - für Bopp. Er verpasste aber das absolute Mehr. SP-Mann Bopp galt in der eher linken Stadt als klarer Favorit und wurde von Fritschi auf den letzten Metern noch eingeholt.
Im Winterthurer Stadtrat konnte die GLP ihren Sitz nicht verteidigen. Sie fliegt aus der Stadtregierung. Dafür hat die FDP neu zwei Sitze. Die Mitte und die Grünen haben weiterhin einen Sitz. Die SP behält ihre drei Sitze.
Zürich wird noch linker: Grüne schnappen FDP Sitz weg
Die - ohnehin - linke Zürcher Stadtregierung rutscht noch etwas stärker nach links. Die FDP verliert ihren zweiten Sitz. Er geht an die Grünen. Diese haben neu drei Sitze. Die SP kann ihre vier Sitze halten. Sieben der neun Sitze sind somit neu in links-Grüner Hand.
Unter den neun Stadträten befindet sich neben dem verbleibenden FDP-Mann Michael Baumer nur noch GLP-Vertreter Andreas Hauri, der nicht der SP oder den Grünen angehört.
Ein Spitzenresultat holte SP-Nationalrätin Céline Widmer. Sie erreichte auf Anhieb Platz 3. Für die Grünen holt Nationalrat Balthasar Glättli den dritten Sitz - auf Platz 7.
FDP-Stadtpräsidiumskandidat Përparim Avdili landete auf Platz 10. Er erreichte das absolute Mehr, scheidet aber als Überzähliger aus. Alle erneut antretenden Bisherigen wurden wiedergewählt. Das beste Ergebnis holte SP-Stadtpräsidentenkandidat Raphael Golta.
In den Zürcher Stadtrat gewählt sind:
Raphael Golta (SP, bisher): 70'478 Stimmen
Daniel Leupi (Grüne, bisher): 63'961 Stimmen
Céline Widmer (SP, neu): 61'817 Stimmen
Simone Brandner (SP, bisher): 61'512 Stimmen
Karin Rykart (Grüne, bisher): 58'450 Stimmen
Tobias Langenegger (SP, neu): 55'352 Stimmen
Balthasar Glättli (Grüne, neu): 54'889 Stimmen
Michael Baumer (FDP, bisher): 52'644 Stimmen
Andreas Hauri (GLP, bisher): 51'187 Stimmen
Zürcher Stadtpräsidium: SP-Mann Golta holt Top-Resultat, verpasst aber absolutes Mehr
Bei der Wahl zum Zürcher Stadtpräsidium ist am Sonntag noch keine Entscheidung gefallen. SP-Stadtrat Raphael Golta erzielte zwar die meisten Stimmen, verfehlte aber das absolute Mehr. Zweiter Wahlgang ist am 10. Mai.
Golta holte 54'832 Stimmen, das absolute Mehr lag bei 57'562 Stimmen. FDP-Herausforderer Përparim Avdili erreichte 28'053 Stimmen, SVP-Mann Ueli Bamert 15'072. Noch weiter abgeschlagen ist GLP-Kandidatin Serap Kahriman mit 10'602 Stimmen.
SP kann auch in Winterthur zulegen
Die SP gewinnt in Winterthur zwei Sitze und hat neu 17 Sitze. Damit ist sie weiterhin stärkste Kraft. Insgesamt gibt es keine grossen Verschiebungen zwischen Bürgerlichen und Links-Grün, auch wenn es bei einzelnen Parteien Verschiebungen gibt.
Auch die SVP kann zulegen: Sie hat neu 10 Sitze (+1). Die FDP verliert einen Sitz und kommt auf 8, die GLP hat neu sieben Sitze (-1). Die Grünen sind bei sechs Sitzen (-2).
Die Mitte legt um einen Sitz zu (neu: 5), während die EVP einen Sitz verliert (neu: 3). Die Alternative Liste gewinnt einen Sitz (neu: 3). Die EDU bleibt bei einem Sitz.
Linke behält Mehrheit im Zürcher Gemeinderat - Grüne verlieren
Links-Grün kann in Zürich die knappe Mehrheit halten. SP, Grüne und Alternative Liste kommen zusammen auf 63 der 125 Sitze.
Siegerin ist die SP. Sie gewinnt vier Sitze. Neu kommt sie auf 41 Sitze.
Die EVP fliegt aus dem Parlament. Die Mitte holt sieben Sitze (+1), die GLP verliert zwei und kommt auf 15 Sitze. FDP und SVP gewinnen zwei Sitze, die Grünen verlieren vier. Die Alternative Liste hat weiterhin acht Sitze.
«Gemischte Gefühle» bei FDP-Mann Avdili
FDP-Kandidat Perparïm Avdili zählt zu den Verlieren der Stadtzürcher Wahlen. Der FDP-Präsident verpasst wohl die Wahl in den Stadtrat und ins Stadtpräsidium. Er sprach gegenüber der Nachrichtenagentur SDA von «gemischten Gefühlen», weil die FDP im Parlament zulegen dürfte.
Nach 7 von 9 Wahlkreisen lag Avdili rund 3000 Stimmen hinter Andreas Hauri (GLP), der auf Platz 9 die Wiederwahl schaffen dürfte. Avdili wird zwar wohl das absolute Mehr erreichen, würde aber als Überzähliger nicht in den Stadtrat einziehen.
Beim Rennen um das Stadtpräsidium lag der FDP-Mann weit hinter Raphael Golta (SP) bei dem nur noch offen ist, ob er das absolute Mehr schafft. Golta rechnet mit einem zweiten Wahlgang. Avdili könnte nicht mehr antreten, wenn er den Sprung in den Stadtrat nicht schafft. Die anderen Gewählten, etwa FDP-Kollege Michael Baumer, dürften antreten.
Problemlos schaffen es die Neuen Céline Widmer und Tobias Langenegger (beide SP) und Balthasar Glättli (Grüne) in den Stadtrat. Widmer liegt derzeit sogar auf Platz 3. Sie sieht ihre Wahl als «Zeichen gegen den weltweiten reaktionären Backlash». Glättli dürfte der FDP einen Sitz abluchsen. Er will nun «grüne Akzente setzen».
Zürcher Stadtrat: Sieben von neun Wahlkreise ausgezählt
In der Stadt Zürich sind bei den Stadtratswahlen sieben von neun Kreise ausgezählt. Am Resultat hat sich nichts geändert: Die SP dürfte vier Sitze holen - wie bisher. Die Grünen dürften einen dritten Sitz machen, auf Kosten der FDP, die künftig nur noch mit einem Sitz im Stadtrat vertreten sien könnte. Die GLP hätte, Stand jetzt, weiterhin einen Sitz.
Auch beim Rennen ums Stadtpräsidium bestätigt sich das bisherige Bild: SP-Stadtrat Raphael Golta ist auf dem besten Weg zum neuen Zürcher Stadtpräsidenten. Er distanziert Herausforderer Përparim Avdili von der FDP klar. Golta ist aber unter dem Absoluten Mehr. Ein zweiter Wahlgang würde somit nötig.
FDP holt zweiten Sitz in Winterthurer Stadtrat
Die FDP kann im siebenköpfigen Winterthurer Stadtrat einen Sitz gewinnen und hat neu zwei Sitze. Die SP hat weiterhin drei Sitze, die Grünen und die Mitte einen. Die GLP scheidet aus dem Rat aus. Ihr Kandidat erreichte zwar das Absolute Mehr, scheidet aber als überzählig aus.
Das sind die Gewählten:
Stefan Fritschi (FDP, bisher): 22'322 Stimmen
Kaspar Bopp (SP, bisher): 21'943 Stimmen
Nicolas Galladé (SP, bisher): 21'117 Stimmen
Martina Blum (Grüne, bisher): 20'734 Stimmen
Christa Meier (SP, bisher): 16'944 Stimmen
Andreas Geering (Mitte, neu): 16'392 Stimmen
Romana Heuberger (FDP, neu): 16'278 Stimmen
In Winterthur kommt es zum zweiten Wahlgang
Winterthur hat noch keinen neuen Stadtpräsidenten: Weder SP-Kandidat Kaspar Bopp noch FDP-Kandidat Stefan Fritschi haben das absolute Mehr von 16'885 Stimmen geknackt. Der zweite Wahlgang findet am 10. Mai statt.
SP-Mann Bopp holte 15'843 Stimmen, FDP-Kandidat Stefan Fritschi 15'172. Zum zweiten Wahlgang kommt es auch, weil weitere Kandidaten insgesamt 2'754 Stimmen holten.
Klar ist schon jetzt: Dass Fritschi in der Woche vor den Wahlen mit einem Streik der Busfahrer konfrontiert war, schadete ihm nicht - im Gegenteil. Bopp galt in der traditionell eher linken Stadt als Favorit. Fritschi konnte aber tüchtig aufholen.
Stadtpräsident Michael Künzle (Mitte) tritt nach 14 Jahren im Amt nicht mehr an. (SDA)
Zürcher Gemeinderat: EVP muss um Einzug zittern
Die EVP könnte aus dem Stadtzürcher Gemeinderat fliegen. In ihrem besten Wahlkreis liegt sie knapp unter der nötigen 5-Prozent-Marke. Die Mitte schaffte den Einzug wieder.
In Schwamendingen reichte es gemäss den offiziellen Zahlen für die EVP nur für 4,95 Prozent. Vor vier Jahren holte die Partei dort noch 7,5 Prozent der Stimmen. Auch im Kreis 11 liegt die christliche Partei mit 2,6 Prozent deutlich hinter dem Resultat von 2022.
Noch fehlen die Zahlen aus vier Wahlkreisen. In diesen schnitt die EVP aber bisher immer schlechter ab als in den Kreisen 11 und 12. Im Parlament ist sie mit drei Sitzen vertreten.
Die zweitkleinste Partei im Rat, die Mitte, kam in den Kreisen 11 und 12 sowie 7 und 8 auf über fünf Prozent und ist sicher wieder vertreten. Sicher im Parlament sind auch SP, Grüne, FDP, SVP, GLP und AL.
Zürich: Golta weiterhin vorne, aber unter absolutem Mehr
Auch nach fünf von neun ausgezählten Wahlkreisen liegt SP-Kandidat Raphael Golta im Kampf ums Stadtpräsidium klar vorne. Mit 30'144 Stimmen distanziert er Përparim Avdili (FDP, 17'507 Stimmen) und Ueli Bamert (SVP, 9'254 Stimmen) deutlich. Das Absolute Mehr erreicht Golta aber nicht. Ein zweiter Wahlgang zeichnet sich derzeit ab. GLP-Kandidatin Serap Kahriman ist mit 5'906 Stimmen abgeschlagen auf dem vierten Platz.