Darum gehts
- In Zürich wird am 8. März über Regierung und Parlament entschieden
- AL kritisiert SP für Gentrifizierung und mangelnde Unterstützung bei Initiativen
- Linke Mehrheit im Parlament hängt an einer Stimme, SP hat 37 Sitze
In Zürich tobt der Wahlkampf. Am 8. März entscheidet sich, wer die Stadt regiert und wer im Parlament sitzt. Seilschaften, die während der wöchentlichen Arbeit im Gemeinderat gelten, sind während des Wahlkampfes plötzlich weniger wert. Die Alternative Linke (AL) gilt als «kleine Schwester» der SP. Zusammen mit den Grünen haben sie eine hauchdünne Mehrheit.
Doch AL-Fraktionschef David Garcia Nuñez kritisiert in einem Interview mit dem Onlineportal «Tsüri» auch die SP. Man habe zwar viele Gemeinsamkeiten und würde gut zusammenarbeiten, sagte AL-Fraktionschef David Garcia Nuñez. «Doch manchmal benimmt sich die SP, als wären wir eine Hilfstruppe, die einfach zu folgen hat.»
Er nennt als Beispiel eine Initiative für mehr Ferien für Schichtarbeitende, die die SP blockiert hat. Oft würde die AL Ideen lancieren, «beziehen dafür Prügel und erleben dann, wie sie später von der SP als eigene verkauft werden». Doch auch die AL stimmt in Zürich ab und an gegen SP und Grüne, so zum Beispiel beim Kauf des Uetlihofs.
«Die SP hat die Gentrifizierung gefördert»
Auch beim Thema Wohnen sieht Garcia Nuñez die Rolle der Schwester kritisch. «Die SP hat die Gentrifizierung zugelassen und gefördert», sagt er im Interview mit dem Onlineportal. Die aktuelle Strategie, mehr Boden zu kaufen, genüge nicht. Stattdessen müsse die Stadt mehr für Menschen mit niedrigem Einkommen bauen.
Die Entscheidung in Zürich fällt am 8. März. Gleich mehrfach dürfte es spannend werden. Hält die linke Mehrheit von SP, Grünen und AL im Stadtparlament? Gegenüber Mitte-Rechts haben sie nur eine Stimme Mehrheit. Die Linken müssten dann wohl häufiger die GLP ins Boot holen und noch geschlossener auftreten.
Nationalräte wollen in die Stadt
In der neunköpfigen Zürcher Regierung werden drei Sitze frei. Die grosse Frage ist, ob die FDP den Sitz des abtretenden Filippo Leutenegger (73) verteidigen kann. Gelingt das nicht, könnte die linke Stadtregierung gestärkt werden.
In die Stadtregierung wollen auch zwei Nationalräte: Der ehemalige Grünen-Präsident Balthasar Glättli (54) und SP-Politikerin Céline Widmer (47) bewerben sich ebenfalls und haben gute Chancen, den Einzug auch zu schaffen.
Beim Stadtpräsidium hat Raphael Golta (50) die beste Ausgangslage, das Präsidium von der abtretenden Corine Mauch (65) zu übernehmen. Die Umfragen sehen ihn deutlich vor FDP-Mann Përparim Avdili (38), der einen sehr lauten Wahlkampf führt, aber selbst um den Einzug in die Stadtregierung kämpfen muss.