Chefarzt für Psychiatrie gibt vier Tipps
So bleibst du im Job mental gesund

Lange Arbeitszeiten, viele Ablenkungen und die digitale Vernetzung sind nur einige Auslöser für psychische Belastung und Krankheitsausfälle am Arbeitsplatz. Thomas Ihde, Chefarzt für Psychiatrie, gibt Tipps, mit denen du dem Stress im Beruf entgegenwirkst.
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Im internationalen Vergleich sind die Arbeitszeiten in der Schweiz lang. Vielen bleibt kaum Zeit für ausgleichende Tätigkeiten.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Stress und Krankheitstage nehmen aufgrund von psychischer Belastung zu
  • Die digitale Arbeitswelt beansprucht die mentale Gesundheit enorm
  • Prioritäten setzen und Nein sagen hilft, Stress zu reduzieren
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Jana GigerRedaktorin Service

Kurzfristige Deadlines, hohe Belastung und der permanente Druck, nicht alles rechtzeitig zu schaffen: Die Krankheitstage aufgrund von psychischer Belastung nehmen zu. «Ein Grund ist, dass wir in der digitalisierten Arbeitswelt vor allem mental gefordert werden», sagt Thomas Ihde, geschäftsführender Chefarzt Psychiatrie der Spitäler fmi AG.

Wir sind mit einem viel grösseren Kreis an Menschen vernetzt und werden ständig abgelenkt – sei es durch 20 geöffnete Tabs oder Fragen von Arbeitskollegen. Das führt laut Experte zu einem erhöhten Energieverbrauch und dadurch zu mehr Erschöpfung. So schützt du dich.

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Eine Stunde zusätzlich ins Hobby investieren

Das sei nicht ganz einfach, sagt Ihde. «Viele Menschen sind in einem Hamsterrad gefangen und machen in Phasen mit hoher Belastung genau das Gegenteil: Der Stress nimmt zu und die Zeit für Hobbys nimmt ab.» Im internationalen Vergleich sind die Arbeitszeiten in der Schweiz lang. Den Menschen bleibt weniger Zeit für ausgleichende Tätigkeiten. Wenn 80 Prozent der Energie ins Arbeitsleben fliessen und nur 20 Prozent in die Freizeit, dann ist man gemäss Experte verletzlicher und anfälliger für psychische Erkrankungen. «Damit man dem Druck standhalten kann, braucht es hin und wieder eine Pause.» Das heisst, wenn der Stress zunimmt, soll man sich präventiv eine Stunde mehr Zeit nehmen für ein Hobby.

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Prioritäten setzen

Um einen Weg aus dem Hamsterrad zu finden, ist es gemäss Experte sinnvoll, eine zweite Meinung einzuholen und mit dem Partner, einer Freundin, dem Hausarzt oder einer Psychotherapeutin zu sprechen. «Der Blick von aussen kann helfen, herauszufinden, was den Stress im eigenen Leben verursacht.» Es gebe heutzutage von allem zu viel. Die Herausforderung sei es, sich auf das Zentrale zu fokussieren. 

Ihde sagt: «Damit sich die Arbeitsmenge nicht kontinuierlich ausdehnt, sollte man auch im Beruf Prioritäten setzen und nicht vor einem Gespräch mit dem Vorgesetzten zurückschrecken.» Das Ziel? Gemeinsam herauszufinden, welche drei oder vier Tätigkeiten in einer stressigen Phase unabdingbar seien. Dann könne man die Energie in die wichtigen Aufgaben investieren und bei Aufgaben sparen, die als «nice to have» gelten. Wenn ein Auftrag dazukommt, rät der Experte, nachzufragen, was dafür wegfallen könne.

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Auch mal Nein sagen

Eine Aufgabe abzulehnen, falle vielen Menschen schwer, sagt Ihde. «Es geht dabei aber nicht um Schlagfertigkeit, sondern um Ehrlichkeit. Man darf nach einem Ja die Meinung ändern.» Es sei keine Schande, der Chefin oder dem Chef zu sagen, dass man es sich nochmals überlegt habe und das Projekt sehr spannend finde, die eigenen Kapazitäten aber nicht ausreichend seien dafür. Menschen, die besonders Mühe haben, Nein zu sagen, rät der Experte, in kleinen Schritten anzufangen und zu beobachten, ob die Reaktionen tatsächlich so negativ ausfallen, wie man befürchtet.

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Die mentale Flexibilität trainieren

«Die Gedanken haben einen Einfluss auf das Stressempfinden», sagt Ihde. In stressigen Situationen könne es helfen, belastende Gedanken zu hinterfragen. Ein Beispiel kann die schroffe Art der Chefin sein, die einen selbst belastet, während sie dem Arbeitskollegen scheinbar nichts ausmacht. Wie beurteilt der Kollege wohl die Situation? «Wichtig ist auch, darauf zu achten, wie man selbst über sich denkt», so der Experte. Es sei ein grosser Unterschied, ob man zu sich selbst sagt: «Ich bin ein Versager», oder ob man denkt: «Ich habe im Moment bloss den Gedanken, ein Versager zu sein.»

Dieser Artikel wurde erstmals im Oktober 2024 veröffentlicht.

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