Total-Schlamassel in Zürich
FDP verliert zehntausende Franken wegen Wahlheftli-Puff

Wahlkampf-Desaster in Zürich: Das Lokalmagazin «Tsüri» lieferte Wahlzeitungen mit Parteiinseraten falsch oder gar nicht aus. Besonders Grosskundin FDP klagt über finanzielle Verluste – und droht mit rechtlichen Konsequenzen.
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Der Zürcher Wahlkampf geht in die heisse Phase.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Zürcher Parteien klagen über falsche oder fehlende Wahlmagazine
  • FDP investierte über 22'000 Franken, überlegt juristische Klärung nach Wahl
  • Inserate kosteten bis 7500 Franken, Rabatt von 25 Prozent angeboten
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Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Es schien wie ein Hammerangebot: Das Lokalmagazin «Tsüri» offerierte den Zürcher Parteien und Kandidierenden grosszügige Inserate-Slots in einer Sonderzeitschrift. Fünf Wochen vor den Stadt- und Gemeinderatswahlen am 8. März sollte sie in jeden Zürcher Haushalt gelangen – in angepassten Versionen für alle neun Wahlkreise.

Nur: Statt Werbeglück und Stimmenfang kassierten die Inserenten bisher vor allem eine teure Rechnung! Zahlreiche Haushalte erhielten die falschen Ausgaben oder gingen gleich ganz leer aus. Bei der Zürcher FDP überlegt man sich aufgrund des Riesen-Schlamassels bereits den Gang vors Gericht, wie Blick weiss.

Viele Betroffene wurden nicht informiert

500 Franken zahlten Kandidatinnen und Kandidaten der Gemeinderatswahlen für ein Kurzporträt im Spezialheftchen mit redaktionellen Inhalten. Die Parteien durften für ein ganzseitiges Inserat gar 7500 Franken lockermachen. Buchen konnten sie ihre Slots auf einer eigens eingerichteten Online-Plattform.

Als dann Anfang Februar vielerorts die Briefkästen leer blieben, machte sich erstmals Verwunderung breit. Doch viele Betroffene wissen bis heute nicht, was Sache ist.

«Ich wollte lieber in den regionalen Medien inserieren, statt bei Google und Facebook», sagt etwa Christine Huber (41), Gemeinderätin für die GLP im Kreis 9. Das Angebot von «Tsüri» wirkte dementsprechend sehr sympathisch auf die Grünliberale.

FDP wurde Rabatt angeboten

Als Huber das Inserat bestellte, wurde ihr eine Auslieferung der Sonderbeilage Anfang Februar zugesichert. Nun sind es nur noch wenige Tage bis zum Wahlsonntag – und von der Wahlzeitung fehlt im Kreis 9 praktisch jede Spur. Nur die Rechnung flatterte bereits ins Haus. «Ich bin sehr enttäuscht», sagt Huber. «Natürlich werde ich den Betrag dennoch bezahlen. Meine Mitgliedschaft bei ‹Tsüri› werde ich aber kündigen.»

Persönlich hat sich das Magazin noch nicht bei Huber gemeldet. Sie wolle nun bei ihrem Parteisekretariat nachfragen, ob man sich gesamthaft für einen Rabatt einsetzen soll.

Eine der grössten Inserentinnen hat einen solchen nämlich bereits angeboten erhalten: «Uns wurde von ‹Tsüri› eine Vergünstigung um 25 Prozent angeboten», teilt Patrik R. Brunner, Wahlkampfleiter der FDP Zürich, mit. «Wir werden dies aber wahrscheinlich ablehnen. Es reicht nicht als Wiedergutmachung.» Die Stadtpartei habe insgesamt über 22'000 Franken in das Magazin gesteckt. «Die dafür versprochenen Leistungen wurden nicht erfüllt», so Brunner.

Magazin ist sich Panne bewusst

Bei «Tsüri» will man derweil nichts von einem Total-Ausfall wissen. «Mit dem Sondermagazin leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Mobilisierung für die Zürcher Wahlen», teilt das Magazin auf Blick-Anfrage mit. «Für die Zustellung der Sondermagazine haben wir mit einer professionellen Verteilungsfirma zusammengearbeitet.» Dabei sei es zu «einzelnen Ausfällen» gekommen.

Nur: Als die Sonderausgabe beworben wurde, schrieb «Tsüri» noch, dass die Zeitungen mittels Promopost – also über den Postversand – in die Haushalte sollen. Bei Wahlwerbung umgehen dabei die Pöstlerinnen und Pöstler gar die «Stopp Werbung»-Kleber – jedoch nur, wenn der Absender eine anerkannte politische Organisation ist.

Bei «Tsüri» schien man darüber aber nicht im Bilde gewesen zu sein: «Im Januar wurde die Zustell-Zusage via Promopost von der Post unerwartet mit der Begründung zurückgezogen, dass diese Dienstleistung ausschliesslich Komitees und Parteien gewährt werde», schreibt das Lokalmedium.

«Zeitdruck» sei schuld

«Aufgrund des dadurch entstandenen Zeitdrucks» habe man auf eine andere Verteilfirma ausweichen müssen. Das Unternehmen habe aber eine flächendeckende Austeilung versprochen – inklusive GPS-Tracking. «Uns war bewusst, dass die Auslieferung auf diesem Weg etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen würde als mit der Post», so «Tsüri». Es handle sich beim Projekt um einen ersten Versuch. «Wir stehen weiterhin im direkten Austausch mit den Parteien und sind sicher, dass wir die Situation konstruktiv klären können.»

Zumindest bei der FDP tönt die Lösungssuche bisher jedoch alles andere als konstruktiv. «Wir überlegen uns, juristische Schritte einzuleiten», sagt Brunner. Definitiv entschieden würde dies in der Woche nach den Wahlen.

«Offensichtlich sind vor dem Versand gewisse Abklärungen nicht getätigt worden», so der Wahlkampfleiter. Zudem habe die zuständige Verteilfirma besonders an den Grenzen der Wahlkreise die Zeitungen äusserst willkürlich ausgeliefert.

Denn: «Die Postleitzahl-Zonen der Kreise sind nicht immer identisch mit den tatsächlichen Wahlkreisen.» So sei die Auslieferung bei einigen Haushalten entweder ganz ausgefallen oder es landete die Ausgabe aus dem falschen Wahlkreis im Briefkasten.

Vor allem FDP und GLP betroffen

Besonders gross ist der Frust, weil die FDP und das links orientierte Magazin «Tsüri» das Heu politisch schon grundsätzlich nicht auf derselben Bühne haben. «Wir haben nur wegen des flächendeckenden Versands überhaupt inseriert und im Gegenzug auf gewisse andere Werbemöglichkeiten verzichtet», sagt Brunner.

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Die Verärgerung über das linke Lokalmedium zeigt sich auch bei Parteikollegen. «Tsüri» inszeniere sich Tag für Tag «als moralische Instanz der Stadt Zürich», schreibt etwa FDP-Kandidat Matthias Engel über X. Dabei sitzt bei ihm der Ärger wegen der «Abzocke» im Kreis 9 doppelt tief: Seine Partnerin ist GLP-Kandidatin Christine Huber.

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