Umweltschützer werben mit KI
Mitleid aus der Maschine

Greenpeace, Public Eye und weitere NGOs sammeln mit KI-Bildern Unterschriften für das Referendum gegen das Freihandelsabkommen mit Malaysia. Das sei «nicht ideal», räumt die Kampagnenleiterin jetzt ein.
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KI-generiertes Mitleid: Mit dieser Szene sammelt die Allianz gegen Regenwald-Abholzung Unterschriften für das Referendum gegen das Freihandelsabkommen mit Malaysia.
Foto: regewald-retten.ch
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Peter HossliReporter & Leiter Journalistenschule

Kullernde Affenaugen blicken in die Kamera, als bettelten sie um Mitleid. Das Äffchen hängt am Rücken eines erwachsenen Tiers. Herzzerreissend, was sich hinter den beiden Orang-Utans abspielt: Der Regenwald lodert, ihre Heimat brennt.

Mit dieser Szene sammelt die Allianz gegen Regenwald-Abholzung Unterschriften für das Referendum gegen das Freihandelsabkommen mit Malaysia. Auf ihrer Website und auf Instagram inszeniert das Bündnis um Public Eye, Swissaid oder Greenpeace den Konflikt als Notfall: Hier die bedrohte Natur, dort ein Abkommen, das die Zölle für 12’500 Tonnen Palmöl senkt und damit, so die Allianz, die Abholzung befeuert.

Nur: Die Szene gibt es nicht. Sie ist künstlich erzeugt. Das Mitleid stammt aus der Maschine.

Auf weiteren Bildern der Kampagne zersägen Menschen Bäume und ernten Palmfrüchte, Tiere entfliehen dem brennenden Wald – alles fotorealistisch aus dem Rechner. Zu sehen ist auch ein Jaguar, eine Raubkatze, die in Malaysia nicht vorkommt.

Die Welt, wie sie gesehen werden soll

«Die Bilder auf dieser Website wurden mit KI generiert», steht im Kleingedruckten. «Sie dienen der Veranschaulichung realer Situationen und Auswirkungen.» Die Allianz zeigt die Welt demnach so, wie sie gesehen werden soll.

Bei einer NGO-Allianz wiegt das schwerer als bei herkömmlicher Werbung. Diese Organisationen leben von Glaubwürdigkeit. Sie stellen sich moralisch auf ein Podest und verlangen von Politik und Wirtschaft nicht nur Rücksicht auf die Natur, sondern Redlichkeit.

Zudem benötigen KI-Bilder reichlich Rechenleistung aus Serverfarmen, die Strom, Kühlwasser und Fläche verschlingen. Oft beargwöhnen Umweltorganisationen diese Infrastruktur.

Neue Bilder für den Abstimmungskampf

Zur Allianz zählen über 20 Organisationen. «No comment», sagt ein Sprecher von Public Eye zu den KI-Bildern. Swissaid verweist auf «die Kampagnenleitung». Da man ihr nicht angehöre, könne man «keine Auskunft bezüglich der Bildauswahl» geben.

Anders der Bruno Manser Fonds, ebenfalls Teil der Allianz. «Wir haben uns entschieden, mit einer eigenen visuellen Darstellung aufzutreten», sagt Daniel Demuth, zuständig fürs Fundraising. Man liess einen Illustrator zeichnen. «Damit erzeugen wir mehr Emotionen.»

Die Kampagnenleiterin der Allianz gegen Regenwald-Abholzung ist sich der Problematik bewusst. Die Lösung sei «nicht ideal», sagt Roxane Steiger. «Den Abstimmungskampf können wir mit solchen Bildern nicht führen.» Es sei aber nötig gewesen, «mit wenig Ressourcen schnell etwas aufzugleisen». Man werde die Optik ändern, «damit wir kein falsches Bild vermitteln für das, wofür wir einstehen».

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