Wegen massiver Kostenexplosion
Höhere Hürden für Psychotherapie

Die Kosten für psychologische Psychotherapie sind deutlich angestiegen. Nun zieht die nationalrätliche Gesundheitskommission die Notbremse und will die Zugangshürden zu Psychotherapien erhöhen. Gegner warnen vor einem gesundheitspolitischen Rückschritt.
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Die nationalrätliche Gesundheitskommission will die Hürden für Psychotherapie erhöhen.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Gesundheitskommission will Zugang zu psychologischen Psychotherapie erschweren wegen steigender Kosten
  • Therapieausgaben stiegen seit 2022 von 528 auf 922 Millionen Franken
  • Linke kritsierte Entscheid als gesundheitspolitischen Rückschritt
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Ruedi StuderBundeshaus-Redaktor

Die Zahlen sind erschreckend: Jede zweite Person ist im Lauf ihres Lebens selbst von einer psychischen Erkrankung betroffen. So rechnet der nationale Gesundheitsbericht 2025 damit, dass 20 bis 40 Prozent der Bevölkerung im Lauf ihres Lebens einmal an einer Depression erkranken. Auch die psychische Belastung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat zugenommen. Neben Präventions- und Gesundheitsförderungsmassnahmen müsse auch eine bedarfsgerechte, zugängliche und qualitativ hochwertige Versorgung sichergestellt werden, kommt die Untersuchung zum Schluss. 

Die nationalrätliche Gesundheitskommission zieht nun aber in eine ganz andere Richtung: Sie will den Zugang zur psychologischen Psychotherapie wieder erschweren, um die Kostenexplosion zu bremsen. Seit Mitte 2022 gilt ein vereinfachtes Abrechnungsmodell, wonach Psychotherapeuten auf ärztliche Anordnung hin – etwa durch einen Hausarzt – ihre Leistungen selbständig und auf eigene Rechnung zulasten der Grundversicherung abrechnen können. Innerhalb von drei Jahren sind die Kosten damit von 528 auf 922 Millionen Franken gewachsen.

«Symptome ohne Krankheitswert»

Gemäss Insidern führt das neue Modell dazu, «dass bei geschätzten insgesamt 5 bis 7 Millionen Therapiestunden pro Jahr heute in vielen Fällen Symptome ohne Krankheitswert – namentlich Alltagsprobleme – behandelt würden», schreibt die Gesundheitskommission dazu. Die Hiobsbotschaft zum Kostenanstieg 2025 und 2026 stehe noch bevor, hält sie weiter fest – und zieht angesichts dieser Entwicklung die Notbremse.

Mit einer Motion verlangt die bürgerliche Kommissionsmehrheit, dass bei Therapiebeginn eine gesicherte medizinische Diagnose vorliegen muss, die ein Psychiater gestellt hat. Davon erhofft sich die Kommission nicht nur eine Dämpfung des Kostenwachstums, vielmehr soll auch «die Steuerung des Therapieangebots und der Zugang für Menschen mit schwereren psychischen Erkrankungen verbessert werden».

Eine links-grüne Minderheit wehrt sich gegen den Vorstoss. «Diese Motion ist gesundheitspolitisch ein Rückschritt», sagt SP-Nationalrätin Sarah Wyss (38, BS) zu Blick. «Ausgerechnet Menschen, die psychische Hilfe brauchen, sollen künftig noch länger warten und eine zusätzliche Hürde überwinden. Das verschärft bestehende Versorgungsprobleme, statt sie zu lösen.»

Es sei auch ökonomisch kurzsichtig. «Wer heute den Zugang zur Psychotherapie erschwert, riskiert morgen schwerere Erkrankungen und höhere Folgekosten», so Wyss. «Kostenpolitik auf dem Rücken von Menschen mit psychischen Erkrankungen ist der falsche Weg.»

Höhere Tarife und steigende Inanspruchnahme

Die im Juni präsentierte Evaluation zum aktuell geltenden Modell ortet denn auch verschiedene Ursachen für den massiven Kostenanstieg. Rund 30 Prozent des Kostenwachstums sind demnach auf höhere Tarife zurückzuführen. Knapp 25 Prozent können durch einen langfristigen Trend zur steigenden Inanspruchnahme psychotherapeutischer Leistungen sowie durch das Bevölkerungswachstum erklärt werden.

Rund 45 Prozent des Kostenzuwachses hingegen würden auf andere Faktoren entfallen, etwa auf die Verlagerung aus dem Selbstzahler- und Zusatzversicherungsbereich in die Grundversicherung.

Der Bundesrat hat damals zur Untersuchung verkündet, dass er angesichts der hohen Mehrkosten die Kostenentwicklung weiter beobachten und das jährliche Kostenmonitoring fortführen will.

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